Offizielles Internetangebot der IHK Trier


01.02.2016

IHK Trier startet weltweites Pilotprojekt

Erste Teilnehmer bestehen Basisqualifizierung „Ausbildung der Ausbilder International“ in Indonesien

Agus schwitzt über seinen Prüfungsaufgaben und das nicht wegen der tropischen 34°C in Semarang, der Provinzhauptstadt in der Mitte Jawas. Mit der Hitze in Indonesien ist er vertraut, aber die Basisqualifizierung zum Ausbilder nach deutschen Standards ist völlig neu für ihn und eine Woche Vorbereitungslehrgang gerade ein Anfang. Ob er die Prüfung bestehen wird? Egal, in jedem Fall wird er die neu erlernten arbeitspädagogischen Methoden bei der Anleitung seiner Jungarbeiter einsetzen. Je rascher er seine Neueinstellungen voll in den Produktionsablauf integrieren kann, desto besser besteht sein Bauunternehmen im Wettbewerb um die besten Aufträge. Diese Rechnung geht für ihn auf, und dafür lohnt sich das Schwitzen allemal.

Der Unternehmer Agus aus Surabaya gehört weltweit zu den ersten Personen, die an der Basisqualifizierung der Ausbildung zum Ausbilder (AdA) International teilnehmen können. Während die duale Berufsausbildung in Deutschland den betrieblichen Ausbilder als festen Bestandteil in ihrem Portfolio führt, erobern andere daran interessierte Länder diesen Teil der praktischen Ausbildung im Unternehmen erst. Die Wirtschaft in Indonesien zählt dazu und hat bereits in der Vergangenheit ein eigenes System zur Zertifizierung von Berufskompetenzen eingeführt. So wie heute gab es auch damals umfangreiche Unterstützung aus der deutschen Kammerorganisation.

Globale Anwendung deutscher Standards
Grundlage des jetzigen Kurses sind die schon lang bewährte deutsche AEVO (Ausbildereigungsverordnung) und das darauf basierende DIHK-Programm AdA International. Trotzdem brauchte es etliche Monate, bis die Berufsbildungspartnerschaft der IHK Trier in Indonesien gemeinsam mit dem DIHK und seiner Bildungs-GmbH das Kurs-Curriculum, die Kursunterlagen und die Prüfungssätze passgenau auf die Landessprache und das Ausbildungsumfeld in Indonesien zugeschnitten hatten. Die vollschulische Berufsausbildung Indonesiens kannte bislang nur sporadische und kurzzeitige Betriebspraktika ohne pädagogisch geschulte Ausbilder. Und auch sprachlich wurde Neuland beschritten mit angepassten Erläuterungen, Lernbeispielen, Arbeitsmitteln und Begriffsprägungen, die es vorher nicht gab. Der Erfolg des ersten Lehrgangs zeigt, dass es dem Team der Berufsbildungspartnerschaft (BBP) gelungen ist, die deutsche Ausbildungsqualität in Indonesien zu etablieren. Dieses neue Produkt „made in Germany“ wird über den DIHK nun weltweit angeboten.

Und der Nutzen für die Wirtschaft Indonesiens ist enorm. Bereits heute besteht Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der zehn ASEAN-Staaten in Südostasien, unter denen Indonesiens Arbeitskräfte meistenteils als nicht oder nur ungenügend qualifiziert gelten und kaum den Fachbedarf der eigenen Wirtschaft decken. Darüber hinaus ist es ein politisches Ziel des Landes, noch mehr der circa 130 Millionen Arbeitskräfte ins Ausland zu schicken. Diesem Handlungsdruck begegnet nun die geordnete Ausbildung im Unternehmen mit professionellen betrieblichen Ausbildern und eröffnet somit Chancen auf Arbeitsplätze und Wohlstand. Dem ersten Kurs werden weitere folgen; allein für das Jahr 2016 sind bereits sieben in der Planung.

Prüfung bestanden

Agus hat die schriftliche Prüfung und auch das Lehr- und Fachgespräch bestanden, so wie seine vierzehn anderen Lehrgangskollegen aus fünf Provinzen Indonesiens. Warum sollte er auch nicht? Die Dozenten kamen aus der IHK Trier und ihrem BBP-Team; der DIHK hat die AHK Jakarta zur Prüfungsabnahme qualifiziert, die in Semarang ebenfalls zum ersten Mal stattfand. Agus‘ Lächeln wird noch breiter, als er das DIHK-Zertifikat aus den Händen von IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jan Glockauer und dem Gouverneur Zentraljawas entgegennimmt. Die würdigenden Worte der Vertreter aus der deutschen Botschaft und vom DIHK machen ihm Mut. Nun ist er Basis-Ausbilder nach den strengen deutschen Standards; eigentlich könnte er sich jetzt die nächste Stufe des Ausbilders vornehmen.

Was steckt hinter der Berufsbildungspartnerschaft?
Die Berufsbildungspartnerschaft (BBP) der IHK Trier in Indonesien ist ein sequa-Projekt, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ finanziert wird. In der zweiten Projektphase von 2015-2018 werden ausgewählte Trainingszentren von indonesischen IHKs aufgebaut und weiterentwickelt, passende und nachgefragte Elemente der dualen Berufsausbildung implementiert und Berufsprofile pilothaft an die Bedarfe der Wirtschaft angepasst. Ziel ist es, Auszubildenden und Jungarbeitern eine bessere Qualifizierungsperspektive und damit bessere Arbeitschancen zu eröffnen.




Info

Blickpunkt Wirtschaft
Artikelart: Wirtschaftstrends
Ausgabe: Februar 2016