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01.05.2019

Tempo, Tempo, Tempo!

Innovationen brauchen Invest, Know-how, Risikobereitschaft und Geschwindigkeit

Da ist er, der Porsche-Killer. Schnelle Beschleunigung, günstig, schick. Der e.GO Life – ein Elektrofahrzeug. Entwickelt von Professor Dr. Günther Schuh, Direktor des Werkzeugmaschinen-Labors der RWTH Aachen. Den mehr als 100 Zuhörern des IHK-Wirtschaftsforums zur Regionalen Innovationskraft in Trier gewährte er einen Einblick in seine neusten Erfindungen, die die Mobilität revolutionieren könnten.
Elektroautos seien noch zu teuer und böten dem Kunden keinen ersichtlichen Zusatznutzen. „Deshalb müssen sie ihm ein solches Produkt schmackhaft machen.“ Mit einem günstigen Preis – und Geschwindigkeit.
Derzeit läuft die Serienproduktion des „eGO Life 60“ am neu errichteten Produktionsstandort in Aachen an: eine Vorzeigefabrik für Industrie 4.0. Agile Teams arbeiten hier an verschiedenen Elektrofahrzeugen für den Kurzstreckenverkehr. Es ist das 14. Unternehmen, an dessen Gründung Schuh beteiligt ist. Und es könnte das erfolgreichste werden: 2018 machte die 2015 gestartete e.GO Mobile AG zum ersten Mal Gewinn, 2019 sollen es 70 Millionen Euro Umsatz sein, kommendes Jahr 420 Millionen. Jeden Monat erhöht sich die Zahl der Mitarbeiter um zehn Prozent. Ein schwindelerregendes Wachstum.

Erst Kernprobleme lösen
Sein Erfolgsrezept: ein schnelles, günstiges Prototyping mit agilem Produktionskonzept, um immer wieder neue Varianten testen und optimieren zu können. Ein geringer Investitionsaufwand, eine effiziente Kleinserienproduktion, eine schnelle Entscheidungsfindung und ein Konzept, das sich auf andere Länder übertragen lässt. Man dürfe nicht zu viele Spezifikationen zulassen und müsse Probleme abschichten. Wegen der vielen Vorgaben klebten viele schon zu früh an Detailfragen, anstatt erst die großen Probleme zu lösen und in neue Richtungen zu denken. „Sie müssen sich auf das konzentrieren, worauf es wirklich ankommt!“
Das Hindernis in Deutschland seien die eher risikoscheue Mentalität, die Überregulierung und das fehlende Angebot hoher Summen Risikokapitals. „Innovationsquellen gibt es bei uns reichlich, wir müssen nur die Geldquellen dafür freimachen.“ Deshalb rät er zu regelmäßigen Treffen von jenen, die an „schrägen Ideen“ arbeiten und Unternehmen, die Eigenkapital besitzen oder organisieren können.

157 innovative Betriebe
Einen ersten Anlauf dazu könnte die Region Trier mit dem Startup-Camp am 16./17. Mai nehmen, organisiert unter anderem von der Universität Trier mit Unterstützung der IHK. Professor Dr. Jörn Block, Sprecher der Forschungsstelle Mittelstand der Universität, stellte beim Wirtschaftsforum die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung im IHK-Auftrag zur Innovationskraft in der Region Trier vor.
Diese sei in der Öffentlichkeit zwar nicht gerade für ihren Erfindergeist bekannt, es gebe hier aber durchaus zahlreiche innovative Unternehmen, darunter einige Hidden Champions. Laut seiner Untersuchung 157 an der Zahl: 37 in der Stadt Trier, 35 im Landkreis Bitburg-Prüm, 32 im Kreis Trier-Saarburg, 27 im Eifelkreis Bitburg-Prüm und 26 im Vulkaneifelkreis. Dabei macht er Branchencluster beispielsweise in den Bereichen Abwasser, 3D-Visualisierung von Karten, Schutzkleidung, Wein, Automatisierungstechnik, Türen und Fenster sowie Schaltschränke aus.

Mit Tesla zum Visible Champion
Ein Name, der dabei besonders hervorsticht, ist Tesla Grohmann in Prüm. Vice President und Managing Director Lothar Thommes skizzierte die Erfolgsgeschichte des weltweit führenden Entwicklers und Herstellers innovativer Automatisierungstechnologien nach. Mit der Übernahme durch Tesla sei Grohmann vor zwei Jahren vom Hidden zum Visible Champion geworden.
„Wir haben schon immer versucht, uns von anderen zu differenzieren, indem wir Dinge anders gemacht oder uns an das herangetraut haben, was andere nicht gewagt haben.“ Dank der Partnerschaft mit Kunden machten sie Problemfälle ausfindig und gewännen sie mit attraktiven Lösungen.
„Wir wandeln uns stetig und greifen neue Themen am Markt sofort auf“, sagt Thommes. So habe sein Unternehmen beispielsweise die Automatisierungstechnik für die erste elektronische Servolenkung, den Kern der Tintenstrahlpatronen von HP und Batteriemontageanlagen für Elektrofahrzeuge entwickelt. Dazu brauche es Schnelligkeit, Know-how und kurze Entscheidungswege.
Schlüsselfaktor 1: kompetente Mitarbeiter, die eine offene Kommunikation pflegen, Risiken eingehen, fokussiert, fleißig und beharrlich arbeiten. Deshalb setze Tesla Grohmann – mit 860 Mitarbeitern alleine in der Eifel – auf ein Inhouse-Trainingsprogramm und eine hochwertige duale Ausbildung.
Schüsselfaktor 2: Produkte, die im Haus selbst entwickelt, getestet und schnell an sich ändernde Rahmenbedingungen angepasst werden können. So sei das Unternehmen autark handlungsfähig und könne Produktionskapazitäten bei Bedarf schnell hochfahren.
Schlüsselfaktor 3: Geschwindigkeit – im laufenden Prozess nachsteuern, kurze Lieferzeiten und hohe Flexibilität bieten zu können. „Das ist unsere DNA.“

  • Blickpunkt Wirtschaft

    Ausgabe: Mai 2019
  • Autor
    Foto: Ursula Bartz

    Ursula Bartz

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