Dr. Alain Strickroth (li) und
Egbert Montag
DER STOFF, MIT DEM DER UMWELTSCHUTZ FUNKTIONIERT
Im Mittelpunkt stehen Anlagen, deren Bauteile und Behältnisse im Wesentlichen aus korrosionsbeständigem glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) gebaut sind. Dieses Material hat eine Fülle von Vorteilen: unter anderem geringes Gewicht, leicht zu verarbeiten, UV- und witterungsbeständig, elektrisch und thermisch isolierend, chemikalienbeständig, antimagnetisch, mechanisch fest, leicht transportierbar und nur mit minimalem Instandhaltungsaufwand verbunden. Somit eignet sich GFK insbesondere für jene komplexen Hightech-Anlagen, die das Unternehmen bereits an mehr als 3 500 Projekte auf allen Kontinenten geliefert hat – beispielsweise an die größte Platinmine der Welt. Das Kernthema dieser Projekte ist es, Schadstoffe aller Art wie Schwefel, Furane, Dioxin oder Quecksilber möglichst rückstandsfrei aus den jeweiligen industriellen Prozessen herauszufiltern beziehungsweise die anfallenden Rückstände so zu behandeln, dass sie unschädlich gemacht und im Falle der entstehenden Schwefelsäure sogar als Rohstoff weiterverwendet werden können. Damit amortisieren sich die Anlagen in einer kurzen Zeit von nur sechs bis zehn Jahren, je nach Betriebsweise.„Der Umweltgedanke und das Bedürfnis der Menschen nach sauberer Luft kommt unserem Geschäftsfeld natürlich zu Gute“, schildert Alain Strickroth die trotz der Wirtschaftskrise steigende Nachfrage. Die Krise sei zwar eine gewisse Bremse gewesen, aber letztlich sei die Reinerhaltung der Umwelt eine Notwendigkeit, die global zunehmend anerkannt und gesetzlich eingefordert wird. Verordnungen wie das Verbot herkömmlicher Glühbirnen zu Gunsten quecksilberhaltiger Energiesparlampen nennt er als ein Beispiel, wie die Politik letztlich das Feld für Unternehmen vorbereitet, die sich um die Reinerhaltung der Luft kümmern. Allerdings gebe es in der Praxis durchaus Probleme, die bislang von der Politik nicht optimal umweltfreundlich geregelt wurden. „Insbesondere was die mögliche hundertprozentige Entsorgung von elementarem Quecksilber angeht, hinkt Deutschland allerdings hinter den USA hinterher“, räumt Strickroth ein, „hier gibt es noch Nachholbedarf, da entsprechende Richtlinien fehlen. In der Regel geben sich die Kunden mit einer siebzig- bis neunzigprozentigen Reinigung zufrieden, weil sie zu einer weiterreichenden Maßnahme nicht verpflichtet sind.“
Da hierzulande jedoch die weltweit strengsten technischen Standards gelten, seien die deutschen Firmenstandorte in Bitburg und in Frankfurt ein gutes Verkaufsargument: „Die Kunden wissen, dass sie von uns optimierte Prozesse und das am Weltmarkt höchste Produktniveau erhalten.“ Im Durchschnitt beträgt das Investitionsvolumen für eine komplette Anlage je nach Größe ab etwa zwei bis über 100 Millionen Euro. So gehören zu den Kunden des Bitburger Mittelständlers Konzerngiganten wie RWE, Shell, Evonik, Bayer, BASF, Dow Chemical oder Kemira.
Mit Hilfe von Aktivkohle
werden Schadstoffe aus
Abgasen herausgefiltert.
Die speziellen Verfahren, die bei der Rauchgasentschwefelung, bei der Müllverbrennung oder anderen industriellen Bereichen zur Reinigung von Luft und Wasser angewandt werden, sind heute eine expandierende Nische, in der sich die International Fiberglass S. A. und damit auch die VermoPlast GmbH etabliert haben. „Das technologische Know-how war etliche Jahre in Vergessenheit geraten“, erläutern Strickroth und Montag die Besonderheiten des Marktes, auf die ihr Unternehmen trifft. Beide waren jedoch so sehr mit der Thematik vertraut, dass sie fest an den Erfolg glaubten – zu Recht, wie sich zeigt. Die Verbindung von wissenschaftlicher Expertise, kaufmännischem Können und handwerklichem Geschick war notwendig, um aus der ursprünglichen Geschäftsidee eine dauerhaft funktionierende Geschäftspraxis mit weiterer Innovationskraft zu machen.
Hinzu kommen weitere Kompetenzen, die aus der Region Trier zum guten Renommee des Unternehmens beitragen. Denn viele Bauteile, die für die Anlagen notwendig sind, werden in der Eifel hergestellt und der VermoPlast GmbH zugeliefert. Enge Verbindungen bestehen auch mit den luxemburgischen Centres de Recherche Public Henri Tudor und Gabriel Lippmann, um technologisch auf höchstem Niveau zu bleiben. So ist aus der Sicht der Großregion das Unternehmen International Fiberglass mit ihren deutschen Töchtern VermoPlast und CPPE einerseits ein gelungener Wissenstransfer Hochschule-Wirtschaft und andererseits ein Motor für die Wertschöpfung innerhalb der Großregion. Da zugleich die technologischen Kompetenzen dank der Patente konkurrenzlos sind, kann die Unternehmensgruppe als klassischer Hidden Champion gelten.
Angelika Koch