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Hightech für den Emissionsschutz

Die VermoPlast GmbH in Bitburg fertigt und repariert Anlagen aus glasfaserverstärktem Kunststoff

Die VermoPlast GmbH mit ihren beiden Geschäftsführern Dr. Alain Strickroth und Egbert Montag ist eine hundertprozentige Tochter der International Fiberglass S. A. mit Sitz in Luxemburg. Am Standort auf der Bitburger Airbase ist ein Kernstück der Firmengruppe angesiedelt: Von hier aus fertigt, montiert und repariert ein hoch spezialisiertes Team weltweit Anlagen beispielsweise für die Öl- oder die Chemieindustrie, für Bergbau und Metallurgie, für die Müllverbrennung oder für die Energieerzeugung.

Vermoplast 2
Dr. Alain Strickroth (li) und
Egbert Montag
Die Ursprünge der Konzerngeschichte reichen weit in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurück: Bereits 1915 entdeckte die deutsche Metallgesellschaft AG, dass Aktivkohle in der Lage ist, gefährliche Schadstoffe mittels einer so genannten Adsorptionstechnologie aus der Luft herauszufiltern. Entsprechende Patente wurden erteilt. Nach einer recht wechselvollen Firmengeschichte unter österreichischer Beteiligung gelangte die für den Anlagenbau zuständige Tochterfirma im Jahr 2008 an die International Fiberglass S. A. in Echternach. Die Gesellschaft besitzt weltweit 34 Patente zur Reinigung der Luft von giftigen Abgasen. Das operative Geschäft wird von deren zwei Töchtern ausgeübt: In Frankfurt am Main sitzt die Carbon Process & Plant Engineering (CPPE). Hier geschehen die Entwicklung, das Engineering und der Vertrieb. Die VermoPlast GmbH mit ihren rund zwanzig Mitarbeitern ist für die Montage, Fertigung und den gesamten After-Sales-Bereich inklusive Wartung, Service und Reparaturen der Anlagen sowie Forschung verantwortlich.

DER STOFF, MIT DEM DER UMWELTSCHUTZ FUNKTIONIERT
Im Mittelpunkt stehen Anlagen, deren Bauteile und Behältnisse im Wesentlichen aus korrosionsbeständigem glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) gebaut sind. Dieses Material hat eine Fülle von Vorteilen: unter anderem geringes Gewicht, leicht zu verarbeiten, UV- und witterungsbeständig, elektrisch und thermisch isolierend, chemikalienbeständig, antimagnetisch, mechanisch fest, leicht transportierbar und nur mit minimalem Instandhaltungsaufwand verbunden. Somit eignet sich GFK insbesondere für jene komplexen Hightech-Anlagen, die das Unternehmen bereits an mehr als 3 500 Projekte auf allen Kontinenten geliefert hat – beispielsweise an die größte Platinmine der Welt. Das Kernthema dieser Projekte ist es, Schadstoffe aller Art wie Schwefel, Furane, Dioxin oder Quecksilber möglichst rückstandsfrei aus den jeweiligen industriellen Prozessen herauszufiltern beziehungsweise die anfallenden Rückstände so zu behandeln, dass sie unschädlich gemacht und im Falle der entstehenden Schwefelsäure sogar als Rohstoff weiterverwendet werden können. Damit amortisieren sich die Anlagen in einer kurzen Zeit von nur sechs bis zehn Jahren, je nach Betriebsweise.

„Der Umweltgedanke und das Bedürfnis der Menschen nach sauberer Luft kommt unserem Geschäftsfeld natürlich zu Gute“, schildert Alain Strickroth die trotz der Wirtschaftskrise steigende Nachfrage. Die Krise sei zwar eine gewisse Bremse gewesen, aber letztlich sei die Reinerhaltung der Umwelt eine Notwendigkeit, die global zunehmend anerkannt und gesetzlich eingefordert wird. Verordnungen wie das Verbot herkömmlicher Glühbirnen zu Gunsten quecksilberhaltiger Energiesparlampen nennt er als ein Beispiel, wie die Politik letztlich das Feld für Unternehmen vorbereitet, die sich um die Reinerhaltung der Luft kümmern. Allerdings gebe es in der Praxis durchaus Probleme, die bislang von der Politik nicht optimal umweltfreundlich geregelt wurden. „Insbesondere was die mögliche hundertprozentige Entsorgung von elementarem Quecksilber angeht, hinkt Deutschland allerdings hinter den USA hinterher“, räumt Strickroth ein, „hier gibt es noch Nachholbedarf, da entsprechende Richtlinien fehlen. In der Regel geben sich die Kunden mit einer siebzig- bis neunzigprozentigen Reinigung zufrieden, weil sie zu einer weiterreichenden Maßnahme nicht verpflichtet sind.“

Da hierzulande jedoch die weltweit strengsten technischen Standards gelten, seien die deutschen Firmenstandorte in Bitburg und in Frankfurt ein gutes Verkaufsargument: „Die Kunden wissen, dass sie von uns optimierte Prozesse und das am Weltmarkt höchste Produktniveau erhalten.“ Im Durchschnitt beträgt das Investitionsvolumen für eine komplette Anlage je nach Größe ab etwa zwei bis über 100 Millionen Euro. So gehören zu den Kunden des Bitburger Mittelständlers Konzerngiganten wie RWE, Shell, Evonik, Bayer, BASF, Dow Chemical oder Kemira.

Mit Hilfe von Aktivkohle werden Schadstoffe aus Abgasen herausgefiltert.
Mit Hilfe von Aktivkohle
werden Schadstoffe aus
Abgasen herausgefiltert.
NEUES ERWACHEN FÜR TECHNOLOGISCHE NISCHE
Die speziellen Verfahren, die bei der Rauchgasentschwefelung, bei der Müllverbrennung oder anderen industriellen Bereichen zur Reinigung von Luft und Wasser angewandt werden, sind heute eine expandierende Nische, in der sich die International Fiberglass S. A. und damit auch die VermoPlast GmbH etabliert haben. „Das technologische Know-how war etliche Jahre in Vergessenheit geraten“, erläutern Strickroth und Montag die Besonderheiten des Marktes, auf die ihr Unternehmen trifft. Beide waren jedoch so sehr mit der Thematik vertraut, dass sie fest an den Erfolg glaubten – zu Recht, wie sich zeigt. Die Verbindung von wissenschaftlicher Expertise, kaufmännischem Können und handwerklichem Geschick war notwendig, um aus der ursprünglichen Geschäftsidee eine dauerhaft funktionierende Geschäftspraxis mit weiterer Innovationskraft zu machen.

Hinzu kommen weitere Kompetenzen, die aus der Region Trier zum guten Renommee des Unternehmens beitragen. Denn viele Bauteile, die für die Anlagen notwendig sind, werden in der Eifel hergestellt und der VermoPlast GmbH zugeliefert. Enge Verbindungen bestehen auch mit den luxemburgischen Centres de Recherche Public Henri Tudor und Gabriel Lippmann, um technologisch auf höchstem Niveau zu bleiben. So ist aus der Sicht der Großregion das Unternehmen International Fiberglass mit ihren deutschen Töchtern VermoPlast und CPPE einerseits ein gelungener Wissenstransfer Hochschule-Wirtschaft und andererseits ein Motor für die Wertschöpfung innerhalb der Großregion. Da zugleich die technologischen Kompetenzen dank der Patente konkurrenzlos sind, kann die Unternehmensgruppe als klassischer Hidden Champion gelten.
Angelika Koch

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