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15.01.2002

GFU-Produkte sind vielen Ländern lieb und teuer


Dieser Text ist vom 15.01.2002 und könnte inhaltlich veraltet sein.

Die Gesellschaft für Umformtechnik und Maschinenbau mbH Bitburg tanzt auf internationalem Parkett

Ob nun der Porsche der neuen Generation, ultramoderne Designermöbel oder aber eine Halle des Flughafens Köln-Bonn, allen gemeinsam ist das von der GFU Bitburg geprägte „Innenleben“ . GFU, das ist die Gesellschaft für Umformtechnik und Maschinenbau mbH, die seit der Gründung 1989 stetig wächst und für maßgeschneiderte Konzepte und innovative Technik steht. „ Individuelle Fertigungsprobleme? Fragen Sie GFU“, heißt es auf den Internet-Seiten der Firma. Eine Aufforderung, der weltweit große Unternehmen nachkommen. Ob nun in Japan, den USA oder in Saudi-Arabien – GFU-Lösungen, Produkte „besser, rentabler und konkurrenzfähiger zu machen“, sind nicht nur in Deutschland gefragt.

Bei Manfred Klever einen Gesprächstermin zu bekommen, ist nicht einfach. Und das liegt mit Sicherheit nicht am guten Willen. Der Geschäftsführer der Gesellschaft für Umformung und Maschinenbau mbH (GFU) ist ein gefragter Mann mit prall gefülltem Terminkalender. Mal möchte die Abordnung eines japanischen Großkunden Maschinenbauern und Elektronikern in Bitburg über die Schulter schauen, mal eine Delegation aus den Vereinigten Arabischen Emiraten den Partner kennen lernen. Zudem nimmt sich Klever, wenn er nicht gerade selber auf Reisen ist, gerne Zeit für seine Gäste.

Ein alter PC und Mut

Dann erzählt der GFU-Chef, dass er in den Anfängen nur davon träumen konnte, mit „Schmiedemaschinen, Rohrenden-Pressen, Anlagenbau und Schallschutz“ ein derart erfolgreiches Unternehmen aus dem Boden zu stampfen.

„Die GFU wurde 1989 quasi auf dem Küchentisch gegründet mit einem alten 2-86er PC und viel Mut“, sagt Klever. Obwohl er plötzlich im gemieteten Büro sein eigener Herr war und Neuland betrat, war er dennoch längst kein Greenhorn mehr. Als Grundlage dienten eine solide Ausbildung als Werkzeugmacher („Meine Eltern wollten das so“), das Maschinenbau-Studium und schließlich die Berufsjahre als „kleiner Konstrukteur“ in Luxemburg. Klever stapelt tief, immerhin leitete er in der Firma Usine de Wecker (UDW) die Abteilung mit dem Geschäftsbereich der Herstellung von Rundmaschinen und Rohrenden-Pressen. Klever: „Ich habe dort bereits selbstständig gearbeitet, hatte nur das Risiko nicht zu tragen.“

Rasante Entwicklung

Das änderte sich 1989 schlagartig: Die UDW wurde geschlossen, Klever übernahm den Geschäftsteil und gründete die GFU mit Sitz in Bitburg. Bereits 1990 wurde mit dem Bau des Verwaltungsgebäudes und der separaten Fertigungshalle im Industriegebiet „Auf Merlick“ begonnen. Es war der Grundstein zu einer rasanten Entwicklung. Kam die GFU zu Beginn mit vier Mitarbeiten aus, sorgt heute ein Team von 45 Beschäftigten, dass keine Kundenwünsche offen bleiben. Die wirtschaftlichen Erfolge ließen in der Tat nicht lange auf sich warten, 1993 fand zum Beispiel die bis dato größte von der GFU gefertigte Rundschmiedemaschine einen Abnehmer. 160 Tonnen brachte der Koloss auf die Wage und bescherte dem Unternehmen einen Auftragswert von 4,5 Millionen Mark. Mittlerweile verbucht der Firmenchef Umsätze von bis zu zwölf Millionen Mark im Jahr und ist sicher: „Es wird noch mehr.“ Zu 70 Prozent wird die Automobilindustrie beliefert. Dabei bekomme auch die GFU die Rezession zu spüren, Daimler-Chrysler etwa habe einen großen Auftrag zurückgestellt. Panik breche indessen nicht aus, sondern: „Das ist stets ein Zyklus, das durchleben wir seit einigen Jahren.“ Die Chance, dem zu begegnen? „Ich investiere einfach weiter.“

Investieren als A und O

Ob nun Rollierverfahren zum Umformen, neue Schmiedetechnologien bei der Herstellung von Lkw-Achsen oder die Lohnfertigung – GFU scheint mit ihrem Angebot zu überzeugen. „Wir haben einen gewissen Namen in der Branche. Zu uns kommt man auch, wenn man ein Problem hat und Lösungen im Sondermaschinenbau sucht“ , so der Geschäftsführer. Im Fachbereich der Lohnfertigung – einer tragenden Säule des Unternehmens – fertigt GFU Sonderteile für renommierte Firmen wie Daimler-Chrysler, Mannesmann-Vallourec, Volkswagen oder Audi. Gerne zeigt Klever die Objekte der Begierde: Druckbehälter für Airbags, Druckbehälter ohne Schweißnaht, die aus einem Rohr entstehen, oder Stoßdämpferrohre, die in einem Arbeitsgang bearbeitet werden. Ausgespuckt werden 1 000 Stück pro Stunde. Insgesamt laufen täglich bis zu 20 000 Teile über die Anlagen – für einen Maschinenbauer „alter“ Prägung eine gigantische Zahl.

