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01.07.2005

Gründerväter setzen auf die neue Generation


Dieser Text ist vom 01.07.2005 und könnte inhaltlich veraltet sein.

Hans Lonien und Hans Möhs haben die Nachfolge in der elm-plastic GmbH in Dudeldorf nicht dem Zufall überlassen – Jetzt halten zwei ihrer Kinder das Erbe hoch

„Noch ist es eher wie Urlaub“, sagt Hans Lonien und lächelt verschmitzt. Doch Hans Möhs lässt keinen Zweifel aufkommen: „An Beschäftigung wird es uns auch zu Hause nicht mangeln.“ Seit dem 1. Juni genießen die beiden Gründer der Dudeldorfer elm-plastic GmbH den Ruhestand. Um den Fortbestand ihrer großen Firma mit etwa 100 Beschäftigten machen sie sich allerdings keine Sorgen. Denn beide wissen, dass das Unternehmen für Kunststoff-Spritzguss und Werkzeugbau „gut aufgestellt und wettbewerbsfähig“ in die Zukunft geht – und vor allem in guten Händen ist. Auf den Chefsesseln Platz genommen haben die Tochter des einen und der Sohn des anderen: Birgit Lonien und Sascha Möhs. Mitgesellschafter sind die Senioren noch, ebenso „ auskunftsfreudig“, sollte ihr Rat gefragt sein – ansonsten heißt ihre Devise: „Loslassen.“ Mal eben morgens im Unternehmen vorbeischauen, um nach dem Rechten zu sehen oder einen Blick auf die Post zu werfen? „Auf gar keinen Fall“, heißt es unisono. Sie vertrauen ihren Kindern, das „Erbe“ hochzuhalten. Und, mindestens ebenso wichtig: Sie trauen es ihnen auch zu.
Diese Gelassenheit ist keineswegs selbstverständlich. Dass ein gelungener Stabwechsel nicht die Regel ist, belegt eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung. Darin heißt es: „ Etwa 30 Prozent der Unternehmen, bei denen die Nachfolge ansteht, verschwinden wegen fehlender oder mangelnder Planung vom Markt.“ Das liegt nicht allein daran, dass kein potenzieller Nachfolger in Sicht wäre. Experten gehen davon aus, dass die wahren Gründe für das Scheitern einer Firmenübergabe in persönlichen und emotionalen Problemen der beteiligten Personen zu suchen ist. Als Grund wird häufig der Generationenkonflikt zwischen Senior und Junior genannt.

DAS LEBENSWERK LOSLASSEN
Für den 64-jährigen Hans Möhs und Hans Lonien, 65 Jahre alt, stand indessen fest: Irgendwann muss Schluss sein. „Wir haben zusammen angefangen, also haben wir auch gemeinsam aufgehört. Jetzt sind wir Rentner und bleiben das auch. Unsere Kinder haben die Erfahrung und sollen selbstständig arbeiten können“, sagt Hans Möhs. Er und Hans Lonien tun sich offensichtlich nicht schwer damit, die Kommandobrücke zu verlassen. Dabei könnte man durchaus nachvollziehen, wenn sie nach all den Jahren Probleme mit der Abnabelung hätten. Schließlich ist die elm-plastic GmbH ihr Lebenswerk, für das sie hart gearbeitet haben, für das sie auch gegen Widerstände gekämpft haben. „elm“ – der Firmenname setzt sich aus den Initialen der Gründer zusammen: Willi Eichler – er starb 1990 nach schwerer Krankheit – Hans Lonien und Hans Möhs.

