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Motiv: Leichtflugzeugbauer Sebastian Görlitz mit dem Silence Aircraft Twister (Foto: Sebastian Görlitz)
(Foto: Sebastian Görlitz)
  • 13.12.2024

    „Der Traum vom Fliegen und Flugzeugbau treibt mich an"

  • Foto: Marcus Hormes
    Presse und Kommunikation

    Marcus Hormes

    Tel.: 0651 9777-122
    hormes@trier.ihk.de

Sebastian Görlitz (23) aus Koblenz hat seine Ausbildung zum Leichtflugzeugbauer bei Luftfahrttechnik Follmann GmbH & Co. KG in Sehlem mit der Note sehr gut als Bundesbester seines Berufs abgeschlossen. Wir haben mit ihm über seinen Erfahrungen gesprochen.

Herr Görlitz, was hat bei Ihnen die Begeisterung für das Thema Flugzeuge geweckt?
Mein Vater hat mich mit elf Jahren auf einen Modellflugplatz mitgenommen. Ich habe mich gewundert, wie so eine Tragfläche tatsächlich einen Flieger in die Luft bringen kann. Ich bin dann relativ schnell in den Kunstflug eingestiegen. 3D-Flug nennt man das im Hobbybereich. Das macht viel Spaß, man muss halt extrem viel üben. Ich betreibe das immer noch.

Um welche Größen geht es bei solchen Modellflugzeugen?
Das fängt bei etwa einem Meter Spannweite an. In der Kunstflugklasse sind das Größen bis zu 3 Metern Spannweite. Gewichtstechnisch darf man einen Modellflug bis 25 Kilo ohne Sonderzulassung auf einem Modellflugplatz versichert fliegen, wenn man Mitglied ist und über den Deutschen Modellflieger Verband versichert ist. Ich habe hobbymäßig an meinen Flugzeugen gebastelt und sie modifiziert.

Wie kam es zur Ausbildung als Leichtflugzeugbauer?
In der zwölften Klasse habe ich die Schule verlassen und in Koblenz angefangen, in dem Fernerkundungsunternehmen aeroDCS zu arbeiten. Aufgrund meiner Erfahrung im Modellflug konnte ich da Pilot sein. Über einen Hobby-Segelflieger kam dann der Kontakt zu dem luftfahrttechnischen Betrieb in Sehlem zustande, wo ich meinen Ausbildungsvertrag unterschrieben habe.

Ihr Ausbildungsberuf ist sehr selten. Wie läuft in solchen Fällen der Schulunterricht?

In der Berufsbildenden Schule in Speyer wurden wir Leichtflugzeugbauer mit den Fluggerätemechanikern in einer Klasse zusammengefasst. Mehr als die Hälfte der Klasse kam allein von PFW Aerospace. Die Firma stellt in ihrem Werk in Speyer Teile für Airbus her.

Wie unterscheiden sich diese Berufe?
Die Fluggerätemechaniker sind quasi die KFZ-Mechaniker der Lüfte, und wir sind sozusagen die Karosseriebauer. Wir machen strukturelle Arbeiten und auch das Finish hinterher. Wir zerlegen aber keinen Motor.

Welche Schulfächer gehören zu Ihrem Ausbildungsgang?
Es gibt einige Standardfächer wie Deutsch, Sozialkunde und Englisch, wobei Englisch etwas auf Luftfahrtbegriffe ausgelegt ist. Dazu hatten wir fachbezogene Lernfelder, die sich die Lehrer im Lauf der Jahre aufgeteilt haben.

Was war ihr Lieblingsfach?
Die Aerodynamik hat mich von Anfang an am meisten fasziniert. Statik kommt direkt dahinter. Wir haben gelernt, was in einem Windkanal passiert, welche Typen es gibt, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Typen haben. Damit ein Flugzeug Auftrieb erzeugen kann, wird die Tragfläche in einem gewissen Profil geformt. Durch die unterschiedlichen Strömungsgeschwindigkeiten der Luft über und unter der Tragfläche lässt sich auf der Tragflächenoberseite ein relativer Unterdruck erzeugen. Dazu haben wir ein paar physikalische Gesetze kennengelernt.

