Dieser Text ist vom 01.01.2015 und könnte inhaltlich veraltet sein.
Von Maßnahmen im Weinberg zur Sicherstellung international wettbewerbsfähiger Qualitäten über Produktionsbedingungen (Stichwort Rebpflanzrechte) und weiterer rechtlicher Rahmenbedingungen bis hin zu einem neuen und differenzierteren analytischen Ansatz zur Segmentierung deutscher Weinkonsumenten: der diesjährige „Branchentreff der Weinwirtschaft“ schlug einen weiten Bogen. Gewagt wurde schließlich auch ein Blick auf erwartete Trends, mit denen sich Weinanbieter in den nächsten Jahren möglicherweise auseinander setzen müssen, möchten sie am Markt bestehen.
Einer der Grundsteine erfolgreicher Weinvermarktung – eine wettbewerbsfähige und nachfrageorientierte Weinqualität – wird im Weinberg gelegt. Dass sich hier in Deutschland sehr viel getan hat, gerade auch im Basissegment, zeigte Stefan Schmidt vom Weinbau Qualitätsmanagement e.V. (WQM) auf. Strukturelle Defizite im Fassweinmarkt gehörten ebenso wie früher teils anzutreffende mindere Qualitäten der Vergangenheit an, die auf marktgerechte Trauben- und Fassweinqualität ausgerichtete Zusammenarbeit zwischen Winzern und Kellereien habe sich erfolgreich entwickelt.
PFLANZREGELUNG WETTBEWERBSFÄHIG GESTALTEN
Um national wie international nicht ins Hintertreffen zu geraten, müssen vor allem gerade im Basissegment entsprechende Vermarktungsmengen verfügbar sein. Die diesjährige Erntemenge in Deutschland mit etwa 9,3 Millionen Hektolitern könne den Grundstock legen, nach kleineren Ernten vergangener Jahre jetzt wieder Angebot und Nachfrage in Einklang bringen zu können, erläuterte Dr. Dirk Richter, Vorsitzender des Weinausschusses der Industrie- und Handelskammern in Rheinland-Pfalz und Hessen. Ebenso erneuerte er die Forderung des Weingewerbes, die ab 2016 geltende Pflanzregelung, die eine jährliche Rebflächenerweiterung von einem Prozent vorsieht, in Deutschland in vollem Umfang zu nutzen statt, wie von Weinbauverbänden gewünscht, auf 0,1 oder 0,5 Prozent einzuschränken.
Deutschland ist kein „Billig-Weinland“, jeder vierte deutsche Weintrinker ist Multichannel-Konsument, hat also nicht eine bevorzugte Einkaufsquelle, sondern deckt seinen Bedarf beim Winzer und Fachhändler ebenso wie beim Discounter, im Supermarkt oder im Internet, und ganze vierzig Prozent der Deutschen (ab 16 Jahren) trinken keinen Wein. Diese und weitere aufschlussreiche Erkenntnisse stellte Dr. Gergely Szolnoki von der Hochschule Geisenheim University in seinem Vortrag „Neue Weinkunden-Segmentierung in Deutschland und daraus resultierende Ergebnisse“ vor.
STEIGENDE DOMINAZ DER SUPERMÄRKTE
Und wie könnte die Weinwelt in zwanzig Jahren aussehen? Den Blick auf mögliche künftige Anforderungen des internationalen Weinmarktes wagte Wilhelm Lerner, Associate Director und Country Manager Deutschland des britischen Marktforschers Wine Intelligence und Partner bei Arthur D. Little. Anhand einer bei 115 Weinfachleuten weltweit durchgeführten Befragung ermittelte Wine Intelligence fünf Hauptbereiche, in denen bis 2034 große Entwicklungen erwartet werden. Die wichtigsten aus deutscher Sicht: Die Weinwirtschaft werde sich stärker als bisher auf die Bedürfnisse der Verbraucher einstellen müssen, die sich zunehmend emanzipieren und Erlebnisse statt (Wein-) Belehrungen suchten. Auch die Verpackung werde als Unterscheidungsmerkmal an Bedeutung gewinnen. Der Vertrieb polarisiere sich weiter auf Grund der steigenden Dominanz der Supermärkte und des erwarteten Wachstums des Onlinehandels und stelle Nischenanbieter vor entsprechende neue Herausforderungen. Das Zentrum des globalen Weinkonsums werde sich nach China verlagern und damit in einen Kulturkreis, der ganz anders an das für ihn junge Thema Wein herangeht.
Johannes Hübinger, Vorsitzender des Bundesverbands der Deutschen Weinkellereien und des Weinfachhandels e.V., betonte in seinem Schlusswort das wettbewerbsgerechte Qualitätsniveau deutscher Weine, das gerade auch bei Trauben- und Fassweinvermarktern zu höherer Wertschöpfung geführt habe. Gleichzeitig mahnte er an: „Wir haben uns in den letzten Jahren zu wenig auf Trends eingestellt. Das machen Amerikaner und Australier besser. Hieran müssen wir arbeiten.“ An das Deutsche Weininstitut richtete er gleichzeitig den Appell, künftige Marketingmaßnahmen stärker auch auf das für die deutsche Weinwirtschaft unverzichtbare und wichtige Basissegment zu legen.
Der „Branchentreff der Weinwirtschaft“ ist eine 2011 eingeführte und seither jährlich vom Bundesverband der Deutschen Weinkellereien und des Weinfachhandels e.V. (Trier) und der Industrie- und Handelskammer Trier durchgeführte Veranstaltung. In diesem Jahr trafen sich rund 120 Gäste im Kloster Engelthal in Ingelheim.