01.03.2012
„Mobile Tagging“: QR-Code-Welle schwappt nach Deutschland über
Dieser Text ist vom 01.03.2012 und könnte inhaltlich veraltet sein.
Neues Marketinginstrument aus Japan verbindet klassische Werbung mit mobilem Internet
Ob in Flyern, auf Plakaten, an Litfasssäulen oder auf Visitenkarten – immer häufiger sieht man die seltsamen schwarzen Pixelquadrate. Mit dem Smartphone und einem kostenfrei erhältlichen Barcode-Scanner-Programm lassen sich die Codes sekundenschnell einlesen. Bis zu 4 000 Zeichen können in einem einzigen Code als Text, Homepage-URL, Mailadresse oder SMS codiert werden. Immer mehr Unternehmen setzen die zweidimensionalen Strichcodes in der Werbung ein und verbinden die beiden Kanäle Offline und Online miteinander. Der Vorteil: Das mühsame Abtippen entfällt. Der Kunde kann sich schneller über das Produkt oder die Dienstleistung informieren und sogar online ordern.
"MOBILE TAGGING" IST TRENDY
QR-Codes liegen voll im Trend. Nicht nur VW lässt seinen Kleinstwagen „Up“ als mobilen QR-Code durch die Republik flitzen. Mercedes-Benz nutzt Erlkönige der A-Klasse für die Markeneinführung. Statt mit den üblichen Tarnmustern fahren seit Anfang des Jahres Erlkönige der neuen A-Klasse vollflächig beklebt mit QR-Codes durch Deutschland. Es öffnet sich eine Homepage mit Infos und Gewinnspiel. Die neuen Möglichkeiten nutzt auch der Lebensmittel-Einzelhandel und will mehr Transparenz bei seinen Lebensmitteln schaffen. Kunden eines Markendiscounters werden mit dem QR-Code auf Fleischverpackungen über die Schlachtbetriebe informiert. Darüber hinaus liefert die mobile Applikation Rezepte und Empfehlungen zu passenden Artikeln – Verkaufsförderung und Cross-Selling direkt am Verkaufspunkt. In der Marketing-Welt hat sich auch schon ein Fachbegriff für das Abscannen der Codes etabliert, das „Mobile Tagging“ („Mobile Datenerkennung“).
QR-CODE ALS TATTOO UND HAARSCHNITT
Aber nicht nur in der Werbung werden die Vorteile zunehmend erkannt. Auch Institutionen und die Öffentliche Hand greifen auf das neue Tool zurück: Die Berliner Verkehrsbetriebe nutzen QR-Codes auf ihren Fahrplänen, um den wartenden Fahrgästen genau Auskunft über die Pünktlichkeit von Bussen zu geben. Im Osnabrücker Zoo können die Besucher direkt am Gehege Wissenswertes zu Rentier, Seelöwe oder Waschbär auf ihr Handy laden. Museen bieten eine webbasierte Alternative zu ihren virtuellen Museumsführern – Entleih, Anschaffung und Wartung eigener Geräte entfallen. Künstler greifen den Strichcode auf und verarbeiten ihn als interaktives Element in ihren Kunstwerken – verbinden die reale mit der virtuellen Welt. Und erste Freaks lassen sich den Code auf ihre Haut tätowieren und als Muster auf den Kopf rasieren. Er wird auf T-Shirts, Taschen, Hemdkragen, Manschettenknöpfe etc. getragen. – Der QR-Code ist momentan „voll angesagt“.
REGIONALE NUTZUNG STEIGT
Auch regional finden sich die Codes auf vielen Werbeträgern wieder. Mit der neuen Saison wirbt das Trierer Stadttheater auf seinen Plakaten für seine neuen Inszenierungen und bietet ausführliche Infos mit Videosequenzen. Innovativ zeigt sich auch die Volksbank Trier Immobilien GmbH. Auf den Immobilien-Aushängen bietet sie Fußgängern den QR-Code an, weiterführende Infos und Fotogalerien direkt aufzurufen. Der neue Service kommt bei den Passanten sehr gut an. Das zeigen die positiven Rückmeldungen und Zugriffsstatistiken. Auch in der Blickpunkt Wirtschaft werden die ersten QR-Codes in Anzeigen integriert.
SMARTPHONES SORGEN FÜR BOOM
Der QR-Code-Boom geht einher mit der rasanten Ausbreitung von Smartphones. Über 40 Prozent aller in Deutschland verkauften Mobiltelefone sind inzwischen Smartphones und verdrängen immer mehr die herkömmlichen Handys. Das iPhone ist der bekannteste Vertreter dieser Gattung und feiert in diesem Jahr seinen fünften Geburtstag. Durch die konstante Internetanbindung können E-Mails bearbeitet und wie beim Computer problemlos im Internet gesurft werden. Des Weiteren bieten so genannte Apps (von der englischen Kurzform für „Application“) das Herunterladen von zusätzlichen Programmen an.