Wie war die Ausbildungszeit zwischen Schule und Betrieb aufgeteilt?
Aufgrund der langen Fahrzeiten war das als Blockunterricht ausgelegt. Wir hatten in der Regel zwei bis drei Wochen Betrieb und dann eine Woche Schule. Ich hatte die längste Fahrtzeit, zwei Stunden ein Weg. Im zweiten Lehrjahr habe ich parallel angefangen, mein Fachabitur zu machen, und habe das jetzt auch fertigbekommen. Das Programm hieß Digitale Berufsoberschule (DBOS) und lief die Hälfte der Zeit online. An den Klausurtagen musste ich ein bisschen früher von der Arbeit in Sehlem weg, um 15.30 Uhr vielleicht, damit ich um 18 Uhr in Speyer sein kann. Dann eine Arbeit schreiben und dann wieder zwei Stunden nach Hause. Das waren wirklich lange Tage, aber es hat sich am Ende gelohnt.

Um welche Arbeiten ging es in Ihrem Ausbildungsbetrieb?

Der Betrieb ist ausgelegt auf Wartung und Reparatur. Hauptkunden sind Segelflugvereine und zum Teil auch die Privatleute in den Vereinen. Es geht um Instandsetzungsarbeiten, wenn irgendwelche Beschädigungen passiert sind.

Wodurch kommt es zu Schäden an Segelflugzeugen?
Das passiert zum Beispiel, weil Segelflieger oft nicht auf dem Flugplatz landen können, sondern Außenlandungen zum Beispiel auf Feldern machen müssen. Im Segelflieger hat man nur die bei gewissem Wetter begrenzten thermischen Aufwinde, die man nutzen kann, um Strecke zu machen oder Höhe. Und wenn die nicht ausreichen und man verschätzt sich, dann muss man Außenlanden, heißt auf irgendeinen Acker gehen, den man sich aus der Luft aussucht. Das ist immer eine spannende Geschichte. Das klingt jetzt sehr exotisch, aber das ist gerade bei Wettbewerben sehr häufig der Fall.

Worauf kommt es bei Segelflug-Wettbewerben an?
Die Teilnehmer müssen Strecke machen, um vorgegebene Punkte abfliegen zu können. Strecke kann man mit einem Segelflieger nur machen, wenn man Höhe bekommt. Höhe bekommt man über einen Bart, wie man das in der Thermik nennt, wenn wärmere Luft sich vom Boden ablöst. Da kann der Pilot kreisen, dann geht es aufwärts. Wenn nicht rechtzeitig ein Aufwind kommt, bleibt letztlich nur die Landung an möglichst geeigneter Stelle. Ein Feld, das aus der Luft super aussieht, kann Bodenwellen haben, die eine Fahrwerksklappe abreißen oder Ähnliches.

Welche Arten von Reparaturen können das sein?
Wir hatten mal einen Schaden an einem Schulungsflieger aus Glasfaserverbund, bei dem sich im Seitenleitwerk – das ist die senkrechte Flosse am Heck eines Flugzeugs – etwas abgelöst hatte. Es geht von solchen extremen Reparaturen bis hin zu Lackkratzern, die ausgearbeitet werden. Segelflieger haben einen extrem hohen Anspruch an den Lack. In der Regel wird ein bisschen dicker lackiert, damit man Toleranz hat, und nach dem Lackieren wird mit feinem Papier jegliche Unebenheit herausgeschliffen. Immer feiner, bis man am Ende nur noch polieren muss und eine spiegelglatte Oberfläche hat, die aussieht wie von einem Computer generiert. Es ist ein langer Weg bis dahin, aber eine sehr befriedigende Arbeit, wenn man es dann fertig hat.

Was war für Sie die größte Herausforderung vor den Prüfungen?

In der Theorie war die höchste Hürde das Lernen generell. Mir ist es schon in der Grundschule schwergefallen, mich hinzusetzen und zu lernen. Mein Antrieb bei der Ausbildung war definitiv, dass mich das Fachliche wirklich interessiert. Aber mich hat es wirklich überwältigt, dass mein erstes Zeugnis in der Berufsschule nur aus Einsen bestanden hat in jedem Fach. Ich habe mich einfach ein Stück weit durchgebissen.

