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  • 01.02.2019

    Frauen schreiten zur Tat

    Gründerinnen bereichern die Unternehmenslandschaft der Region

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    Existenzgründung und Unternehmensförderung

    Raimund Fisch

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Rund ein Drittel der Unternehmensgründungen in der Region wird von Frauen getragen. Dabei mangelt es nicht an geschäftlich erfolgreichen Ideen – Nachholbedarf gibt es hingegen teilweise weiterhin bei der gesellschaftlichen Akzeptanz weiblichen Unternehmertums. Deshalb engagiert sich die IHK Trier in diesem Jahr unter dem Motto „SELBSTständig IST DIE FRAU“ verstärkt für Gründerinnen.

Eine gute Idee haben und dafür brennen – das ist der Grundstock für eine erfolgreiche Unternehmensgründung. Bei Tanja Kracht hat dieser Ansatz funktioniert. 2010 ist sie in Kellberg im Vulkaneifelkreis mit ihrem „Ambulant Eifel Pflegeteam“ gestartet und beschäftigt inzwischen 31 Mitarbeiterinnen sowie vier Auszubildende. Doch das dafür notwendige „Brennen“ umfasst nach Krachts Erfahrung auch: „Durchsetzungsvermögen, Durchhaltevermögen und – gerade am Anfang – wenig Freizeit im herkömmlichen Verständnis.“
Viele der Herausforderungen betreffen nahezu alle Unternehmensstarts: das Mühen um die ersten Kunden oder das Einspielen funktionaler Betriebsabläufe. Doch bei Gründungen durch Frauen tauchen mitunter zusätzliche Hürden auf. „Als Frau ist es anders. Frauen werden stark beäugt und viele trauen einem den Erfolg nicht zu“, gibt Kracht ihre Erfahrungen wider. Es zeige sich häufig in Alltagssituationen. Da waren beispielsweise mehrere Autohändler, die Kracht mit Misstrauen und Ablehnung begegneten, als sie im Anfangsjahr nur Bedarf für einziges Firmenfahrzeug anmeldete. Mittlerweile hätten sich der Kundenstamm und in der Folge auch der Fuhrpark erweitert, jetzt zeigten auch die Skeptiker von damals Interesse. Doch da ist die Unternehmerin konsequent: „Ich bleibe lieber dem einen Händler treu, der von Anfang an bereit war, mit mir zusammenzuarbeiten.“

Skeptiker und Unterstützer melden sich
Positive Reaktionen auf die Unternehmensgründung gab es indes ebenfalls. So fühlte sich Kracht durch die Institutionen in ihrer Wohngemeinde Kellberg von Anfang an gut angenommen. Die kommunale Politik und die Volksbank RheinAhrEifel, in deren Filial-Gebäude  „Ambulant Eifel“ heute seine Geschäftsräume hat, hätten sich sehr kooperativ gezeigt. Für die Gründerin war dies ideal, hatte sie doch gerade in der Heimatregion einen Kundenbedarf für ihr ambulantes Pflegeangebot ausgemacht. Heute ist das Unternehmen im Umkreis von rund 25 Kilometern um Kellberg in mehreren Landkreisen aktiv. Über die Landesgrenze hinaus sind die Pflege- und Haushaltsdienstleisterinnen hingegen nicht im Einsatz, da bereits für Nordrhein-Westfalen ein neues, vollständiges Genehmigungsverfahren durch die Kassen notwendig wäre.
Mit Skeptikern und Unterstützern haben auch Anna Bermes und Laura Keil Erfahrungen gemacht, als sie ihr Konzept zum eigenen Unternehmen in die Tat umsetzten. Seit 2017 sind die beiden Modedesignerinnen nun mit ihrem Label „Sander von Rhein“ am Markt – der Firmenname ist eine Kombination der Mädchennamen ihrer Großmütter. Spezialisiert haben sie sich auf hochwertige Ledertaschen, die sowohl ästhetisch als auch funktional überzeugen sollen. „Technik und Handwerk vereinen – das ist unser Ansatz“, erläutert Laura Keil. Entstanden sind daraus Produkte wie „Liz“: Außen elegante Handtasche, innen Platz für Tablet oder Laptop.
Produziert wird von handwerklichen Partnern: im Atelier eines Täschners in Portugal und mit Materialien wie italienischem Kalbsleder. Das Design entsteht in Paris, dort hatten die heutigen Jungunternehmerinnen bereits in den Jahren zuvor Erfahrungen als Angestellte in der Modebranche gesammelt. Eingetragener Sitz des Unternehmens ist in Minderlittgen – rund 50 Kilometer entfernt von Trier, wo die beiden Frauen sich während des Modedesign-Studiums kennengelernt hatten. So war die „Sander von Rhein Bermes und Keil GbR“ von Anfang an europäisch aufgestellt.
Vollständig ernst genommen wurden die Gründerinnen hingegen nicht sofort überall. Zwei junge Frauen, Anfang 30, die mit dem Anspruch auftauchen, vieles anders als gewohnt zu machen – das verursachte auch Reibung. „Manchmal hat man als Frau schon das Gefühl, alles dreimal sagen zu müssen“, spöttelt Keil. Sie sieht die Sache aber eher sportlich: Letztlich habe man mit den eigenen Vorstellungen überzeugen können.