EFS ist jüngstes Kind

Durch das Zusammenspiel von Maschinenbau und Steuerungstechnik kann GFU komplette Bearbeitungszentren anbieten, die sich auszeichnen durch geringen Personalbedarf, sehr kurze Taktzeiten und hohe Wiederholgenauigkeit.

Für bestimmte Kunden wurde mittlerweile ein Bereich der Produktion in ein völlig neues Unternehmen ausgegliedert, die Euro Forming Services GmbH (EFS). Dort stellt man darauf ab, Teile zu produzieren. „Das ist eine große Chance, der Markt sucht Teilelieferanten“, sagt Klever. 60 000 Rohre gehen wöchentlich an einen amerikanischen Betrieb, das Auftragsvolumen beträgt drei Millionen Mark, und „der Kunde will das noch verdoppeln.“ In Großserie produziert werden zum Beispiel auch Teile für Designermöbel. Natürlich ist Klever auch bei EFS in der Geschäftsführung, das neue Gebäude ist bereits bezugsfertig, 26 Mitarbeiter wurden eingestellt. „Bei den acht Millionen Mark Umsatz in diesem Jahr“ soll es nicht bleiben, „wir sind ausgerichtet auf einen Umsatz von 20 bis 25 Millionen Mark in fünf Jahren“.

GFU auf Erfolgskurs

Ohnehin ist Internationalität für GFU keine leere Formel. Einzelteile und komplette Anlagen werden weltweit abgesetzt, die GFU hat mehrere Patente. Kunden kommen aus Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Japan, Kroatien, Österreich, Pakistan, Portugal, Rumänien, Saudi-Arabien, aus der Schweiz, Spanien, der Tschechischen Republik, Türkei, aus den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Doch Klever macht sich nichts vor: „Wir als GFU hätten in Japan null Chance. Keiner käme auf die Idee, nach Bitburg zu kommen.“ Mit diesem Wissen basiere die Firmenpolitik darauf, sich auf die Kunden auszurichten. Der Besuch von Messen und ein ausgeklügeltes Vertriebssystem seien unverzichtbar.

Die GFU sieht sich als Entwickler, Klevers Hauptgebiet sind Machbarkeitsstudien. „Welche Ideen sind technisch und industriell umsetzbar und vertretbar? Was passt zu uns? Was ist bezahlbar?“ Geht es etwa um eine Nockenwelle, stelle sich die Frage: „Wie kann man Gewicht aus einem Fahrzeug herausnehmen?“

Humankapital wird geschätzt

Obwohl die Firma ständig wächst, will der Firmenchef sein Hauptkapital nicht vergessen. Und das sind seine Beschäftigten. Mit ihnen wolle er eine „vernünftige Kommunikation“ pflegen, ihnen Weiterbildungschancen einräumen, sie motivieren. Jeder Chef sei gut beraten, sich darüber Gedanken zu machen. „Wir haben exzellente Leute mit gute Ideen, die auch einmal eine Stunde länger bleiben und sogar samstags hier auftauchen“, freut sich Klever. Ein gutes Zeichen sei auch, dass alle sechs Mitarbeiter, die zu Beginn dabei waren, dem Unternehmen treu geblieben sind. Unverzichtbar sei auch seine Frau. Sie habe zunächst noch in einem anderen Unternehmen in Bitburg gearbeitet und abends für ihn die Korrespondenz erledigt, seit vielen Jahren sei sie nun auch geschäftlich seine feste Partnerin. „Wir harmonieren hervorragend“, sagt er. Überhaupt mache die Arbeit Spaß, „das ist ja unser Baby.“

Klever ist der Chef, Probleme, Kompetenzen abzugeben, hat er offenbar trotzdem nicht. Bereits jetzt versuche er, einen Mitarbeiter („mit dem ich mich übrigens immer noch sieze“) in Position zu setzen und ihn als Anteilseigner arbeiten zu lassen. Klever verrät: „Ich werde jetzt bald 50 Jahre alt, mit 60 will ich aus dem aktiven Geschäftsleben abtreten.“ Dessen ungeachtet wolle die GFU ein Unternehmen mit Zukunft bleiben. Das Unternehmen ist auch im Internet unter www.gfu-formin.de zu finden.

Ingrid Fusenig

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