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Motiv: Thomas Loosen (Foto: Christopher Arnoldi)
(Foto: Christopher Arnoldi)

01.07.2026

„Der Moselriesling ist weltweit einzigartig“

An der Mosel werden im jährlichen Durchschnitt rund 700.000 Hektoliter (rund 100 Millionen Flaschen) Wein produziert. Das fünftgrößte deutsche Weinbaugebiet umfasst insgesamt 8440 Hektar und ist das größte zusammenhängende Steillagenweinbaugebiet der Welt (rund 3000 Hektar), bewirtschaftet von 2400 Winzerbetrieben (Quelle: weinland-mosel.de). Die Moselregion wird jährlich von zwei Millionen Übernachtungsgästen und vielen Millionen Tagesgästen besucht.
Blickpunkt Wirtschaft beleuchtet aktuelle Herausforderungen und Trends der Weinwirtschaft und ihre Verbindungen zum Tourismus.

Thomas Loosen ist seit zwei Jahren Vorsitzender des IHK-Weinausschusses (siehe separaten Artikel). Er ist Geschäftsführer der Kellerei Gebrüder Loosen GmbH, die mit Vertragswinzern eine Marke für den Export produziert. Sein Bruder Ernst F. Loosen führt das elterliche Weingut Dr. Loosen in Bernkastel-Kues weiter. 

Weinbau und -handel sind prägende Faktoren in der Wirtschaft und Kulturlandschaft der Region, haben aber zunehmend mit Herausforderungen zu kämpfen. Inwiefern treffen steigende Kosten die Betriebe?

Durch Krieg und Inflation sind die ganzen Weinbaumaterialien extrem teuer geworden. Hinzu kommt die Wettbewerbsverzerrung in der EU durch die Mindestlohnsteigerungen in Deutschland. Andere Länder können viel günstiger produzieren. Für die gesamte Landwirtschaft muss eine Sonderreglung gefunden werden.

Worauf führen Sie die sinkenden Umsätze der Branche zurück?

Das ist der Konsumunsicherheit geschuldet, auch durch die weltpolitischen Probleme. Durch die Inflation haben die Menschen weniger Geld. Hinzu kommt der demografische Wandel. Die Jungen haben klassische Getränke wie Wein und Bier nicht mehr so im Fokus, zum Teil auch Alkohol allgemein.

Wie lässt sich das durch neue Angebote auffangen?
Eine neue Konsumentenschicht ist offen gegenüber alkoholfreien Weinen oder alkoholfreien aromatisierten Getränken auf Weinbasis, die auch sehr gut schmecken können. Fix und fertig gemixt in einer schönen Verpackung, die ich überall mitnehmen und genießen kann.

Was liegt noch im Trend?

Deutsche Weine und speziell Moselweine haben von Haus aus weniger Alkohol. Das entspricht dem etwas leichteren und bewussteren Genuss.

Worin sehen Sie trotz der unberechenbaren US-Zollpolitik Chancen beim Export?
Der klassisch feinfruchtige, animierende Moselriesling ist in dieser Form einzigartig auf der Welt. Das ist international nur eine kleine Nische, aber für Menschen, die diesen Wein mögen, nicht austauschbar. Zudem lassen sich inzwischen an der Mosel große trockene Weine produzieren mit geringerem Alkoholgehalt wie andere im weltweiten Vergleich. Die Stärken der Mineralität, Fruchtigkeit, die speziellen Böden und das Klima müssen wir ausspielen, Aufklärungsarbeit leisten und die Kunden dafür begeistern.

Welche Rolle spielen die in jüngster Zeit geschlossenen Freihandelsabkommen?
Wir müssen neue Länder erschließen, und Freihandelsabkommen wie z.B. mit Indien sind als Perspektive definitiv hilfreich. Es wird allerdings noch dauern, bis sie wirklich greifen. Ein Vorteil unserer Weine ist, dass sie sehr gut zum Essen passen, besser als schwere, alkoholreiche Rotweine.

Wie beurteilen Sie die Verbindung von Wein und Tourismus in der Region?
Der Tourismus lebt durch die Kulturlandschaft. Ziel muss daher sein, dass möglichst zusammenhängende Weinbergsflächen erhalten bleiben und nicht immer mehr Buschlandschaften entstehen. Da gibt es vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum mit der Flächenbörse gute Ansätze. Dies setzt allerdings voraus, dass sich Flächenbesitzer finden, die entsprechend tauschen wollen.

Was hemmt aus Ihrer Sicht die wirtschaftliche Entwicklung?
Bürokratie bremst jeden Unternehmer aus. Winzer leiden unter einer wahnsinnigen Regelungswut und Dokumentationspflicht. Man muss fünf verschiedenen Stellen mehr oder weniger das Gleiche melden, statt dass sich die Portale untereinander austauschen. Das kostet zu viel Arbeitszeit, ließe sich deutlich vereinfachen.

Wie kann der IHK-Weinausschuss Akzente setzen?
Der Ausschuss ist ein super Forum, weil wir kurze Wege zu den zuständigen Stellen pflegen. Die Branche ist breit vertreten – Genossenschaften haben andere Bedürfnisse als Kellereien oder Winzer. Jeder kann den Finger in die Wunde legen und auf Probleme hinweisen. Wir können diese Dinge direkt an Vertreter der Ministerien adressieren. Wir geben ständig Feedback, was bestimmte Regelungen in der Praxis bedeuten, und werden gehört. Dieser Dialog ist sehr hilfreich.

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