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02.12.2019

Digital am (Ausbildungs)Start

Unternehmen und Schulen wollen sich stärker vernetzen, um mit technischer Entwicklung Schritt zu halten.

Benedikt Treis brennt für den 3D-Druck. Deshalb hat ihn ein Projekt an der BBS GuT Trier nicht losgelassen – und so tüftelte der angehende Technische Produktdesigner mit einem Kollegen in der Freizeit weiter. So lange, bis sie perfekt war: eine Methode, mit der er berechnen kann, wie lange die Herstellung eines Werkstücks mit dem 3D-Drucker dauert, wie teuer es wird und ob sich die Produktion bei einer bestimmten Stückzahl lohnt. Welche Veränderungen sind möglich, um das Teil  kostengünstiger zu produzieren? Auch das kann der Auszubildende bei Clemens Technologies in Wittlich damit herausfinden. Denn die Software ist mit dem 3D-Drucker verknüpft. Ein schönes Beispiel, das zeigt, wie sehr die Digitalisierung die Arbeit erleichtern und sich für die Betriebe auszahlen kann.
Gerade auch die duale Berufsausbildung muss daher mit der technischen Entwicklung Schritt halten und die Fachkräfte von morgen auf die digitale Zukunft vorbereiten. Deshalb hat die IHK Trier den Themennachmittag „Ausbildung digital“ auf die Beine gestellt, um den 170 Teilnehmern neue Lern- sowie Lehrformate vorzustellen und den Austausch von Wirtschaft, Schulen und Politik zu fördern.

Von Virtual Reality bis Azubi-Chat
So präsentierten Unternehmen und Berufsschulen aus der Region auf einem „Markt der Möglichkeiten“ beispielhaft, wie sie Auszubildende an den neuesten Stand der Technik heranführen. Der Gerolsteiner Brunnen hatte ein Förderband-Modell mitgebracht, an dem Auszubildende das Programmieren üben.
Außerdem stellte das Unternehmen eine Plattform vor, die unter anderem Informationen für Neueinsteiger bereithält und Chats, Umfragen sowie Besprechungen ermöglicht. Thyssenkrupp Bilstein aus Mandern präsentierte eine selbst gebaute Simulationsanlage, mit der Fertigungsabläufe durchgespielt werden können. Die JT International Germany GmbH stellte ein Online-Berichtsheft vor, das Überbetriebliche Ausbildungszentrum (Wittlich) unter anderem ein digitales Schweißgerät, die GKN Driveline GmbH aus Trier eine Virtual-Reality-Brille – und Vieles mehr. „Wir wollen damit die  Digitalisierung in der dualen Berufsausbildung greifbar machen und zeigen, was schon möglich – und was noch denkbar ist“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jan Glockauer. Er begrüßte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig, die sagte: „Die duale Ausbildung ist der innovativste und schnellste Weg, um auf die Herausforderungen unserer Zeit zu reagieren – und der zukunftssicherste Weg in den Beruf.“ Es gelte, in der Berufsschule fach- und themenübergreifend digitale Methoden zu vermitteln. Dazu müsse jede von ihnen ein digitales Zentrum werden. Wie dies gelingen könnte, diskutierten anschließend Michael Müller (Berufsbildende Schule für Gestaltung und Technik, Trier), Marcus Weber (BBS Prüm) und Percy Merkelbach (BBS Vulkaneifel, Gerolstein).
Insbesondere der enge Kontakt zu den Ausbildungsbetrieben sei wichtig, um am Puls der Zeit zu sein und zu wissen, welche Kompetenzen sie benötigen, sagte Müller. Um sich teure Maschinen anschaffen
oder mitnutzen zu können, seien Lernort-Kooperationen sinnvoll. Merkelbach wünschte sich zielgerichtetere Lehrerfortbildungen sowie Zeit für Praktika in den Betrieben.

Individuelles Lernen
In einer wie zuvor von Thomas Vatheuer moderierten Runde tauschten sich anschließend Unternehmensvertreter über das digitale Lernen aus. Dirk Hoffmann (Gerolsteiner Brunnen) sieht darin
den Vorteil, unabhängig von Raum und Zeit individuell Wissen zu vermitteln. Noch befänden sich viele Betriebe in der Testphase, welche Methoden zu ihnen passen. Detlef Wiese (ÜAZ Wittlich) berichtete von sich immer schneller wandelnden Berufsbildern und plädierte für eine strukturiertere Umstellung auf das digitale Lernen. Dabei müssten Schulen und Betriebe eng zusammenarbeiten, sagte Damian Drzyzga (Thyssenkrupp). Ulrich Schneider, IHK-Geschäftsführer Ausbildung, berichtete, dass die IHKs deutschlandweit bald ein digitales Berichtsheft für Azubis anbieten. Auch mit dem digitalen Ausbildungsatlas, der Azubicard und vielem mehr gehe die Kammer mit der Zeit. Robert Nummer (JTI)
sprach sich zudem dafür aus, dass die IHK den Unternehmen bei der Vernetzung hilft. „Wir müssen dabei große wie kleine Betriebe mitnehmen.“ Glockauer freute sich über die gute Resonanz auf die Veranstaltung und sprach sich dafür aus, auch den Finger in die Wunde zu legen und darüber zu sprechen, wo es nicht gut läuft. Und, nicht zu vergessen: „Wir können in den Betrieben auch Vieles
von den Azubis lernen!“

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