MIT EINER DREHBANK UND EINEM HOBEL FING ALLES AN
Am 1. Juli 1969 feierten die drei in einer früheren Schreinerei in Dudeldorf die Feuertaufe der Firma und warfen ihre Talente in einen Topf. Möhs war der Handwerker, Lonien der Kaufmann. Und wie es der Zufall so will, ist die „Verteilung“ heute ähnlich: Diplom-Ingenieur Sascha Möhs ist für den technischen Bereich zuständig, Birgit Lonien als Betriebswirtin regelt das Kaufmännische. Sieht man heute den riesigen Maschinenpark im Gewerbegebiet Dudeldorf mit teuren High-Tech-Geräten, kann man sich kaum vorstellen, dass der Grundstein damals gelegt wurde mit dem Mut, etwas zu riskieren, mit einer Drehbank, einem Hobel, einer Werkzeugfräsmaschine und einer Kunststoffspritzgießmaschine. Alle gebraucht wohlgemerkt. Erster Kunde war ein Fachbetrieb für den Fest- und Vereinsbedarf, der zum Beispiel Eintrittsplaketten benötigte. Es rechnete sich. Bereits 1970 wurden die ersten beiden Mitarbeiterinnen eingestellt, die Betriebsfläche wuchs von 80 Quadratmetern auf 150, und man fing an, Haushaltsgeräte zu produzieren. Bereits 1971 waren Produktpalette und Produktionskapazität so vielfältig und groß, dass der Betrieb in eine ehemalige Autowerkstatt mit einer Fläche von 550 Quadratmetern umzog. So ging es kontinuierlich weiter. Neue Aufträge, zum Beispiel Produkte für einen großen europäischen Flachdach-Produzenten, führten zum Kauf neuer Spritzgießmaschinen, eines Kühlturmes oder einer Wasseraufbereitungsanlage. Genauso couragiert, wie das Unternehmen investierte und Arbeitsplätze schuf, engagierten sich die Gründer für die Ausweisung eines Gewerbegebietes in Dudeldorf. Durch den Zukauf von Maschinen war man räumlich an Grenzen gestoßen. Es gab Widerstände, doch die elm-Inhaber steckten nicht auf. Mit Erfolg. 1980 wurde der Bebauungsplan genehmigt, elm-plastic siedelte als erster Betrieb an. „Wir wollten Dudeldorf nicht verlassen. Schließlich haben wir hier unsere Wurzeln“, erklärt Hans Lonien.

GROSSER ARBEITGEBER, GUTE AUFTRAGSLAGE
Heute, zahlreiche Erweiterungen und Anbauten später, präsentiert sich das Unternehmen mit großzügigen Hallen auf einem riesigen Areal, modernsten Maschinen, einer Produktpalette, die man nicht alle Tage findet, und an die hundert Beschäftigten. „ Gerade haben wir wieder zehn neue Arbeitskräfte eingestellt. Zwar mit befristeten Verträgen, aber natürlich auch der Chance, länger bei uns bleiben zu können“, sagt Birgit Lonien. Grund zu klagen gebe es trotz der allgemeinen konjunkturellen Schlechtwetterlage nicht. Die Umsätze seien stabil, die Auftragsbücher gut gefüllt.
Hergestellt werden Haushaltsgeräte, technische Teile und Kunststoffteile für den Bausektor sowie Massenkunststoffteile. Seit 1991 verlassen auch Kunststoffteile für die pharmazeutische Industrie das Werk. Dieser neue Geschäftszweig bedeutete so etwas wie der Meilenstein in der Geschichte des Betriebes: Hans Lonien und Hans Möhs hatten Neuland betreten und viel investiert in die erforderlichen hochsensiblen Maschinen. Wie sich heute zeigt, hatten die Gründer auf das richtige Pferd gesetzt: Der Anteil dieses Zweigs macht mittlerweile 70 Prozent der Gesamtproduktion aus. Injektoren für die Veterinärmedizin und Dosierpipetten für humanmedizinische Produkte gehen an große Pharma-Konzerne in der ganzen Welt. Ob in China, Japan, den USA, ob in der Türkei oder Israel – Injektoren und Pipetten aus Kunststoff Marke „elm“ sind gefragt. Gebraucht werden sie überall dort, wie die exakte Dosierung hochwirksamer Medikamente für Mensch und Tier das A und O ist. In Dudeldorf wurde zum Beispiel eine kindersichere Dosierpipette entwickelt. Sie ist weltweit einzigartig und von der elm-plastic GmbH patentiert. Überhaupt sind Sonderwünsche kein Problem: Sascha Möhs und Birgit Lonien zeigen ungewöhnlich geformte Injektoren, die gerade von einer Maschine „ausgespuckt“ werden und verraten: „Die wird bei Wurmkuren für Pferde verwendet. Deren Besitzer legen eben auch Wert auf Design.“ Dank „ Kollege“ Computer und Know-how entstehen in Dudeldorf auch Prototypen, die dann zu Probezwecken aus Epoxidharz „geformt“ und somit getestet werden können.
Die neuen Geschäftsführer Sascha Möhs und Birgit Lonien erklären, was es bedeutet, Pharma-Unternehmen als Kunden zu haben: nämlich höchsten Anforderungen an Qualität und Sicherheit gerecht werden zu müssen. Denn die Bestimmungen sind bei so genannten Primärpackmitteln – Produkte, die gleichzeitig die Verpackung sind – noch wesentlich strenger als zum Beispiel in der Lebensmittel-Branche. Die meisten Produkte durchlaufen keimfreie Produktionsstraßen, werden in so genannten Reinräumen gefertigt. Für diese Maschinen muss das Unternehmen tief in die Tasche greifen, genauso für die Zertifizierungen in den Bereichen Qualitätsmanagement, Umweltmanagement oder Medizinproduktenorm. Hohe Standards nach DIN, so Birgit Lonien, „sind für diese Produktion unverzichtbar und werden von den Kunden gefordert.“ Sascha Möhs: „Wir liegen sogar immer über den Anforderungen. Es muss ja steriler sein als ein OP-Raum im Krankenhaus.“

