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  • 01.07.2022

    Mit Sicherheit gut aufgestellt für die Zukunft

    Bewachungsgewerbe genießt hohe Nachfrage und größere Wertschätzung

  • Foto: Raimund Fisch
    Existenzgründung und Unternehmensförderung

    Raimund Fisch

    Tel.: (06 51) 97 77-5 20
    Fax: (06 51) 97 77-5 05
    fisch@trier.ihk.de


Dieser Text ist vom 01.07.2022 und könnte inhaltlich veraltet sein.
Eine Branche mit Perspektive, die sich im Wandel befindet und sich bemüht, ihr klischeehaft besetztes Image loszuwerden - so lässt sich das private Bewachungsgewerbe in aller Kürze beschreiben.
Unternehmen aus der Region berichten, wie sie sich auf dem hart umkämpften Markt behaupten.

Hand aufs Herz: Was verbinden Sie spontan mit dem Begriff security? Den meisten wird wohl das Klischee kräftig gebauter Türsteher in den Sinn kommen, die vor Diskotheken oder bei Konzerten mit respekteinflößender Miene den Einlass regeln. Dabei macht die so genannte Doormen-Tätigkeit bei vielen Unternehmen der Branche den geringsten Anteil aus. Viele haben sich aus diesem Bereich zurückgezogen, setzen andere Schwerpunkte, entwickeln erfolgreich Nischen. So wie die Firma UTS aus Föhren bei Trier. 2001 von Marc Thurn gegründet, konzentrierte sich das bei der DEKRA nach ISO 9001 und DIN 77200 zertifizierte Unternehmen zunächst auf den klassischen Objekt- und Veranstaltungsschutz in der Region. Vier Jahre später erschloss sich die Firma über einen Großkundenauftrag für die Windparkbaustellenbewachung den Einstieg in den Baustellenschutz. Europaweit bewachte UTS in den Folgejahren Windparkbaustellen. „Marc Thurn hat den Baustellenschutz als Strategie für die Zukunft entwickelt, um sich von den klassischen Sicherhe tsdienstleistern abzuheben“, sagt Betriebsleiter Dawid Bugla. Bis zu 70 Windpark-Baustellen seien in Spitzenzeiten parallel betreut worden. Heute seien sie in diesem Bereich vor allem im südwestlichen Teil Deutschlands aktiv. Im Baustellenschutz generell sind sie nach Auskunft Buglas deutschlandweit im Einsatz. Neben diesem Hauptsegment bedient die UTS die Bereiche Einzelhandels-, Werk- und Objektschutz, Revierdienst sowie Notruf und Serviceleitstelle.
Aus dem klassischen Veranstaltungsschutz habe sich die rund 150 Mitarbeitende starke UTS ab 2016 zurückgezogen. „Wir übernehmen heute nur noch ganz wenige, exklusive Veranstaltungen langjähriger Kunden“, so Bugla. „Es ist wirtschaftlich deutlich interessanter, sich im Baustellenschutz zu positionieren.“ Hinzugekommen ist die Baustellenlogistik. So vermietet UTS unter anderem Container, Schranken, Drehkreuze und Bauzäune, kümmert sich auf den Baustellen auch um die Versorgung mit Strom sowie um die Abwasserfrage oder die Müllentsorgung. Bugla: „Der Kunde bekommt bei uns ein Gesamtpaket aus einer Hand. Es gibt nur wenige Anbieter, die diese breitgefächerte Palette bereitstellen.“
Frühzeitig ist das Unternehmen in den Ausbau digitaler Sicherheitstechnik eingestiegen. Vor zehn Jahren fiel der Startschuss zur Entwicklung des ersten eigenen mobilen Videoüberwachungssystems. Die konsequente Entwicklung dieses Geschäftsbereichs mündete 2019 in der Gründung der LivEye GmbH durch Marc Thun. Ihren Hauptsitz hat die rund 40 Mitarbeitende beschäftigende Firma in Föhren. Inhaber Marc Thurn teilt sich die Geschäftsführung mit Carsten Simons. Vier Vertriebsbüros in Deutschland, eines in Österreich, eines in Spanien sowie jeweils ein Standort in Polen und der Schweiz sind hinzugekommen.
„Die LivEye GmbH hat sich auf die Bewachung von temporären Risikozonen mit  mobilen Videoüberwachungsanlagen spezialisiert. Unter dem Markennamen LivEyeR werden hoch moderne Videoüberwachungsanlagen entwickelt und produziert“, heißt es auf der Firmenwebsite. Einsatzorte reichen vom Brücken-, Straßen-, Hoch- und Tiefbau über Baustellen, Solar- und Windparks, leerstehende Immobilien, kritische Infrastrukturen sowie Veranstaltungen, Lager- und Freiflächen, Hafenanlagen oder Skigebiete.