Mit Familie durchaus vereinbar
Unternehmerisches Geschick ist indes nicht die einzige Anforderung an Gründerinnen. Besonders viel Gegenwind für den Schritt in die Selbstständigkeit spürte Tanja Kracht bei einem völlig anderen Thema: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Insbesondere von Frauen kamen da schon kritische Bemerkungen: Wer kümmert sich denn um die Kinder? Die soll doch lieber in einem normalen Job bleiben“, erzählt die zweifache Mutter. Für Kracht war das keine stichhaltige Argumentation, da sie schon in den Jahren zuvor als Krankenschwester bei einem ambulanten Pflegedienst angestellt war und dadurch auch mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten umzugehen wusste.
Mit derlei Vorurteilen wurden Laura Keil und Anna Bermes bislang nicht konfrontiert. Aber Aspekte der Lebens- und Familienplanung hätten auch bei ihren Abwägungen im Vorfeld der Gründung eine Rolle gespielt, sagt Keil. „Natürlich denkt man intensiv darüber nach: Wie sieht meine Altersvorsorge aus? Was mache ich, wenn ich schwanger werde?“.
Bei manchen ist gerade der Wunsch nach mehr Flexibilität zugunsten der Familie Triebfeder für eine selbstständige Tätigkeit. „Zahlreiche Gründerinnen möchten sich ein Geschäft aufbauen, das sie im Home-Office betreiben können“, berichtet Kevin Gläser Existenzgründungsberater bei der IHK Trier. Die Idee sei häufig, zunächst Nebenerwerbstätigkeit und Zeit für die Kinder zuhause zu koppeln und später die Arbeitszeit nach eigenem Ermessen aufzustocken. Doch selbst bei einer Vollerwerbstätigkeit gebe es durchaus Spielräume, ermutigt Tanja Kracht. Dass eine Gründerin viel Energie in den Aufbau ihres Unternehmens investieren müsse, bedeute nicht notwendigerweise, dass gar keine Freizeit mehr vorhanden sei. „Entscheidend ist für mich ohnehin die Qualität und nicht allein die Quantität der Zeit, die ich mit Familie und Freunden verbringen kann.“

Eigene Vorstellungen umsetzen
Eigene Ansätze zur Arbeitsorganisation umzusetzen, ist eine weitere Motivation für Gründerinnen. Tanja Kracht sind beispielsweise bestimmte Wertvorstellungen bei der Pflege wichtig. „Der Kunde ist Kunde und kein Patient. Jeder hat seine eigenen Ansprüche, seinen eigenen Bedarf“, umreißt sie Teile ihrer Philosophie. Dieses Prinzip habe sie auch auf den Umgang mit den Mitarbeitern ausgedehnt. Und darin sieht sie einen wesentlichen Grund dafür, dass sie trotz des allgemeinen Fachkräftemangels im Pfegebereich bisher keine Schwierigkeiten hatte, Verstärkung für ihr Team zu gewinnen.
Bermes und Keil hat der eigene Betrieb die Möglichkeit eröffnet, besondere Qualitätsansprüche an die Produktion umzusetzen. Bei den großen Modeketten wäre das aus ihrer Sicht in dieser Form niemals möglich gewesen. Mit letzter Sicherheit könne man dort aufgrund der enormen Stückzahlen nicht garantieren, dass die Herstellungsbedingungen fair und nachhaltig sind. Gerade daher sei ihnen der persönliche Kontakt zu den produzierenden Handwerkern so wichtig. „Wir möchten Produkte verkaufen, die wir auch vertreten können. Sie sollen hochwertig und langlebig sein“, wendet sich Keil gegen einen Trend zum ständigen Wegwerfen in der Überflussgesellschaft.

