(Foto: Thewalt)
Dieser Text ist vom 01.07.2021 und könnte inhaltlich veraltet sein.
Der Brunnenhof in Trier weckt das Bild eines schönen, historischen Ortes mit einer langen Historie. Tim Becker und Konstantin Rohr möchten als langjährige Freunde das gastronomische Angebot wiederaufleben lassen und ihre Vision einer prozessual digitalisierten Bar im Herzen Triers verwirklichen. Dabei profitieren sie vom Know-how, das sie in ihren eigentlichen Jobs an den Mann bringen: Becker arbeitet als Geschäftsführer der TGC Gruppe mit Standorten in Rommersheim, Koblenz und Grevenmacher daran, individuelle Software-Lösungen für Unternehmen zu entwickeln. Rohr ist der Geschäftsführende Gesellschafter von Security Service Schmitt in Trier und Inhaber des Hotels Porta Nigra.
Sie möchten nun einen Beitrag zur Gastronomieszene in Trier leisten. „Eine so schönen und historisch wertvollen Ort wie den Brunnenhof wollen wir einfach belebt sehen“, erklärt Becker.
Smartwatch im Service
Neben seinem Charme birgt die Location gewisse Herausforderungen, die zu Lasten der Übersichtlichkeit für Personal und Besucher gehen. Ein kleiner Innenraum kombiniert mit einer großen Terrasse und einem Innenhof erfordert einen hohen Bewirtungsaufwand mit langen Laufwegen. Als Quereinsteiger betrachten die Betreiber dieses Problem aus einem anderen Blickwinkel und sehen in modernsten Digitalisierungsstandards die Lösung für einen effizienten und flüssigen Betrieb.
Der Denkansatz lautet: Wie lässt sich Gastronomie mithilfe von Technologie verbessern? „Ich habe mir viele Software-Lösungen für die Gastronomie angeschaut und mich häufig gefragt: Die Menschheit kann doch zum Mars fliegen, warum habt ihr so vieles, was nach aktuellem Stand der Technik möglich ist, in der Gastronomie noch nicht umgesetzt?“, fragt Software-Unternehmer Becker.
Letztlich haben die Betreiber einzelne neue Ideen zu einem Ganzen zusammengefügt. So kann der Gast künftig mittels Rufsystem den Service unabhängig von dessen Standort zu sich bitten. Das Servicepersonal sieht diese Anforderungen nach Laufwegen priorisiert auf einer Smartwatch. Unnötige Wegstrecken werden so reduziert. Wie schnell die Getränke auf dem Tisch landen, zeigt ein Timer an. Ein Vorgehen, das für die Optimierung von Lieferketten in der Industrie häufig Standard ist, kann in der Gastronomie auf diese Weise die Wartezeiten verkürzen und dem Servicepersonal helfen.
In Rekordzeit zum Menü
Die Bestellungen werden am Tisch angenommen und drahtlos auf einen Küchenmonitor an der Bar übertragen. Die fertigen Produkte stellen die Mitarbeiter auf einem gekennzeichneten Tablet von der Bar bereit, so dass sie schnellstmöglich zum Gast kommen. Auch hier werden die Zeiten gemessen, um im Ergebnis die Kennzahlen über den gesamten Prozess vom Rufen der Bedienung bis hin zur servierten Bestellung zu erhalten. Diese Kennzahlen helfen, den Service dahingehend zu optimieren, dass der Gast so früh wie möglich seine Bestellung erhält, das Personal unnötige Wege einspart und Gäste nicht mehr ständig Ausschau nach ihm halten müssen.
Tische, die zu lange warten, senden automatisch ein Signal, um dem Personal mitzuteilen, dass hier etwas nicht stimmt und bedient werden sollte. Das macht das Arbeiten übersichtlicher und entlastet das Personal, dem ein Bonifizierungssystem zusätzlich den Anreiz bietet, den vorgegebenen digitalen Prozess konsequent einzuhalten.
Waren lassen sich digital managen
Zudem hat das System wirtschaftliche Vorteile: Die Industrie spricht von einer digitalen Supply-Chain, wenn sämtliche Warenflüsse digital abgebildet werden und sich über ein Waren-wirtschaftssystem automatisiert managen lassen. Verbräuche lassen sich so exakt darstellen und Nachbestellungen automatisieren. Gespeichert werden die anfallenden Daten in einer Cloud.
Die vielfältige Nutzung von Software ist in der Gastronomie ein Kostentreiber und erschwert in bestehenden Geschäften deren Einsatz, da ihr Nutzen kaum in Zahlen zu beziffern ist. Die Betreiber sind daher dankbar um Förderangebote wie „Digiboost“, die die initialen Kosten senken.
Trotz aller Digitalisierung innerhalb der neuen Bar im Brunnenhof, die den Namen „18ZWO“ tragen wird, können weniger technikaffine Gäste auch auf herkömmliche Art bestellen. Sämtliche Prozesse können offline umgesetzt werden.
Im Juli 2021 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein, und die Bar öffnet ihre Pforten für Gäste. Dann ist sie vorbei, die digitale wie analoge Fastenzeit.