Firma für digitale Sicherheitstechnik gegründet
Für die Entwicklung ihrer Anlagen hat das Unternehmen von Beginn an Ingenieure und IT-Spezialisten ins Boot genommen, dazu offiziell im Februar 2020 in Schönecken (Eifel) das LivEyeR Research & Development Center eröffnet. Das steht nach Auskunft der Geschäftsführung in engem Austausch mit Hochschulen und Universitäten, betreibt gemeinsame Forschungsprojekte. „Wir wollen Marktführer in Deutschland werden“, formuliert Daniel Thurn, Vertriebsleiter Deutschland, das Ziel. „Technisch gesehen sind wir mit Sicherheit Marktführer, denn wir können mit unseren Systemen bis zu 400 Meter weit detektieren.“
Die Nachfrage nach (digitaler) Bewachungsleistung habe durch die Coronakrise einen enormen Schub bekommen. „Dadurch, dass viele Roh- und Baustoffe knapp und teuer geworden sind, nehmen Firmen deutlich mehr Geld in die Hand, um Baustellen, Lager- oder Freiflächen vor Diebstahl zu schützen“, so Bugla.
Insofern werde die Bewachungsleistung – im doppelten Sinne – stärker honoriert. „Dieser Markt wird wachsen“, ist Thurn überzeugt. „Je mehr sich in Europa die Preisspirale dreht, umso mehr wird die Diebstahlrate steigen.“ Dabei stellt Thurn klar: „LivEye ist kein Videoaufzeichnungsunternehmen. Wir halten uns strikt an die Datenschutzgrundverordnung, überwachen nicht Menschen, sondern Objekte und das jeweilige Umfeld.“ Hielten sich Personen unberechtigt dort auf, lösten sie in der von UTS rund um die Uhr besetzen Sicherheitsleitstelle einen Alarm aus. Die setze sich dann mit der entsprechenden Ordnungsbehörde in Verbindung.
Angesprochen auf den Ruf ihrer Branche sagt Bugla: „Security hat einen negativen touch, deshalb benutzen wir das Wort gar nicht. Wir wollen uns von diesem Image abheben. Das sieht man schon daran, dass wir bei unseren Mitarbeitern keinen militärischen Kleidungsstil haben, Wert darauf legen, dass sie ordentlich und freundlich und nicht bedrohlich wirken.“ Generell sei die Branche im Wandel, werde positiver wahrgenommen. „Der Sicherheitsgedanke hat sich in der Gesellschaft ausgebreitet. Dadurch ist die Akzeptanz entsprechender Unternehmen gestiegen.“
Sein Wunsch: „Ich hoffe, dass die Tariflöhne erhöht und die Stundenlöhne innerhalb der einzelnen Bundesländer angeglichen werden, um den hart umkämpften Markt besser regulieren und Preisdumping etwas entgegenzusetzen zu können.“

