IHK Trier


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04.11.2019

Mit Frauenpower in Richtung Zukunft!

IHK Trier hat ihren ersten Gründerinnenpreis verliehen

Mehr Mut! Mehr Selbstbewusstsein! Was Dr. Enise Lauterbach anderen Gründerinnen wünscht, beherzigt sie selbst auf eindrucksvolle Weise. Die 44-jährige Kardiologin aus Trier will das Leben der Patienten verbessern, vereinfachen und verlängern – mithilfe digitaler Lösungen, die weltweit eingesetzt werden könnten. Um an ihnen zu arbeiten, hat sie die Festanstellung gegen die Selbstständigkeit eingetauscht. Und dafür nun den ersten Platz bei der Verleihung des Gründerinnenpreises der IHK Trier gewonnen.
Bis 2018 hat die Fachärztin für Innere Medizin, Kardiologie und Rhythmologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier gearbeitet, dann baute sie hier die ambulante kardiologische Rehabilitation „ZAR Nanz medico“ mit auf. „Dabei war ich immer wieder mit Problemen konfrontiert, die wir unbedingt lösen müssen, die mich teilweise richtig wütend gemacht haben – aber nichts tat sich“, berichtet sie. Dazu zählt sie die Kommunikation zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern. Patientenbefunde müssten ständig ausgetauscht werden, doch oft sei niemand erreichbar, sei es wegen besetzter Leitungen oder der Abwesenheit wegen Notfalleinsätzen oder Operationen. Dabei dränge für die Patienten die Zeit.
Ihre Lösung: ein Ärzte-Messenger. Also eine Software, über die die Mediziner Röntgen- und CT-Befunde, Ultraschallbilder, Herzkatheterfilme und so weiter übermitteln und sich darüber austauschen können. Daher auch der Name ihrer digitalen Lösung: Consil!um (eine Beratung mehrerer Ärzte über einen Krankheitsfall).

Bessere Diagnosen für Patienten
Oberste Prämisse sei hier die Datensicherheit. So gebe es zwar bereits technische Lösungen für diese Art der Kommunikation, doch diese seien nicht datensicher genug. Die Nachsorge beispielsweise nach einer Geburt oder Operation sei mit der App viel einfacher, genauer und umfassender möglich.
Eine Lösung, die weltweit ortsunabhängig einsetzbar wäre. Ebenso wie Lauterbachs zweite Erfindung, der „Herz-Held“. Dabei handelt es sich um einen tragbaren Herzmonitor, der Patientendaten überwacht und sammelt, per Smartwatch und Smartphone. Das nehme den chronisch Erkrankten die oft hohe Unsicherheit und könne ihr Leben retten, indem sie Alarm schlage, wenn sich der Gesundheitszustand ungünstig entwickle.   
„Damit kann ich zwei eklatante Probleme in der Medizin lösen“, sagt Lauterbach. Schon jetzt sei sie überwältigt von der positiven Resonanz, die sie erfahre. Auch anderen Gründerinnen will sie daher Mut machen. „Es gibt so viele tolle Menschen hier vor Ort, auch wir könnten ein Mosel-Valley werden, wenn wir uns mehr zutrauen und Selbstbewusstsein zeigen“, sagt die gebürtige Pfälzerin. Jede Unternehmensgründung stärke schließlich am Ende die gesamte Region.  „Die Not ist groß. Ich weiß zwar nicht, ob sich meine Idee durchsetzen wird. Aber wenn ich es nicht versuche, werde ich es nie wissen. Man muss es einfach machen!“
Tatendrang, den die IHK mit dem ersten Gründerinnenpreis ihrer Geschichte belohnt. „Digital, innovativ, zukunftsorientiert, gut vorbereitet“, lautet das Urteil der Jury um Karin Kaltenkirchen (Modehaus Marx), Silvia Günther (Ensch Media) und Sabine Schwadorf (Trierischer Volksfreund). Beim Gründerinnenfest erhielt die Medizinerin die mit 1000 Euro dotierte Auszeichnung. Und weil so viele tolle Ideen eingereicht wurden, gab es gleich noch zwei weitere Preisträger, die mit jeweils 500 Euro belohnt wurden: Jessica Thijs und Annemie Munzel.  

Events gegen die Einsamkeit
Auch sie will anderen Menschen helfen und ihnen mehr Lebensfreude geben. Munzel wird sozusagen zur Event-Managerin, um insbesondere alleinstehende Menschen zusammenzubringen. „Organisierte Freizeitgestaltung“ heißt die Geschäftsidee der 68-Jährigen. Gemeinsame Ausflüge, Konzertbesuche, Wanderungen, Kaffeekränzchen, all das will sie für die Menschen im Raum Bitburg – Wittlich – Trier auf die Beine stellen.
Dazu inspiriert wurde sie in Köln, wo sie einige Jahre gearbeitet und an Veranstaltungen einer ähnlichen Initiative teilgenommen hatte. Nun, zurück in ihrem Geburtsort Orenhofen (Verbandsgemeinde Speicher) und im Ruhestand, stellte sie fest, dass sehr viele Alleinstehende die Wochenenden lieber in netter Gesellschaft verbringen würden. Munzel möchte daher Freizeitangebote organisieren, um Abwechslung in deren Leben zu bringen und neue Kontakte zu ermöglichen.
Dazu hat sie bereits einen Flyer und die Homepage www.freizeit-orga.de entwerfen lassen. Dort können sich die Interessierten für die Veranstaltungen anmelden. Mindestens jedes Wochenende soll etwas geboten werden. Finanziert wird das Ganze über einen Mitgliedsbeitrag. Auch Kanutouren oder Segelfliegen kann sich die agile Eifelerin vorstellen, jedes Alter ist also willkommen. Drei weitere Damen unterstützen sie bei der Organisation. Über sich selbst sagt sie übrigens: „Mir war in meinem ganzen Leben noch nie langweilig.“ Aber zusammen ist alles eben schöner.  
 
Unverpackt durch die Eifel
Einkaufen wie früher – auf dem Wochenmarkt, regional, bio, ohne Verpackungsmüll – und doch ganz modern: Das ermöglicht Jessica Thijs mit „Füll mal“. Sie ist (soweit sie weiß) die Erste in Deutschland, die mit einem mobilen Unverpacktladen unterwegs ist. Die Ware gibt’s also lose und wird in Behälter gefüllt, die Kunden mitbringen.
Die Idee dazu hatte die 32-jährige gelernte Fachkraft für Postdienstleistungen, als sie selbst damit begann, für ihre vierköpfige Familie so gut wie keine abgepackten Waren mehr zu kaufen. Doch rund um ihre Heimat Berlingen bei Gerolstein gibt es weit und breit keinen Unverpackt-Laden. Also entschließt sie sich, selbst ein Geschäft aufzuziehen – und baut einen Truck um. „Hin zum Kunden“, lautet die Devise. Heute ist sie unter anderem in Gerolstein und Daun, Hillesheim und Prüm auf Wochenmärkten zu finden. Die aktuellen Termine gibt sie auf ihrer Internet- und Facebookseite bekannt.  
Mehr als 100 Produkte bietet Thijs an, von Mehl und Kaffee über Öle und Gewürze bis hin zur Kosmetik. Fast alles bio, soweit möglich immer aus der Region und, natürlich, ohne umweltschädigende Verpackung. Offiziell gegründet hat sie „Füll mal“ im Mai 2019 – und ihrem Geschäft auch gleich eine schicke Optik verpasst. So fällt sie auf und kommt gut an. „Die Resonanz ist toll, viele Kunden sind glücklich, mich dort zu sehen.“ Was will man mehr?

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