Frauen planen gründlich
Um eine Idee erfolgreich in ein tatsächliches Unternehmen umzusetzen, ist eine Planungsphase unerlässlich. Die Erfahrung zeigt, dass hier bei weiblichen Gründungen zumeist viel Energie investiert wird. „Frauen sind in der Regel sehr gründlich, denken viele Aspekte vorher durch und suchen aktiv Beratung“, fasst Gläser Erfahrungen der IHK zusammen. Intensiv genutzt haben solche Informationsangebote die Gründerinnen von „Sander von Rhein“. Ein Jahr lang haben sie geplant und noch ein Jahr in die Vorbereitung gesteckt. Unter anderem hätten sie mehrere Kurse und Beratungen bei der IHK besucht und sich über Internetfachplattformen vernetzt, erzählt Keil. Die Außenhandelskammern (AHK) hätten geholfen, die Kontakte nach Portugal und Italien zu knüpfen.
Tanja Kracht hatte bereits einen fertig ausgearbeiteten Businessplan in der Tasche, bevor sie zum Beratungsgespräch ging. Den habe sie gemeinsam mit ihrem Mann erstellt, der als Unternehmensberater arbeitet. „Ich bin ein sehr strukturierter Mensch. Es ist nicht meine Art, blauäugig an Dinge heranzugehen“, beschreibt sich die Unternehmerin aus Kellberg.
Die Unterstützung für Gründungen sei in Deutschland im Grunde gut, die Herausforderung bestehe eher darin, die Angebote der verschiedenen Institutionen zu kennen, meint Laura Keil. „Was wir allerdings noch von anderen Ländern lernen können, ist, auch ein Scheitern zu akzeptieren. In Deutschland gilt es immer noch als Makel des Versagens, andernorts als zweite Chance“, erläutert sie. Für den vielfach öffentlich beschworenen Kurs hin zur Start-up-Unternehmenskultur sei hier ein Umdenken notwendig.

Von Gleichgesinnten lernen
Neben den Beratungen durch Einrichtungen gibt es noch eine Quelle, aus der Gründerinnen schöpfen können: Wissen und Erfahrung anderer Unternehmerinnen. Sowohl Kracht als auch Bermes und Keil bewerten den Austausch mit Gleichgesinnten als besonders wertvoll. Die beiden Designerinnen hatten im Vorfeld zahlreiche Gespräche mit Selbstständigen geführt. „Zwar haben uns viele eher von dem Schritt abgeraten, wegen der vielen Herausforderungen. Aber wir haben dadurch etliche Fehler von Anfang an vermeiden können“, lobt Keil. Die Leiterin des „Ambulant Eifel Pflegeteams“ ist ebenfalls am Erfahrungsaustauch interessiert. Sie besucht beispielsweise regelmäßig „Unternehmer-Frühstücke“, bei denen Selbstständige miteinander ins Gespräch kommen.