Diskretion, Vertrauen, Seriosität

Eines der ältesten Sicherheitsunternehmen Deutschlands ist der Trierer Wachdienst (TWD). 1902 von Jakob Pauly in Trier gegründet, trägt er bis heute diesen Namen in der Firmenbezeichnung und hat seinen Standort in der Moselmetropole. Seit 2006 ist der TWD integriert in die Unternehmensgruppe Gregor Lehnert mit Sitz im saarländischen Quierschied. Wie auch die übrigen Unternehmen der Gruppe ist der TWD über SGS TÜV zertifiziert nach ISO 9001 und 14001. Zusätzlich ist er über den VdS nach DIN 77200 und der VdS 2172 zertifiziert.
Im Jahr 2000 hat sich Gregor Lehnert, der bis 1997 Direktor des Landeskriminalamtes und Leiter der Kriminalpolizei des Saarlandes und bis zu seiner Firmengründung Staatssekretär im Innenministerium in Thüringen war, mit einer Unternehmensberatung zum Thema Sicherheit selbstständig gemacht. Inzwischen ist daraus ein Firmenverbund mit fünf Einzelunternehmen entstanden, der den Bereich der Unternehmenssicherheit im Fokus hat. Seit 2009 ist mit Michael und Dr. Markus Lehnert die nächste Generation im Unternehmen. Letzterer ist Geschäftsführer des TWD und damit verantwortlich für rund 250 Mitarbeitende.
„Der klassische Werkschutz inklusive Empfangsdienstleistungen mit zunehmend digitaler Sicherungstechnik bildet den Schwerpunkt des TWD“, sagt der 43-Jährige. Dabei sieht Lehnert in der an Dynamik gewinnenden Sicherheitstechnik „eine sehr intelligente Unterstützung des Mitarbeitenden“: „Technik ergänzt den Menschen, ersetzt ihn nicht. Vor allem bei wiederkehrenden Vorgängen, wie beispielsweise der Kennzeichenerkennung an der Pforte, kommt das immer mehr.“ Genau wie Bugla und Thurn schätzt er die Perspektive für sein Gewerbe äußerst positiv ein: „Die Sicherheitsbranche wächst kontinuierlich. Das ist eine Branche mit Zukunft, die zudem krisensicher ist, was sich gerade auch zu Corona-Zeiten gezeigt hat.“ Viele Unternehmen bündelten zunehmend Aufgaben an Pforte und Empfang und lagerten sie aus. „Auch zu Corona-Zeiten mussten diese Tätigkeitsfelder durchgängig besetzt sein, da war kein home office möglich. Dass wir das für unsere Kunden ohne personelle Ausfälle in der gesamten Zeit hinbekommen haben, hat bei vielen Unternehmen den Blick auf unsere Leistung und die Wertschätzung dafür spürbar verändert. Das haben uns Viele positiv widergespiegelt.“
So könne sich der Kunde auf sein Geschäft und seine Kernprozesse konzentrieren, müsse sich um das Thema Sicherheit nicht kümmern. Dass das Bewachungsgewerbe generell nicht überall den besten Ruf genießt, streitet Lehnert nicht ab und sagt: „Die Branche hat nach meiner Einschätzung vor allem drei Punkte, die sie umtreibt. Diskretion, Vertrauen und Seriosität sind Aspekte, die ein großes Bedürfnis der Kunden darstellen. Wie in anderen Branchen gibt es auch bei uns schwarze Schafe. Gleichwohl muss unser Bereich ein gesundes Selbstbewusstsein finden.“

Wunsch nach klaren Rahmenbedingungen
Wie die übrigen für diesen Bericht Befragten hält der TWD-Geschäftsführer die gesetzlichen Zugangsvoraussetzungen für alle, die sich in diesem Bereich selbstständig machen wollen, für „sehr, sehr niedrig“. Deshalb begrüßt Lehnert die Aussicht, dass im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung festgeschrieben ist, noch in dieser Legislaturperiode ein Sicherheitsdienstleistungsgesetz zu verabschieden. Das werde die Anforderungen an die Unternehmen seiner Branche stärker regulieren. Darüber hinaus wünscht er sich „klare Rahmenbedingungen und dass bei der Auftragsvergabe nicht lediglich zwei Preise miteinander verglichen werden, wie das gerade bei der Vergabe im öffentlichen Bereich meistens der Fall ist“. Als „Leuchtturm-Projekt“ bezeichnet er in diesem Zusammenhang das Vergabe-Prozedere des Landes Rheinland-Pfalz für die Bewachung der Flüchtlingsunterkünfte, wo der TWD in Bitburg und Trier ebenfalls im Geschäft ist. „Hier ist eindeutig mehr auf Qualität als auf die Preisangebote geachtet worden, und man ht die Aufträge auf verschiedene Dienstleister aufgeteilt.“ Das Land habe die jeweiligen Ausgangsvoraussetzungen der Unternehmen und ihrer Mitarbeitenden überprüft und viel Wert auf Schulungen etwa in interkultureller Kompetenz oder Deeskalation gelegt.
Das sind unter anderem auch Themen, auf die die IHK Trier bei ihrer 40-stündigen Unterrichtung eingeht. Die Qualifizierung ist gesetzliche Voraussetzung für alle, die in der Sicherheitsbranche arbeiten möchten. Dabei werde besonderer Wert auf Praxisbezug gelegt, wie Raimund Fisch, Leiter Existenzgründung und Unternehmensförderung und verantwortlich für die Unterrichtungslehrgänge, erklärt: „Bei uns schulen aktive und ehemalige Polizisten, Feuerwehrleute, Arbeitspädagogen oder Psychologen, die die Materie bestens kennen. Das ist ein wichtiger und wesentlicher Bestandteil unserer Ausbildung.“
Bei den Themen interkulturelle Kompetenz oder Deeskalation ist auch SECURITY SERVICE SCHMITT zuhause. Seit mehr als 20 Jahren konzentriert sich das nach ISO 9001 zertifizierte Unternehmen darauf, bei Großveranstaltungen, Sportevents, Festivals, Konzerten, Tagungen oder Messen für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Zudem sind die Mitarbeitenden im Gastronomie-, Club- und Diskothekenbereich im Einsatz. Zum Portfolio gehören auch die Sicherheitsberatung, das Erarbeiten von Sicherheitskonzepten sowie das Bereitstellen von Personal, etwa im Gastronomie-, Veranstaltungs- oder Kassenbereich.
1998 von Stephan Schmitt in Riol gegründet, war der Eurostrand in Leiwen der erste Auftrag für ihn. 2011 starb Schmitt mit 32 Jahren. „Es war ihm eine Herzensangelegenheit, dass das Unternehmen fortbesteht. Er hat vor seinem Tod die Weichen gestellt, dass Familienmitglieder ins Geschäft einsteigen. Ein Externer wurde als Geschäftsführer eingesetzt und war Mitinhaber“, erzählt Steffen Koch, Vorstand der SEROSGROUP SA LUXEMBURG mit Sitz in Wasserbillig. Zu der gehört SCHMITT SECURITY als eigenständige Tochtergesellschaft, seit der ehemalige Geschäftsführer nach einjähriger Wirtschaftsprüfung im August 2021 von den Mitanteilseignern „vor die Tür gesetzt“ wurde. „In Gedenken an Stephan wird der Name weitergetragen.“ Zumal SCHMITT SECURITY bundesweit durch Festivals und Konzertveranstaltungen bekannt ist.
Das Bild und die Aufgaben der Sicherheitsdienste haben sich nach Kochs Auffassung in den zurückliegenden Jahren stark verändert. Stichtag ist für ihn der 24. Juli 2010 mit seinen verheerenden Folgen einer Massenpanik bei der Love Parade in Duisburg. „Bis dahin wurde unsere Branche belächelt. Über Nacht geriet das Thema Sicherheit in den Fokus. Es poppte ein Riesen-Markt auf, den es vorher so nicht gab. Und niemand hatte auf dem Schirm, wieviel Arbeit im Hintergrund solcher Großevents anfällt.“
Die Zusammenarbeit mit entsprechenden Behörden sei sehr wichtig, etwa um die Verkehrsinfrastruktur zu planen und Besucherströme zu lenken. Der Anspruch ans Personal habe sich stark entwickelt. „Sicherheitsmitarbeiter waren lange Zeit für Viele grummelige Muskelmänner, die vor der Disko stehen. Längst geht es aber nicht mehr nur um die Sicherheit an sich, sondern dass wir Dienstleister und erster Ansprechpartner der Gäste unserer Kunden sind.“