Also hat Ihnen die Faszination für den Beruf geholfen?
Ja, genau. In mir lebt der klassische Traum des Fliegens und des Flugzeugbauens. Ich möchte irgendwann auch mal einen Flieger selber konstruieren und bauen, auch wenn das ein Modellflugzeug ist. Die Komplexität dahinter zu verstehen. Wenn man sich wirklich damit befasst und schaut, was in so einem Flugzeug alles passiert, dann ist das eine ganze Menge. Man muss hohe Leistungen mit Minimalismus kombinieren, weil das Ganze nichts wiegen darf. Und es muss in der Regel auch noch auf engem Raum sein. Wenn man etwas an der Aerodynamik ändert, ändert man auch etwas an der Statik, weil man mehr oder weniger Fläche zum Bauen hat. Die ganzen Zusammenhänge wirklich nachvollziehen zu können und daraus etwas Praktisches zu machen ist wahrscheinlich das, was mich am meisten begeistert.

Wie liefen die Prüfungen ab?
Auf die Theorieprüfung konnten wir uns gut vorbereiten. Während der letzten Unterrichtsblöcke bekamen wir einen eigenen Lernraum zugeteilt, in dem wir gemeinsam alle Themen erneut durcharbeiten konnten. In der praktischen Prüfung bei mir im Ausbildungsbetrieb musste ich ein Seitenruder anfertigen. Dazu habe ich eine Liste bekommen an Werkzeugen und sogenannten Halbzeugen (Vormaterial), die ich herstellen musste.

Wo und was arbeiten Sie inzwischen?
Zum einen bei dem Fernerkundungsunternehmen aeroDCS in Koblenz, bei dem ich schon vor der Ausbildung Erfahrung sammeln konnte. Fernerkundung bedeutet hier Luftbilderfassung und Datenverarbeitung. Eine sehr interessante Arbeit für mich. Wir haben zum Beispiel mit Landesforsten Rheinland-Pfalz zusammengearbeitet, Waldflächen mit Drohnen überflogen und Waldsterben dokumentiert. Wir haben an Studien mitgewirkt, wie man dem Waldsterben vorbeugen kann. Es geht um Kartographierung, 3D-Modelle erstellen, Laserscans. Über aeroDCS kam der Kontakt zu einem Maschinenbau-Ingenieur und Flugzeugbauer in Gütersloh zustande. Er hat eine Nurflügler-Drohne entwickelt, sozusagen ein Flugzeug ohne Rumpf. Dort mache ich die Fertigung.

Sie haben mal angefangen, den Segelflugschein zu machen. Möchten Sie das noch abschließen?
Ja, aber es steht nicht oben auf meiner Prioritätenliste. Ich überlege, ob ich Luft- und Raumfahrttechnik studieren will oder zum Beispiel Maschinenbau. Die andere Möglichkeit wäre, basierend auf der Ausbildung den Techniker zu machen.

Ist eine Ausbildung aus Ihrer Sicht eine wichtige Grundlage für den weiteren Berufs- und Bildungsweg?

Zwangläufig brauchen würde man es nicht, man kann auch ohne Ausbildung studieren. Die praktische Grundlage empfinde ich aber als sehr wichtig. Ich habe es oft erlebt, dass Menschen, die studiert haben, super Ideen haben und wirklich etwas können, aber ihnen der Praxisbezug fehlte. Um etwas richtig konstruieren zu können, muss man wissen, wie es in der Praxis funktioniert. Man kann alles bauen, aber es geht darum, es einfach zu bauen und in der Praxis schnell umsetzbar.

Welchen Tipp können Sie Schülerinnen und Schülern geben, die sich bei der Berufswahl schwer tun?
Viele wissen nicht so recht, was sie machen sollen. Sinnvoll sind auf jeden Fall Praktika in verschiedenen Bereichen. Ich hatte ein längeres Praktikum bei einer Diplom-Fotografin gemacht und war kurz davor, eine Ausbildung in Fotografie zu beginnen. Insgesamt habe ich vor meiner Ausbildung sechs Praktika gemacht, zum Beispiel im Bereich Mediengestaltung. Flugzeugbau ist also nicht mein einziges Interesse.

Interview: Marcus Hormes

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