Land setzt auf mehr Frauen in der Wirtschaft
Mit dem „Ziel einer starken Gründerinnenkultur und einem klaren Credo für die Frauen in unserer Wirtschaft“ positioniert sich die Landesregierung in Rheinland-Pfalz für weibliches Unternehmertum. „Unternehmerinnen bieten mit ihrer unternehmerischen Initiative, ihrer Kreativität, ihren Leistungen, Kompetenzen und Ideen, aber auch der Art, Dinge manchmal etwas anders anzugehen, ein großes wirtschaftliches Potenzial und eine Ressource für die Zukunftsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts Rheinland-Pfalz“, schätzt Daniela Schmitt, Staatsekretärin im Wirtschaftsministerium, die Bedeutung ein. In Zeiten des wachsenden Fachkräftebedarfs etabliere sich gerade die am besten qualifizierte Frauengeneration aller Zeiten. Auch steige die Zahl derer, die ihre eigene Chefin sein möchten: 2017 zählte das Land 62 100 selbständige Frauen – gegenüber 60 700 im Jahr 2007 eine Steigerung um 2,3 Prozent. Bei den Männern sei im gleichen Zeitraum ein Rückgang von 145 100 auf 131 800 (minus 9,2 Prozent) zu verzeichnen gewesen.
Bislang werde dennoch nur jedes dritte Unternehmen von einer Frau gegründet. „Trotz steigender Tendenz ist damit das unternehmerische Potenzial der Frauen bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Da ist noch Luft nach oben“, findet Schmitt. Weshalb das Wirtschaftsministerium mit einer Reihe von Beratungs-, Qualifizierungs- und Förderangeboten den Gründerinnen-Geist stärken möchte. Dazu zählen Aktivitäten des seit 2007 eingerichteten Landesarbeitskreises zur Förderung von Gründerinnen und Unternehmerinnen in Rheinland-Pfalz (LAK) sowie der Regionalvertretung der bundesweiten Gründerinnenagentur (bga). Jährlich findet im Frühjahr der bundesweite Nationale bga-Aktionstag „Nachfolge ist weiblich“ statt, in dessen Rahmen sich auch die IHK Trier beteiligt. Ebenfalls in Kooperation mit Partnern wie der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) organisiert das Wirtschaftsministerium jährlich einen Unternehmerinnentag auf Landesebene sowie weitere, regionale Veranstaltungen dieser Art. Dabei gehe es um fruchtbaren Austausch und Impulse, zum Beispiel durch Talkrunden mit Unternehmerinnen aus der Region. Neben notwendigem Wissen und Kompetenzen gehört für Staatsekretärin Schmitt zum erfolgreichen Unternehmertum auch der Mut, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Sie rät daher Frauen für den unternehmerischen Weg: „Nutzen Sie Ihre Unabhängigkeit. Stehen Sie zu sich selbst. Entwickeln Sie Ihr ganz individuelles und authentisches Profil und Ihren eigenen Stil und bringen Sie sich damit ein.“

Preis für die beste Gründerinnen-Idee
Gute Unternehmerinnen-Konzepte verdienen Aufmerksamkeit und deshalb würdigt sie die IHK Trier mit einem neuen Preis: „Die beste weibliche Gründungsidee 2019“. Die Gewinnerin erhält ein Preisgeld von 1000 Euro sowie einen Gutschein zur kostenlosen Teilnahme an einem Tagesseminar der IHK. Bis zum 1. September 2019 können ab sofort Frauen ihre Bewerbungen für den Wettbewerb einsenden. Teilnehmen kann jede angehende Unternehmerin ab 18 Jahren – egal, ob ein Konzept für Neben- oder Vollerwerb geplant ist. Wichtig ist jedoch, dass das Existenzgründungsvorhaben frisch aus 2019 stammt und für den Bezirk der Industrie- und Handelskammer Trier geplant ist oder dort bereits umgesetzt wird.
Als Bewertungsgrundlage dient der Jury der eingesendete Businessplan. Im Vordergrund steht dabei aber nicht die möglichst umfassende Ausarbeitung des Plans bis herunter auf die kleinste finanzielle Kennziffer, sondern die Originalität und Innovation der Gründungsidee. Die Preisverleihung findet im Oktober 2019 bei einem großen Gründerinnenfest gemeinsam mit Vertreterinnen aus Wirtschaft und Politik in den Räumlichkeiten der IHK Trier statt.
Im Zuge des Schwerpunktthemas „SELBSTständig IST DIE FRAU“ werden in diesem Jahr außerdem zusätzliche Beratungsangebote geschaffen. So lädt am Dienstag, 2. April 2019 ein „Gründerinnen-Tag“ von 10:00 bis 15:00 Uhr zum Besuch bei der IHK ein. „Diesen Tag reservieren wir speziell für Beratungsgespräche mit Gründerinnen“, kündigt Gläser an. Mit den Experten der IHK können dann zahlreiche Themen besprochen werden: Gründungsfahrplan, Finanzierung, Rechtsform des Unternehmens, Steuern, Datenschutz oder auch die Nutzung von Öffentlichkeitsarbeit und Social Media, um die neue Firma bekannt zu machen. Zusätzlich dazu richtet die IHK am gleichen Tag, von 15:00 bis 17:00 Uhr, speziell für Gründerinnen eine Telefonhotline unter der (06 51) 97 77-5 30 ein.
Natürlich können auch das restliche Jahr über Termine vereinbart werden. Denn im IHK-Gebäude in Trier ist eines der Rheinland-Pfalz-weit 31 Starter-Center beheimatet. Seit inzwischen über 16 Jahren begleiten HWKs und IHKs an diesen Standorten Gründerinnen und Gründer beim Einstieg ins Unternehmertum und helfen mit Ratgebern und Leitfäden, Brancheninformationen sowie fachkundigen Ansprechpartnern.

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