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01.07.2019

Digital ran an den Stahl

Tecknik und Tüftler-Kultur sind bei Weber Stahl fester Teil der Arbeit

Sorgfältig wiegt er den Kopf von links nach rechts und betrachtet das vor ihm liegende, stählerne Werkstück von allen Seiten – schließlich soll die Nahtstelle später genau zum Gegenstück passen, mit dem sie verschweißt wird. Bevor es also losgeht mit dem Zurechtschneiden der sogenannten Fase, sind erst einmal Abwägen und Rechnen gefragt. Wer hier am Arbeitsband der Weber Stahl –Anarbeitungs-Service GmbH in Großlittgen so überlegt zu Werk geht, ist kein Mensch, sondern ein hochmoderner Roboterarm.

Mensch und Technik kooperieren
Durch eingebaute Kameras erkennt der Robot, welches Werkstück vor ihm liegt und wie er es bearbeiten muss. Und dann legt er mit seinem Laser los: blitzschnell und präzise. Doch ohne sein „Gehirn“ in Form der von Menschenhand einprogrammierten Werkstück-Vorlagen und Bearbeitungsschritte wäre er absolut hilflos. Derartiges Zusammenspiel von menschlicher Fachkraft und Technik gehört bei der Bearbeitung der unzähligen Stahl-Spezialteile im Werk im Großlittgen zum Alltag. Digitale Prozesse sind hier längst fester Bestandteil der Ausbildung, beispielsweise zu Konstruktionsmechanikern oder zu Fachkräften für Metalltechnik, – ein Berufsbild, das lange nur mit dem Schweißgerät verbunden wurde. Gute Schweißer seien zwar immer noch unverzichtbar, sagt Alexander Schmitz, Prokurist und Bereichsleiter Vertrieb und Technik bei Weber Stahl. „Doch wir sind sehr breit aufgestellt und bearbeiten Stahl mit vielen Verfahren vom Zurechtschneiden mit Laser oder Plasma über Walzen, Fasen, Abkanten bis neuerdings hin zum Lackieren – da kommen sehr viele Maschinen zum Einsatz“, erläutert er.
Ein Streifzug durch die Werkshallen veranschaulicht diese Vielfältigkeit: Hinter der Sicherheitsscheibe frisst sich ein Laserstrahl durch 25 Meter lange, bis zu 20 Millimeter dicke Stahlplatten, nebenan bringt eine Presse das Material in Form, zur Feinbearbeitung geht’s weiter zum Fasen-Roboter oder zu den menschlichen Kollegen in die Halle mit den Schweißer-Arbeitsplätzen. Das 1986 von Heinz Weber am Standort in Großlittgen aufgebaute Unternehmen hat sich einen Namen damit gemacht, Stahl zu spezialisierten Werkstücken zu verarbeiten, die bei den Auftraggebern in Konstruktion, Maschinenbau und Co. Verwendung finden. Bei der Vielzahl von Sonderanfertigungen mit zum Teil extrem hohen Anforderungen an die Präzision gehörten Flexibilität und Kreativität für die rund 120 Mitarbeiter im Unternehmen zum unverzichtbaren Rüstzeug, ist Schmitz überzeugt. „Mitdenken und Entwickeln gehört bei uns für alle dazu.“

Kreatives vom Grill
Aus einer solchen „Tüftler-Kultur“ erwachsen mit der Zeit auch eigene Konstruktionen. Ein besonders erfolgreiches Projekt dieser Art ist der Muldenkipper „Muldy“. Vor einigen Jahren wollte Weber Stahl auf seinem Messestand bei der IAA (Internationale Automobilausstellung) das Modell eines Muldenkippers zu Demonstrationszwecken ausstellen. Als Stahlprofi baute man dieses Exponat gleich selbst im eigenen Werk. „Es war ein unerwarteter Erfolg, Zahlreiche Messebesucher sprachen uns an, dass sie genau einen solchen Muldenkipper in dieser Größe benötigen würden, so etwas aber nirgends zu kaufen sei“, erzählt Schmitz. So begann die Erfolgsgeschichte des „Muldy“, der inzwischen von Weber Stahl zu mehreren Modellen fortentwickelt und am Markt etabliert wurde.
Der neueste Streich ist der Grill-Leidenschaft des Geschäftsführers Florian Weber und weiterer Mitarbeiter entsprungen: der „Feuertopf“. Zunächst für den privaten Gebrauch gedacht, wurde ein runder Großgrill gebaut, der äußerlich vor allem durch seine an Rostfarbe erinnernde Cortenstahl-Optik auffällt. Die wahren Werte aber stecken im Innern, denn der „Feuertopf“ ist so konstruiert, dass er gleichzeitig als Grill und Kaminofen fungiert. In drei Größer wird er inzwischen verkauft, wobei die beiden größeren Exemplare mit 250 beziehungsweise 480 Kilogramm Gewicht und entsprechendem Umfang eher für den Gastro-Bereich gedacht sind. Der kleine Bruder mit 125 Kilogramm ist schon eher für den Hausgebrauch geeignet. Der Prokurist kündigt an: „Damit wollen wir jetzt in die Vermarktung auch über Baumärkte gehen.“

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