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  • 01.12.2007

    Heiko: Frischeservice bis in den Kühlschrank

    Heiko - Rollende Lebensmittelmärkte mit Innovationen auf Wachstumskurs

  • Foto: Dr. Matthias Schmitt
    Standortpolitik

    Dr. Matthias Schmitt

    Tel.: 0651 9777-901
    schmitt@trier.ihk.de


Dieser Text ist vom 01.12.2007 und könnte inhaltlich veraltet sein.
Für jeden, der auf dem Land unterwegs ist, sind die kleinen Lebensmittelshops auf vier Rädern mit dem rot-grünen Logo „Heiko – mein Kaufhaus“ oder die Wagen des MUH-Frischdienstes ein vertrautes Bild. Beide gehören seit dem Jahr 2000 zum selben Unternehmen mit Sitz in Neuendorf bei Prüm und versorgen in der gesamten rheinland-pfälzischen und nordrhein-westfälischen Eifel, im Raum Köln-Bonn, im Moselland, in Teilen des Hunsrücks und des Saarlandes sowie in Ostbelgien und Luxemburg vor allem die dörfliche Bevölkerung. Mehr als 30 000 Haushalte werden in der internationalen Großregion von knapp 80 Verkaufsfahrern und –fahrerinnen beliefert. Insgesamt beschäftigt der 1950 gegründete Familienbetrieb, der aus einem Hühnerhof und dem mobilen Verkauf von Eiern und Geflügelfleisch hervorging, rund 110 fest Angestellte – Fahrer, Lageristen, kaufmännische Fachkräfte und Mechaniker, Schreiner und Lackierer in der hauseigenen Kfz-Meisterwerkstatt – sowie etwa vierzig teils studentische Aushilfen. In den Dependancen in Luxemburg und Belgien arbeiten derzeit dreizehn Mitarbeiter. In Kooperation mit der IHK entwickelte Heiko seit 2005 den neuen Ausbildungsberuf des Servicefahrers, der kaufmännisches, logistisches und technisches Know-how kombiniert.

Im Sommer 2007 erhielt Inhaber Dr. Reinhard Steinkamp, der den Betrieb 1999 von seinem Schwiegervater und Firmengründer Emil Kottsieper übernommen hat, von der SPD-nahen Wirtschaftsorganisation „Arbeitsgemeinschaft der Selbstständigen“ den bundesweiten Innovationspreis im Segment Beschäftigung. Die hohen Sozialleistungen waren ein Grund dafür, ein anderer liegt in den außergewöhnlich flexiblen Arbeitszeiten, die mit individuellen Konten saisonale Spitzen oder Flauten abfedern und es Rückkehrerinnen nach der Babypause erlauben, auch im geringen Stundenumfang zu arbeiten. „Davon profitieren die Mitarbeiter, aber auch das Unternehmen insgesamt“, ist Steinkamp überzeugt. Denn das Geschäft mit dem Verkauf an der Haustür erfordert in vieler Hinsicht größte Beweglichkeit vom Anbieter. Es gibt saisonale Schwankungen, zudem verändert sich der Tourenablauf je nach Kundenaufkommen. Generell gleicht Heiko gewissermaßen die eingeschränkte Mobilität der Kunden selbst aus – und muss daher in die Kalkulation die explodierenden Spritpreise vor allem beim Einkauf einrechnen. „Die sinkenden Budgets der Senioren lassen es so gut wie nicht zu, diese Mehrkosten auf den Verkaufspreis umzulegen.“ Niedrigere Einkaufspreise waren nur durchsetzbar durch größere Abnahmemengen – mit ein Grund zur Übernahme des MUH-Frischdienstes, der mit überwiegend deckungsgleichem Angebot und Kundschaft bis zum Jahr 2000 als Konkurrent unterwegs war und seitdem zu Heiko gehört.

DEMOGRAFISCHER WANDEL BIRGT CHANCEN
Die Klientel von Heiko ist im klassischen Segment der rollenden Märkte, die in der Regel jede der Touren durch insgesamt 1 800 Orte einmal wöchentlich fahren, im Schnitt 73 Jahre alt. Eine Zielgruppe, die dank des demografischen Wandels beständig wächst. Die Verkaufsfahrer und –fahrerinnen werden zusätzlich zu den vorgeschriebenen Hygiene-Schulungen und zur Weiterbildung in der Produktpräsentation speziell für den Umgang mit dieser Altersklasse trainiert. Manches gehe spürbar langsamer als an einer Discounterkasse, so Steinkamp, das persönliche Gespräch sei wichtig. Die Kaufhäuser auf Rädern dienen nicht selten als Kommunikationspunkt für die Kunden, auch untereinander. Von denen sind acht Prozent körperlich so beeinträchtigt, dass die Anlieferung teilweise bis direkt in den heimischen Kühlschrank geschieht – bei privaten Haushalten ebenso wie bei Senioren- oder Pflegeheimen, die ebenfalls zur Kundschaft gehören. Daher ist Heiko Partner des grenzüberschreitenden Projektes „Eurewelcome“, das die Barrierefreiheit für behinderte Menschen fördert. Mit der dazugehörigen EureCard können sie in der Eifel, in den südlichen Niederlanden und in der Provinz Lüttich besondere Unterstützung etwa im Urlaub oder bei kulturellen Aktivitäten erhalten.