Arbeit und Hobby verbinden
Rund 500 Mitarbeitende zählt SCHMITT. Wie ihre Mitbewerber berichten auch Koch und Geschäftsführer Sebastian Sakwerda, dass sich die Suche nach gutem Personal zunehmend schwierig gestaltet. Sakwerda ist auch Geschäftsführer der 2010 von ihm und Saman Lashgari gegründeten SEROS SECURITY INTERNATIONAL, die Werk- und Objektschutz, Sicherheitstechnik und Einzelhandelsschutz abdeckt. „Wir haben das Personalthema seit zwei Jahren massiv auf der Agenda der Unternehmensgruppe“, sagt Sakwerda. „Bei SCHMITT genießen wir den Vorteil, dass sich unsere Mitarbeitenden mit der Szene identifizieren. Das sind Festivalgänger, die mit ihrer Tätigkeit Arbeit und Hobby verbinden. Viele sind mit Herzblut dabei.“ Bewusst setze man den Slogan „Hast du Lust auf ein Event?“ beim Werben um Personal ein. Neben Ausschreibungen und dem Bespielen jobüblicher Portale versuche man gezielt, aus den eigenen Reihen Nachwuchs zu rekrutieren und fit für den Job zu machen. Sakwerda: „Am meisten lernen sie von Erfahrenen. Wir haben ein Patenprogramm entwickelt, bei dem neue Mitarbeitende eine gewisse Zeit mit langjährigen Kollegen mitlaufen und geschult werden.“ Apropos Schulung: „Wir haben einen langjährigen Mitarbeiter mit ukrainischen Wurzeln, der von sich aus angeboten hat, bei der Sachkundeprüfung durchgefallene Mitarbeitende mit ausländischen Wurzeln hausintern zu schulen. Das funktioniert sehr gut, denn er weiß genau, wo der Schuh drückt.“ Überhaupt ist Sakwerda überzeugt: „Die IHK-Unterrichtung als Eintrittskarte in den Job und eventuell dann die spätere Sachkundeprüfung reichen nicht aus. Man wird die Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen müssen, ein eigenes Ausbildungsprogramm aufzulegen.“
Steffen Koch spricht einen anderen Punkt an, bei dem die beiden Handlungsbedarf sehen: „Unser Wunsch ist, dass die Bundesregierung ihr Augenmerk stärker auf die Definition klarer Rahmenbedingungen legt. Seit März sollte es eine neue DIN-Norm für den Veranstaltungsbereich geben, gibt es aber nicht. Dabei reden wir über den Schutz von Leib und Leben, das höchste Gut.“

