IHK Trier


Seitenkopf

Seitenhauptinhalt

(Foto: HSK)

01.01.2011

Wo Dampf keine Luftnummer ist


Dieser Text ist vom 01.01.2011 und könnte inhaltlich veraltet sein.

Mülheimer Firma HSK Rohrleitungsbau hat mit mobiler Dampfkesselanlage Nische erobert

Als Ein-Mann-Betrieb mit einer Werkzeugkiste und einem Schweißgerät startete der gebürtige Bitburger Peter Scheer vor 22 Jahren in Lieser an der Mosel seine Firma für Rohrleitungsbau. Längst ist aus der „One-man-show“ eine GmbH geworden, die 30 Mitarbeiter zählt, im Gewerbegebiet in Mülheim an der Mosel (Kreis Bernkastel-Wittlich) sitzt und wegen ihrer Spezialisierung auf mobile Dampfkesselanlagen weitgehend außer Konkurrenz läuft.

Eine der weltweit größten mobilen Dampfanlagen hat die HSK Rohrleitungsbau GmbH in diesem Jahr im Auftrag der Siemens AG für ein Spitzenkraftwerk im englischen Newport aufgebaut und in Betrieb genommen. Über ähnlich lukrative Aufträge auch in den kommenden Jahren macht sich der 56-jährige Peter Scheer keine Sorgen: Gerade die sich wandelnde Energiepolitik macht das Produkt aus Mülheim begehrter denn je.

Dabei habe sich die Spezialisierung erst im Laufe der Zeit ergeben, berichtet der gelernte Kfz-Mechaniker und Schlosser-Meister. „Angefangen habe ich mit reinem Rohrleitungsbau für die Industrie. Dieser Bereich macht nach wie vor den Hauptteil unseres Geschäftes aus“, berichtet er. Der Wittlicher Reifenhersteller Dunlop sei Scheers erster Auftraggeber gewesen und zähle bis heute zu den zahlreichen Stammkunden der Firma. Die Erweiterung der Angebotspalette in Richtung Dampfanlagen habe sich aus der näheren Betrachtung seines Kundenportfolios ergeben.

DAMPF GEHÖRT ZU DEN MEISTEN PRODUKTIONSPROZESSEN DAZU
„Fast alle Industriebetriebe arbeiten in irgendeiner Weise mit Dampf“, erläutert Scheer. So werde beispielsweise während der Tabakverarbeitung Dampf zum Befeuchten der Rauchware benötigt. Scheer: „In der Stahlindustrie wird mit Hilfe von Dampf ein Vakuum erzeugt, um ungewollte Stoffe aus dem Herstellungsprozess fernzuhalten. Und in der Milch- und Weinerzeugung braucht man Dampf zum Sterilisieren.“

So ist der Unternehmer folgerichtig den ersten Schritt gegangen, individuelle Dampfanlagen-Lösungen für seine Kunden zu entwickeln und diese an Ort und Stelle als Kesselhäuser zu installieren.

Eine überaus erfolgversprechende und zukunftsträchtige Nische haben sich die Mülheimer Spezialisten – darunter auch vier Ingenieure - indes mit ihrem zweiten Schritt auf diesem Sektor erobert. Seit 1998 entwickelt und baut das Team der HSK Rohrleitungsbau GmbH mobile Kesselanlagen für Spitzenkraftwerke. Den Gaskraftwerken dienen die in Modulbauweise erstellten Konstruktionen als so genannte Hilfsdampferzeugeranlagen.

„In den Zeiten, in denen ein Spitzenkraftwerk still steht, wenn beispielsweise durch Sonne oder Wind Strom erzeugt wird und somit die Turbine nicht arbeitet, wird der Komplex durch die Hilfskesselanlage auf der erforderlichen Temperatur von 200 Grad gehalten“, erklärt der Firmenchef. „Beim Anschalten, An- und Hochfahren unterstützt unsere Konstruktion innerhalb von wenigen Minuten das Kraftwerk.“ Bis zu 20 Tonnen Dampf pro Stunde vermag die ausgeklügelte Technik zu produzieren.

TRANSPORTE STETS MIT POLIZEI-ESKORTE
Jede mobile Anlage wird bis ins Detail und bis zur letzten Schraube in Mülheim am PC entwickelt und geplant und anschließend in der rund 1 000 Quadratmeter großen Produktionshalle gefertigt.

„Einen Teil der Anlage, wie etwa den Rahmen, alle Rohrleitungen oder die elektronische Steuerung bauen wir selbst“, erläutert Betriebsleiter Ramon Gessinger. Andere Komponenten wie beispielsweise den Brenner, den Kessel oder verschiedene Pumpen und Ventile kauft die Firma zu.