„Viele sind zwar noch bedingt mobil oder beauftragen Familienangehörige mit dem Einkauf von Lebensmitteln, aber der Besuch von Supermärkten ist doch deutlich eingeschränkt. Diese Menschen schätzen bei uns sehr, dass sie in die Lage versetzt werden, ihre Waren selbstständig auszusuchen – schließlich ist der Kauf von Obst, Käse, Wurst, Fleisch, Gemüse oder Backwaren auch eine sinnliche Angelegenheit, bei der es um das Sehen, Riechen oder Schmecken geht.“ Da die Wagen jedoch weniger Platz haben als ein normaler Lebensmittelladen, ist das Sortiment durch eine sorgfältige Voraus-Selektion konzentriert. „Wir kompensieren die zwangsläufig geringere Auswahl in einer Produktkategorie mit einer besonders hohen Qualität, auf die unsere Kunden vertrauen können.“ Fünf Mal in der Woche wird frische Ware angeliefert und mit modernster Logistik weitertransportiert. Sechzig Prozent der Lebensmittel stammen aus der Eifel und angrenzenden Regionen. Selbst die Tomaten werden in der Nähe angebaut – im Kreis Euskirchen. „Damit erzielen wir weitere nachhaltige Wertschöpfung vor Ort“, erläutert Steinkamp das Konzept. Lediglich das kleine Nonfood-Sortiment, das etwa Textilien oder Pflegeprodukte umfasst, kommt komplett über andere Zwischenhändler.

AUF EXPANSIONSKURS MIT NEUEM GESCHÄFTSFELD
Seit Sommer 2007 ist ein neues Segment eröffnet, dessen schneller Erfolg in der Startphase im Raum Bitburg und Prüm für Steinkamp selbst überraschend kam: der „Pausenflitzer“. Als geschütztes Label fahren mittlerweile zwei Catering-Mobile insbesondere Betriebe und Werkstätten, Schulen, Baustellen oder Verwaltungen an, um mit frisch belegten Brötchen, Salaten, Snacks, Getränken, Zeitungen, Gebäck oder Milchprodukten die notwendige Pausenverpflegung zu leisten. Denn vor allem Gewerbegebiete oder Ausbildungszentren sind häufig gar nicht beziehungsweise mangelhaft auf den Verzehr der dort tätigen Menschen hin eingerichtet. Vielerorts gibt es keine Kantinen oder nur welche mit zu beschränkten Öffnungszeiten und Platzkapazitäten. Auch Firmenjubiläen oder andere Events können mit dieser Art Catering beliefert werden. „Die zeitliche Abstimmung erfolgt nach Absprache mit dem Kunden, der dann unsere Anlaufstelle wird.“ Bereits nach wenigen Monaten Testlauf gibt es in Bitburg 50 und in Prüm 45 dieser „Pausenflitzer“-Haltepunkte. „Der Bedarf ist also eindeutig da. Wir überlegen nun, das nächste Wachstum in diesem Bereich im Raum Trier und – nach Klärung der rechtlichen Voraussetzungen – in Luxemburg zu starten“, erläutert Steinkamp.

Mit dem „Pausenflitzer“ trifft er auf eine jüngere und aktive Klientel, die ein anderes Marketing erfordert. Während die rollenden Märkte vor allem über klassisches Empfehlungsmanagement, wöchentliche Infoblätter an die Haushalte und direkte Akquise der Verkaufsfahrer beworben werden, erhält das Internet hier zusätzlich einen großen Stellenwert. In einer langfristigen Perspektive sieht er, ähnlich wie seit einiger Zeit in den USA üblich, auch für den europäischen und deutschen Lebensmittelhandel die Zukunft in Online-Bestellungen, die ins Haus geliefert werden. Die aktuellen Trends bei den Konsumgewohnheiten sind bereits jetzt wirksam: Produkte um die Themen Fitness, Gesundheit und Convenience sind stark nachgefragt von der berufstätigen Kundschaft, die über den „Pausenflitzer“ angesteuert wird.
Angelika Koch

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