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  • 08.05.2020

    Coronavirus trifft regionale Wirtschaft hart: Umsätze brechen ein, Beschäftigungsaussichten sind düster

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    Dr. Matthias Schmitt

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Die Corona-Pandemie hinterlässt tiefe Spuren auch im regionalen Wirtschaftsgeschehen, wie die dritte Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer Trier zu den geschäftlichen Auswirkungen des Virus zeigt.

Über 60 Prozent der Betriebe klagen über eine rückläufige Nachfrage. Jeweils knapp vier von zehn Befragten geben an, ihre eigenen Investitionspläne für 2020 zu kürzen und unter Auftragsstornierung durch Kunden zu leiden. Fast jeder dritte der rund 200 Teilnehmer an der vom 4. bis 6. Mai laufenden Befragung ist von einem weitgehenden oder kompletten Stillstand der eigenen geschäftlichen Tätigkeit betroffen. 8 Prozent fürchten gar eine Insolvenz.

Den Betrieben sind laut IHK-Umfrage Finanzierungsprobleme entstanden. Mehr als die Hälfte der Befragten leidet unter Eigenkapitalrückgängen, jeder fünfte unter Liquiditätsengpässen und bei jedem zehnten gestaltet sich die Kreditversorgung schwieriger. „Die Staatshilfen in Verbindung mit den jetzt beschlossenen wirtschaftlichen Lockerungen waren daher dringend notwendig, um das Schlimmste zu verhindern“, sagt IHK-Präsident Peter Adrian. „Die Unternehmen sind in den vergangenen Monaten ihrerseits nicht untätig geblieben und haben auf die Krise reagiert.“

Vier von zehn Befragten haben die unternehmensinterne Digitalisierung vorangetrieben. Jeder Dritte hat Rationalisierungsmaßnahmen ergriffen und jeder Vierte neue Geschäftskonzepte im Hinblick auf Produkte, Kunden oder Absatzwege umgesetzt. Mehr als jeder zehnte Betrieb musste sich neue Lieferanten für Vorprodukte und Dienstleistungen suchen.

„Das alles hat vielerorts tiefe Spuren in den betrieblichen Abläufen hinterlassen. Deshalb wird es oft nicht leicht fallen, schnell wieder zur alten Normalität zurückzufinden. Dafür sind seitens der Unternehmen ein langer Atem und seitens des Staats wirtschaftsfreundliche Reformen nötig“, fordert IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer.

Weniger als jedes fünfte Unternehmen arbeitet derzeit in der Vorkrisenauslastung oder erwartet diese kurzfristig wieder zu erreichen. Jeweils rund jeder sechste Betrieb erwartet im Laufe des dritten beziehungsweise des vierten Quartals 2020 zur geschäftlichen Normalität zurückkehren zu können. Mehr als ein Viertel der Befragten glaubt hingegen, dass dies erst im Verlauf des Jahres 2021 möglich sein wird. Weitere 8 Prozent erwarten eine noch längere Durststrecke.

IHK-Chefvolkswirt Matthias Schmitt erläutert, wie es um die Umsätze der regionalen Betriebe steht: „40 Prozent der Umfrageteilnehmer rechnen für 2020 mit Umsatzrückgängen von mehr als 25 Prozent, jeder sechste sogar von mehr als 50 Prozent. Nur wenige kommen ungeschoren davon.“ Neun Prozent der Befragten erwarten keine negativen Auswirkungen auf ihre Erlöse und nur knapp drei Prozent gehen davon aus, ihre Umsätze steigern zu können. Am stärksten von den Umsatzrückgängen betroffen sieht sich das Tourismusgewerbe, am wenigsten die Bauwirtschaft.

Trotz der nun wieder möglichen Geschäftsöffnungen ist die Handelsbranche noch weit von der Normalität entfernt. 40 Prozent der Kaufleute berichten, weniger als die Hälfte der üblichen Kundenzahl finde derzeit in ihre Geschäfte. Lediglich 12 Prozent haben eine konstante und 6 Prozent eine steigende Kundenfrequenz. Die Werte schlagen sich in ähnlichen Dimensionen in den Umsatzkennziffern nieder.

Die Krise hat laut IHK auch deutliche Auswirkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt. „Die Beschäftigungsaussichten sind derzeit einfach schlecht“, sagt Matthias Schmitt. „Rund ein Drittel der Befragten sieht sich gezwungen, Personal abzubauen. Lediglich knapp drei Prozent planen zusätzliche Mitarbeiter einzustellen. Die Arbeitsplatzunsicherheit bleibt ein Risikofaktor für die Binnennachfrage.“

Ganz schwarz will die IHK die Perspektiven aber nicht malen: „Wir sind erst vor kurzem in den Lockerungsprozess eingestiegen. Wenn wir diesen jetzt mit den gebotenen Sicherheitsmaßnahmen und Entlastungen für die Unternehmen fortsetzen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass die regionale Konjunktur wieder zunehmend Tritt fasst“, sagt Jan Glockauer.

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