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02.10.2019

E-Commerce im Blut, Outdoor im Paket

50NRTH aus Wittlich startet gleich mit zwei Azubis in den neuen Beruf

„Wir haben schon lange darauf gewartet, jetzt ist es endlich soweit!“ Geschäftsführer Christian Maas ist stolz auf seine neuen Auszubildenden. Theresa Milz (24) und Kim Heydorn (22) haben am 1. August die Ausbildung zum Kaufmann im E-Commerce begonnen. Und springen damit ins erfrischend kalte Wasser, denn diesen Beruf gibt es erst seit einem Jahr.  
Für den Online-Händler ist das die optimale Chance, sich fachkundigen Nachwuchs heranzuziehen. Seit 2004 wächst das Wittlicher Unternehmen im rasanten Tempo. Gegründet wurde es von Maas, Christoph Schmitz und Bernhard Clemens; Erstere sind heute die operativen Geschäftsführer. Sie vertreiben exklusiv die Produkte von zwölf Herstellern in Deutschland – beispielsweise an Discounter und Baumärkte. Geräte- und Gewächshäuser, Camping- und Outdoor-Artikel, Pavillons, Spielgeräte: 2000 Produkte finden sich im Shop. Über das Portal mygardenhome.de können Endkunden auch direkt bestellen. Bisheriger Umsatz für 2019: 13,7 Millionen Euro. „Wir hatten mit einem Wachstum von 23 Prozent gerechnet, jetzt sind es schon 43 Prozent“, sagt Maas. Arbeit, die bewältigt werden will.

Zwölf neue Auszubildende 2019

Und dafür braucht das 33 Mann starke Team weitere kluge Köpfe, die E-Commerce im Blut haben. Bislang bildete der Betrieb zusammen mit Clemens Technologies Industriekaufleute aus, doch das erfüllte nicht wirklich die Anforderungen eines Online-Händlers. „Der E-Commerce-Kaufmann passt dagegen wie maßgeschneidert zu uns“, sagt Maas.   
Der Beruf wurde im August 2018 als neue, auf digitale Geschäftsmodelle ausgerichtete kaufmännische Qualifikation eingerichtet, um hier den Fachkräftebedarf zu decken. Er richtet sich in erster Linie an den Handel, aber beispielsweise auch an Logistikdienstleister oder die Tourismuswirtschaft, erklärt IHK-Ausbildungsberater Jürgen Thomas. 2018 starteten sieben Kaufleute im E-Commerce in der Region Trier ihre Ausbildung, 2019 waren es zwölf. Neben Händlern, die sich online einen zweiten Vertriebskanal eröffnen wollen, kämen nun immer mehr reine Online-Händler hinzu, sagt Thomas. Theresa und Kim sind die einzigen Azubis in ihrer Berufsschulklasse in Trier, die zu zweit aus einem Unternehmen kommen.
Dort arbeiten sie sich nun in die Funktionalitäten des Online-Shops ein und lernen, zu analysieren, wo und wie sie ihre Kunden am besten erreichen – per App, Social Media, E-Mail-Marketing, Suchmaschinenoptimierung, Anzeigen und so weiter. Sie testen, welche Vertriebskanäle zu welchen Angeboten am besten passen und präsentieren die Produkte so im Netz, dass sie die Aufmerksamkeit und das Interesse der Kunden wecken. Welches Bild wirkt am besten, welche Informationen sind wichtig, wie wird der User am besten gelenkt? E-Commerce-Kaufleute bewerten ganz genau, wie sich die Nutzer im Internet verhalten, um den Vertrieb zu optimieren.  Kampagnen, Rabatt-Aktionen, Produktvideos, zusätzliche Services, all das kann dazu gehören.
Außerdem lernen die Auszubildenden verschiedene Bezahlsysteme kennen, arbeiten an der Preiskalkulation sowie an der Entwicklung des Sortiments mit, wickeln den Verkauf ab, wählen Lieferanten aus und lernen die Lagerhaltung kennen. Die Kommunikation mit den Kunden verlagert sich zum Teil auf digitale Kanäle wie E-Mail, (Video-)Chat und Pop-up-Nachrichten.
Eigene Projekte durften die Auszubildenden gleich zu Beginn umsetzen, zum Beispiel den Verkauf von Retoure-Waren über den Facebook-Marketplace. „Wir wollen unseren Azubis die Chance geben, etwas zu erreichen – schließlich wollen wir sie langfristig binden“, sagt Maas. Verantwortung vom ersten Tag an.
Theresa freut sich, keine „klassischen Azubi-Aufgaben“ wie Postdienst zu haben. Eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau hat sie bereits abgeschlossen und wurde dann über die IHK-Homepage auf die E-Commerce-Kauffrau aufmerksam.  „Ich war neugierig darauf, was sich hinter einem Online-Handel verbirgt.“ Beide lernten in einem Praktikum das Unternehmen kennen – und überzeugten mit ihren Ideen.
Für Kim ist es besonders wichtig, einen „Beruf mit Zukunft“ zu erlernen und sich einbringen zu können. Und das nicht nur am Schreibtisch: So ist er bereits mit auf Messen gefahren, wo 50NRTH seine neuen Produkte präsentiert. „Die Aufgaben sind sehr vielfältig, und wir sind das Bindeglied zwischen den Abteilungen“, sagt der 22-Jährige. „Wir haben einen hohen Anspruch an den Beruf“, erklärt Maas. „Wir können nur weiterwachsen, wenn jeder Mitarbeiter uns Input gibt und mitdenkt. Wir geben viel – und erwarten viel.“

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