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(Foto: Karin & Uwe Annas - Fotolia)
  • 04.02.2018

    Unternehmensnachfolge – Unternehmer und Politik sind gefordert

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    Foto: Raimund Fisch
    Existenzgründung und Unternehmensförderung

    Raimund Fisch

    Tel.: (06 51) 97 77-5 20
    Fax: (06 51) 97 77-5 05
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Union und SPD wollen „Strukturen schaffen, die Neugründer und Nachfolger in der Start- und Übergangsphase unterstützen“ – so steht es im Sondierungspapier der möglichen Koalitionäre. „Problem erkannt!“, kann man da nur sagen. Gut, dass nicht nur das Gründen, sondern auch die Übernahme von Unternehmen unterstützt werden soll. Hier hat Deutschland großes Potenzial: Nach Erfahrungen der Industrie- und Handelskammern begeben sich schon demografisch bedingt immer mehr Alt-Inhaber auf die Suche nach einem Nachfolger, während sich immer weniger Interessenten für eine Betriebsübernahme finden. Wenn hier nicht die Bedingungen deutlich verbessert werden, verkehrt sich Deutschlands großer Standortvorteil – nämlich der von Familienunternehmen geprägte Mittelstand – ins Gegenteil.

Demografie könnte zu existenziellem Problem werden
Immer mehr Unternehmer erreichen das Ruhestandsalter. Gleichzeitig dünnen die Jahrgänge der 25- bis 45-Jährigen aus, denen grundsätzlich die meisten unternehmerisch Interessierten angehören. Oft findet sich selbst bei guter wirtschaftlicher Lage kein Übernehmer, so die Erfahrungen der IHKs. 2016 haben insgesamt 6654 Alt-Inhaber das Beratungsangebot ihrer IHK genutzt – ein Rekordwert. Knapp 3000 davon finden keinen passenden Nachfolger – auch das ist ein Höchstwert. Schon seit 2014 verzeichnen die IHKs mehr suchende Alt-Eigentümer als Übernahmeinteressenten.

Noch nicht alle Mittelständler haben die Problematik erkannt, …
Im Mittelstand steigt das Bewusstsein dafür, sich rechtzeitig der Herausforderung zu stellen. Das zeigt sich bei einschlägigen Informationsveranstaltungen der IHKs, die erneut mehr als 20 000 Alt-Inhaber und Übernahmeinteressenten angelockt haben. Die Beratungen tragen Früchte: Erstmals haben über 30 Prozent der Senior-Chefs alle wichtigen Dokumente und Vollmachten griffbereit zusammengestellt. Allerdings bleibt noch viel Arbeit: Mit 68 Prozent ist der Anteil derjenigen ohne einen sogenannten „Notfallkoffer“ noch immer sehr hoch.

Auch in anderen Bereichen gibt es Schwierigkeiten: Gut einem Drittel der Alt-Inhaber fällt es schwer, „emotional loszulassen“. Auch deshalb raten die IHKs 41 Prozent der Senior-Unternehmer, mit einer realistischeren marktorientierten Kaufpreisvorstellung in die Verhandlungen mit dem möglichen Nachfolger zu gehen. Bei 42 Prozent wäre laut IHKs unterstützende Beratung schon zu einem viel früheren Zeitpunkt angebracht gewesen. Zu oft werden Modernisierungsinvestitionen auf die lange Bank geschoben, etwa beim Thema Digitalisierung. Das schmälert besonders in Industrie, Gastgewerbe und Handel die Attraktivität des Unternehmens.

… aber auch die Politik ist gefragt!
Einerseits preist die Politik den stabilen Mix unterschiedlichster Unternehmen in Deutschland, andererseits geschieht zu wenig, um diese Strukturen auch in der Zukunft zu sichern. Laut DIHK-Befragung ist der Anteil potenzieller Übernehmer, die wegen der Erbschaftsteuer Probleme sehen, deutlich gestiegen. Viele potenzielle Nachfolger erwarten durch die Reform höhere Belastungen. Verunsichernd wirkt zudem, dass in der Praxis viele Anwendungsfragen noch nicht beantwortet sind. Die nächste Bundesregierung sollte mit der noch ausstehenden Richtlinie für Klarheit sorgen. Die Finanzverwaltungen sind dann bei der Umsetzung gefordert, die Übernahmen mittelstandsfreundlich zu ermöglichen. Ohnehin ist Bürokratieabbau ein wichtiger Ansatzpunkt. Helfen würde etwa, die Aufbewahrungsfristen für Steuerunterlagen von zehn auf fünf Jahre zu verkürzen. Letztlich gilt: Je einfacher ein potenzieller Nachfolger einsteigen kann, desto eher lassen sich auch Kandidaten für die Übernahme finden.


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