„Betriebliche Ermittlung ist spannend“
Roland Doesken, geschäftsführender Gesellschafter der ATLAS SICHERHEIT GmbH in Trier, hat mit seinem Kerngeschäft etwas Anderes im Blick, wie er beschreibt: „Ich kämpfe seit vielen Jahren auf der Seite des Rechts. Ich kämpfe für das Eigentum Anderer und auch für einen – hoffentlich irgendwann – guten Ruf der Branche.“
1989 ist er in diese nach eigener Auskunft eingestiegen und begann, neben dem Studium als Laden-Detektiv zu arbeiten. 2001 hat er sich mit ATLAS selbstständig gemacht. Der Firmensitz ist nach wie vor in Trier, die Verwaltungsaufgaben hat er nach Luxemburg ausgelagert. 150 Mitarbeiter beschäftigt er nach eigener Auskunft mit Personalpools in Saarbrücken, Kaiserslautern, Mainz und Koblenz. Den Objekt- und Werkschutz beschreibt Doesken als sein „tägliches Brot“, er mache den größten Teil seines Geschäftes aus. Bundesweit sei ATLAS für Großkonzerne im Einsatz, „allerdings nur, wenn der Arbeits- und Kontrollaufwand außerhalb Triers kalkulierbar ist“, so der Firmenchef. Darüber hinaus umfasse das Portfolio den Revierdienst – einschließlich Empfang- und Besuchermanagement, Pforten- sowie Schließ- und Öffnungsdienst – Personenschutz, Eventsecurity, Sicherheitstransporte, Gebäudebewirtschaftung und Sicherheitsberatung. Letztere werde zunehmend wichtig für seine Kunden, vor allem aus dem Bereich der Unternehmer. In einer eigens zu diesem Zweck gegründeten Consultingfirma würden Sicherheitskonzepte erstellt und Lösungsvorschläge erarbeitet. Ein großes Thema in diesem Zusammenhang sei der Technikeinsatz.
„Darüber hinaus ist das Thema betriebliche Ermittlung äußerst spannend und das, was wir besonders gut können“, sagt Doesken. „Dabei gehen wir zunächst intensiv in die Anamnese, stellen fest, wo das Problem liegt und starten dann unsere Recherche von außen, ohne in den Betrieb zu gehen.“ Je nachdem, wie der Fall gelagert sei, könne es sein, dass ein ATLAS-Mitarbeiter in die Firma eingeschleust werde. „Das ist dann eine längerfristige Angelegenheit.“
Erst kürzlich habe ATLAS mit dieser Vorgehensweise einen Fall aufgeklärt, bei dem über einen längeren Zeitraum in großem Umfang Lagerbestände eines Produktionsbetriebs abschmolzen. Nach akribischer Arbeit des Sicherheitsunternehmens habe dieses nachweisen können, dass ein junger Mitarbeiter für den Diebstahl verantwortlich war, der lange Zeit alle Spuren hatte verwischen können.
Gefragt nach seinem Blick auf das Bewachungsgewerbe und die Wettbewerbssituation antwortet der 54-Jährige: „Das Geschäft ist sehr, sehr hart umkämpft, und man hat keine Möglichkeit, den Preis realistisch zu kalkulieren. Deshalb sind Seriosität und Qualität, neuerdings auch Innovation, für mich federführend. Mein Anspruch ist, immer zu 100 Prozent konform zu den Vorgaben zu arbeiten.“
Aus diesem Grund habe ATLAS eine Software entwickelt, die es jederzeit ermögliche nachzuweisen, wo und wie ein Mitarbeiter im Einsatz ist. „Ich fürchte keine Zollkontrolle“, so Doesken. Um gegenüber Kunden und Mitarbeitenden transparent zu sein, habe er sein Unternehmen vor einigen Jahren nach der Qualitätsmanagement-Norm ISO 9001 (ICG) sowie nach DIN 77200-1 (ICG) zertifizieren lassen. „Damit unterwirft man sich vielen Dingen, die überprüfbar sind, man wird gläsern. Das ist zwar ein sehr hoher Aufwand, der sich preislich kaum niederschlagen kann, zu dem ich mich aber den Kunden gegenüber verpflichtet fühle.“

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