In Modulbauweise werden die Einzelteile miteinander verbunden, bevor die fix und fertig montierte Anlage getestet und schließlich für den Transport auf einen riesigen Tieflader geladen wird.

72 Tonnen schwer, 13 Meter lang, 4,50 Meter hoch und vier Meter breit ist der Container, der sich von Mülheim aus per Lkw oder Schiff auf den Weg zum jeweiligen Kunden macht. Die Transporte auf der Straße werden von der Polizei begleitet. Brücken und so manche Straßenbeschilderung stellen für den Fahrer stets eine echte Herausforderung dar.

Etwa ein Jahr Vorlaufzeit benötige HSK für die Planung der jeweiligen Anlage und das Beschaffen sämtlicher zugelieferter Komponenten. Dabei nimmt die genaue Dokumentation im doppelten Sinne großen Raum ein: Nicht allein zeitlich, sondern auch in Form unzähliger in Aktenordnern festgehaltener Aufzeichnungen schlägt sich jede einzelne Planung nieder. Die reine Bauphase beanspruche zweieinhalb bis drei Monate.

16 LIEFERUNGEN OHNE EINE REKLAMATION
16 mobile Hilfsdampferzeugeranlagen hat HSK seit 1998 bis heute gebaut und ausgeliefert. Einen echten Durchbruch erhofft sich der Firmenchef mit seiner Mannschaft – zu der inzwischen auch seine beiden Söhne und geplanten Nachfolger Patrick und David gehören – durch einen vor einiger Zeit gewonnenen äußerst attraktiven Auftraggeber.
HSK Rohre
Über einen ihrer Zulieferer hat die Firma vor drei Jahren bei der Siemens AG einen Fuß in die Tür setzen können. Nachdem sich HSK in einem aufwendigen Prozess nach dem Siemens-Qualitäts-Standard hat zertifizieren lassen, folgte nach erfolgreichem Abschluss prompt der erste Auftrag des Großkonzerns. Mitte Januar dieses Jahres trat die bislang weltweit größte mobile Anlage dieser Art ihre Reise von der Mosel nach Newport, Süd-Wales, an. Die Anlage besteht aus zwei Moduleinheiten mit komplettem Rohrleitungssystem, die im Werk in Mülheim vormontiert wurden.

Zum Transport wurden diese demontiert und an Ort und Stelle in gerade einmal einer Woche von englischen Fachleuten unter Anleitung von HSK Supervisors wieder aufgebaut. Seitdem unterstützt das Mülheimer Produkt erfolgreich ein von Siemens geplantes und errichtetes Spitzenkraftwerk von zwei Mal 420 Megawatt.

Der Vorteil der mobilen Anlagen liegt für Scheer zweifelsfrei auf der Hand: „Zum einen lassen sich diese Anlagen von der Planung her zu einem großen Prozentsatz standardisieren, zum anderen erzielen wir durch die Modulbauweise einen hohen Grad der Vorfertigung. Das spart bei der Montage Zeit und Geld.“ Darüber hinaus lasse sich die Konstruktion jederzeit am alten Standort ab- und an einem neuen wieder aufbauen.

v.l.n.r.: Betriebsleiter Ramon GEssinger, Firmenchef Peter Scheer und seine Söhne David und Patrick Scheer. Fotos: Thewalt
v.l.n.r.: Betriebsleiter Ramon
Gessinger, Firmenchef Peter
Scheer und seine Söhne David
und Patrick Scheer.
Fotos: Thewalt
Dass Scheer mit seinen mobilen Hilfsdampferzeugeranlagen alles andere als heiße Luft produziert, erfährt der agile Unternehmer auf unterschiedliche Weise. „Unser Erfolg ist die einwandfreie Qualität, die wir liefern. Bei bislang 16 errichteten Anlagen hat es bis heute noch nicht eine einzige Reklamation gegeben“, sagt er stolz. Darüber hinaus habe sein Unternehmen von der Wirtschaftskrise nichts gespürt. Im Gegenteil: „Die vergangenen drei Jahre waren die besten Geschäftsjahre seit Bestehen des Unternehmens.“ Bei diesem Stand wird es möglicherweise allerdings nicht bleiben - schließlich läuft auch das Geschäft mit den stationären Anlagen und dem Rohrleitungsbau für die Industrie weiterhin gut. Und weitere viel versprechende Aufträge für mobile Anlagen – etwa in Frankreich und Israel – seien derzeit im Gespräch. So ist bei Unternehmer Scheer der Hallenausbau mit dann eigenem, fest installiertem Kran, der 80 Tonnen heben kann, für 2012 schon jetzt fest eingeplant.

  • Blickpunkt Wirtschaft

    Ausgabe: Januar 2011
  • Autor
    Foto: Susanne Rendenbach

    Susanne Rendenbach

Seitenfuß