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(Foto: Mila Supynska - Fotolia)
  • 02.03.2020

    Fachkräfteeinwanderungsgesetz – Herausforderungen und Möglichkeiten für die Wirtschaft

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    Standortpolitik

    Luisa Marx

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Lange erwartet ist das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) gestern in Kraft getreten. Damit ergeben sich für die Unternehmen in Rheinland-Pfalz einige Änderungen der Rechtsgrundlagen, die die Anwerbung und Beschäftigung ausländischer Fachkräfte erleichtern können. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz haben Wirtschaftsministerium und die IHK-Arbeitsgemeinschaft für Rheinland-Pfalz als Zuwanderungsland geworben. „Das FEG schafft nun endlich die Möglichkeit, nicht nur Akademiker, sondern auch beruflich Qualifizierte aus Drittstaaten einzustellen“, kommentiert Arne Rössel, Sprecher der IHK-Arge.

Wie aus der Konjunkturumfrage Winter 2019/20 der IHK-Arge hervorgeht, bewerten 56 Prozent der hiesigen Unternehmen den Fachkräftemangel als größtes Geschäftsrisiko. Die Situation könnte sich noch gravierender darstellen, wenn nicht ausländische Fachkräfte bereits einen hohen Anteil des Bedarfs decken würden. Seit 2010 hat sich der Anteil ausländischer Arbeitnehmer in Rheinland-Pfalz annähernd verdoppelt: Sie machen nun 12 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus, wie aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen.

„Die Hürden für internationale Fachkräfte sind immer noch hoch und wir brauchen Strukturen im Land, die den Betrieben die Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen erleichtern. Mit unseren Welcome Centern bieten wir Unternehmen Beratung und Unterstützung bei der Anwerbung internationaler Fachkräfte an und helfen dabei, eine Willkommenskultur in der regionalen Wirtschaft zu gestalten“, erläutert Rössel. Im vergangenen Jahr haben die rheinland-pfälzischen Welcome Center mehr als 550 Beratungsgespräche geführt.

„Rheinland-Pfalz ist ein hervorragender Wirtschaftsstandort mit einer gesunden mittelständischen Wirtschaft – zudem von einer großen Weltoffenheit und lebenswerten Region geprägt. Mit diesen Stärken können wir Fachkräfte aus dem Ausland für uns interessieren. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz gibt uns nun neue Möglichkeiten. Die wollen wir nutzen, zugunsten unserer Unternehmen. Mit der Zusammenarbeit von IHK und Ministerium unterstützen wir die Menschen ganz praktisch. Wir wollen es gut ausgebildeten Fachkräften so einfach wie möglich machen, sich bei uns zurechtzufinden“, so Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing. Wissing verweist auf die neu gestaltete Homepage www.make-it-in.rlp.de, die sich an die Bundesseite www.make-it-in-germany.com anlehnt. Hier werden interessierte Zuwanderer mit umfangreichen Erstinformationen versorgt.

Dass qualifizierte Fachkräfte fehlen, bleibt nicht ohne Folgen. Dennis Irmiter, Personalleiter der HAITEC Aircraft Maintenance GmbH am Flughafen Hahn, berichtet aus eigener Erfahrung: „Fachkräftemangel bedeutet für uns ganz klar ein Wachstumshemmnis. In der Flugzeugwartung sind wir angewiesen auf Spezialisten, die wir auf dem deutschen Markt kaum finden.“ Das Unternehmen sucht auf der ganzen Welt nach Fachkräften und wirbt für eine berufliche Zukunft im Hunsrück. Er wünsche sich einfachere Verfahren und schnellere Prozesse bei der Einwanderung, sagt Irmiter.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Einreise über das FEG ist – neben dem Nachweis über Sprachkenntnisse – eine Anerkennung der beruflichen Qualifikation. Die Anforderungen der deutschen Referenzberufe sind mit ausländischen Abschlüssen oft nicht vergleichbar. „Mit dem neuen FEG kann bereits eine teilweise Anerkennung ausreichen, um aus Erwerbsgründen nach Deutschland einzureisen“, erläutert Dr. Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der IHK Trier. Fehlende Kenntnisse und Qualifikationen können laut FEG-Regelung nachgeholt und der Arbeitnehmer in dieser Zeit schon für sein Unternehmen tätig werden. „Das ist eine Erleichterung. In den Welcome Centern und mit unseren Anerkennungsberatern sind wir auf eine erhöhte Nachfrage nach Beratung eingestellt und stehen Fachkräften und Betrieben zur Seite.“ Dass dieser Bedarf nach wie vor hoch ist, zeigt auch ein Ergebnis der zurückliegenden Arge-Konjunkturumfrage: Noch im Herbst 2019 gaben lediglich 28 Prozent der rheinland-pfälzischen Unternehmen an, die Regelungen des FEG zu kennen.

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