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29.11.2019

Weinrechtsänderung im Fokus


Vor dem IHK-Weinausschuss präsentierte Referatsleiter Dr. Michael Koehler die aktuellen Überlegungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) zur Reform des Weinrechts. Mit den Worten „Sie sind das erste Gremium der Weinbranche, dem ich unsere Vorschläge vorstelle“, verwies Dr. Koehler in der Erzeugergemeinschaft Winzersekt in Sprendlingen auf die folgenden Gesprächsrunden mit den Fachverbänden. Bereits seit geraumer Zeit wird überlegt, wie eine mögliche Ausgestaltung einer Herkunftsprofilierung aussehen könnte. Ziel ist die Festlegung bundeseinheitlicher Mindestkriterien sowohl zur Erhaltung der besonderen Merkmale von geschützten Weinnamen als auch bei der Verwendung kleinerer geografischer Einheiten.

Koehler wurde erstmals konkret: Für Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung (z.B. Mosel, Pfalz, Rheinhessen) stellt er sich mindestens 7,5 % vol natürlichen Mindestalkoholgehalt vor. Eine 3-stufige Herkunftspyramide soll für gebietstypische Weine neu aufgebaut und mittels besonderer Kennzeichnung („DGC“, „DGCs“) erkennbar werden. Die Grundstufe wäre das Anbaugebiet mit bis zu vier Hauptrebsorten je Weinart und Erzeugniskategorie und mit einem auf diese Rebsorten abgestimmten Hektarertrag. In der zweiten Stufe schließen sich Bereich und Großlage mit zusätzlichen Kriterien an wie mindestens zwei Punkte bei der organoleptischen Prüfung und einer frühestmöglichen Vermarktung ab dem 1. Februar. Eine dritte Stufe umfasst dann Großlage, Gemeinde und Einzellage mit den anspruchsvolleren Kriterien wie 2,5 Punkte, prädikatsweingeeigneten Mindestmostgewichten und einer Vermarktung ab dem 1. Mai des der Ernte folgenden Jahres. Die Erzeuger könnten in ihren regionalen Schutzgemeinschaften auf allen Stufen weitere Kriterien festlegen.

Auch bei Weinen mit geschützter geografischer Angabe (Landwein) hat der BMEL-Referatsleiter  Veränderungen vor: Der natürliche Mindestalkoholgehalt soll generell auf 6,0 % vol und der zulässige Gesamtalkoholgehalt nach oben angepasst werden.
Besonderer Knackpunkt seiner Vorschläge: Die Hektarertragsregelung. Koehler hat die Vorstellung zu flexibilisieren und zu vereinfachen und sieht die derzeitige Umsetzung als problematisch. „Das im Rahmen des Qualitätsgruppenmodells angewandte Abschreibeverfahren ist nur bedingt mit EU-Qualitätsregeln vereinbar“, erläuterte er seine Neuausrichtung hin zu einer flächenbezogenen Festlegung im Betrieb. Neu wäre auch, dass in Jahren mit außergewöhnlichen Witterungsbedingungen der Hektarertrag bis zu 20 Prozent erhöht oder verringert werden könnte.
Am Ende seiner Überlegungen ging Dr. Koehler auf die „traditionellen Begriffe“ ein. Hier hatte er besonders die Prädikatsweine im Blick mit dem Ziel, diese aufzuwerten und dabei die unterschiedlichen Grenzwerte der Anbaubiete anzugleichen, Länderermächtigungen aufzuheben, Vermarktungstermine vorzugeben und die Süßung dieser Weine zu unterbinden.

Einzelne Ausschussmitglieder nutzten die Möglichkeit, die neuen Vorgaben kritisch zu hinterfragen. Ausschussvorsitzender Dr. Richter verwies auf das weitere Procedere: „Wir werden die Vorschläge und Ideen prüfen und beim nächsten Treffen eine Position erarbeiten“.  

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