FRÜH ÜBT SICH, WAS EIN CHEF WERDEN WILL
Eine verantwortungsvolle Aufgabe also für die neuen Chefs. Doch nicht zuletzt ihre Väter sind felsenfest überzeugt, dass ihre Nachfolger das Rüstzeug haben, die Firma auf lange Sicht in ruhigem Fahrwasser zu führen. Sascha Möhs, ist erst 33 Jahre alt, Birgit Lonien 41. Doch als „Greenhorn“ würde niemand das Duo bezeichnen. Sascha Möhs zum Beispiel hat zwar Praktika bei verschiedenen anderen Firmen gemacht, aber in den Semesterferien stets auch bei elm-plastic gearbeitet. „Ich habe eine Lehre gemacht, Automatisierungstechnik studiert und immer wieder in der Firma ausgeholfen. Ich war also schon irgendwie darauf ausgerichtet“, erzählt Sascha Möhs. Klar – er habe sich auch vorstellen können, zunächst noch in einem anderen Unternehmen Erfahrungen zu sammeln, „aber, das hat jetzt eben zeitlich gut so gepasst.“

ERFAHRUNG DER ÄLTEREN IST NICHT MIT GOLD AUFZUWIEGEN
Birgit Lonien hat zunächst eine Lehre als Steuerfachgehilfin absolviert, ist dann 1983 bei elm-plastic eingestiegen. Berufsbegleitend hat die heutige Chefin sich bei der IHK zur Industriefachwirtin und Betriebswirtin ausbilden lassen. Lonien: „Irgendwie war es klar, dass ich die Nachfolge anstrebe.“ Es sei in der Familie nicht viel darüber diskutiert worden, „aber das Wollen war da.“
Auch die gemeinsame Arbeit mit den Senioren habe ihr viel gebracht. Sie habe sich nicht allein gelassen gefühlt, habe von der Erfahrung der Älteren profitieren können. „Und das ist immer noch so. Ich kann mir den Rat einholen, wenn ich will. Das ist mit Gold nicht zu bezahlen“, sagt die Geschäftsführerin. Wichtig sei, dass es in punkto Philosophie und Richtung keinen Dissens gegeben habe. „Das passt. Insofern werden wir jetzt auch nicht plötzlich mit großen Änderungen vorpreschen.“
Ihr Vater kann nur allen Chefs empfehlen, „rechtzeitig die Weichen der Nachfolge zu stellen, nicht erst, wenn man über 60 ist. Außerdem würde ich aus jedem Familienstamm immer nur einen Nachfolger festlegen. So vermeidet man Streitereien unter den Kindern.“ Für Hans Lonien ist es „schön, dass es weitergeht im Unternehmen.“ Und Hans Möhs ergänzt: „Man kann es nicht erzwingen. Alle Beteiligten müssen ein gutes Gefühl dabei haben. Für mich ist es beruhigend, Nachfolger zu haben, die am gleichen Strang ziehen.“

Ingrid Fusenig

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