QR-CODE SELBER ERSTELLEN
Da die Nutzung des QR-Codes kostenfrei ist, kann jeder über diverse – ebenfalls kostenlose – Internetportale den Code erzeugen. Manche Dienste bieten sogar an, die Zugriffe auf den Code gleich mitzuzählen, sodass Werbetreibende eine direkte Erfolgskontrolle haben. Der Code mit dem Link oder der Textnachricht wird auf der Internetseite erzeugt und kann per Mausklick für die Printpublikation abgespeichert werden. – Keine Angst vor Unlesbarkeit: Im Gegensatz zum klassischen Barcode können die Daten auch dann noch gelesen werden, wenn bis zu 30 Prozent des Codes zerstört oder unleserlich sind. Darauf haben die japanischen Entwickler großen Wert gelegt.
WERBEWERT NOCH NICHT BELEGT
Noch liegen keine aussagekräftigen Studien zum Werbewert des QR-Codes in Deutschland vor. Selbst in den USA ist der Code im Mainstream noch nicht angekommen. Über 40 Prozent der US-Amerikaner geben sogar an, den Code nicht zu kennen. Dagegen ist in Japan, dem Mutterland des QR-Codes, der sogenannte Hypezyklus bereits durchlaufen und befindet sich in der Ernüchterungsphase. Der Code hat in Japan seinen Neuigkeitswert verloren und hat sich in den Alltag gemischt – genau wie viele andere gängige Symbole.
In Deutschland verfügen laut letztem Nielsen-Report schon rund 30 Prozent der Bevölkerung über ein Smartphone. Über die Zahl derjenigen, die auch den QR-Code-Leser installiert haben und nutzen, liegen keine verlässlichen Daten vor. Erste Untersuchungen zeigen aber, dass die Akzeptanz für die QR-Code-Apps stark abnimmt, wenn der erste Scan nicht einen Zusatznutzen gebracht hat. Denn Untersuchungen haben herausgefunden, dass die meisten Webangebote, auf die der QR-Code weiterleitet, nicht für die Darstellung auf Mobiltelefonen optimiert wurden. Die Anwender reagieren verärgert. Eine andere Studie kommt zu dem ernüchternden Ergebnis, dass QR-Codes in Printanzeigen von nur etwa 4 Prozent der Leser gescannt werden.
FAZIT
Firmen, die derzeit den Matrixcode nutzen, gelten als innovativ. Die Zahl der potentiellen Nutzer ist erst am wachsen. Die Erzeugung des Codes ist einfach und kostenlos. Mit dem neuen Strichcode wird Neugier erzeugt und insbesondere für lokale Werbung ein Mehrwert geboten, weiterführende Inhalte zu kommunizieren. QR-Codes, die Rabatte, kostenlose Proben, exklusive Inhalte etc. bieten, können die Aufmerksamkeit für die beworbene Marke hervorrufen und den Umsatz steigern. Aber die Anzahl der Scans wird von der Qualität des Angebots und den Anreizen abhängen. Wird kein Mehrwert geboten, werden die Nutzer enttäuscht sein, und sich künftig dreimal überlegen, ob sie ihren QR-Code-Scanner aktivieren oder nicht. Um die Nutzungsbereitschaft zu steigern, sind kreative Ideen gefragt, die potentiellen Zielgruppen stärker zu motivieren. Ohne Mehrwert wird das neue Marketinginstrument zur Negativwerbung, da der Kunde enttäuscht sein wird.
"MOBILE TAGGING" IST TRENDY
QR-Codes liegen voll im Trend. Nicht nur VW lässt seinen Kleinstwagen „Up“ als mobilen QR-Code durch die Republik flitzen. Mercedes-Benz nutzt Erlkönige der A-Klasse für die Markeneinführung. Statt mit den üblichen Tarnmustern fahren seit Anfang des Jahres Erlkönige der neuen A-Klasse vollflächig beklebt mit QR-Codes durch Deutschland. Es öffnet sich eine Homepage mit Infos und Gewinnspiel. Die neuen Möglichkeiten nutzt auch der Lebensmittel-Einzelhandel und will mehr Transparenz bei seinen Lebensmitteln schaffen. Kunden eines Markendiscounters werden mit dem QR-Code auf Fleischverpackungen über die Schlachtbetriebe informiert. Darüber hinaus liefert die mobile Applikation Rezepte und Empfehlungen zu passenden Artikeln – Verkaufsförderung und Cross-Selling direkt am Verkaufspunkt. In der Marketing-Welt hat sich auch schon ein Fachbegriff für das Abscannen der Codes etabliert, das „Mobile Tagging“ („Mobile Datenerkennung“).
QR-CODE ALS TATTOO UND HAARSCHNITT
Aber nicht nur in der Werbung werden die Vorteile zunehmend erkannt. Auch Institutionen und die Öffentliche Hand greifen auf das neue Tool zurück: Die Berliner Verkehrsbetriebe nutzen QR-Codes auf ihren Fahrplänen, um den wartenden Fahrgästen genau Auskunft über die Pünktlichkeit von Bussen zu geben. Im Osnabrücker Zoo können die Besucher direkt am Gehege Wissenswertes zu Rentier, Seelöwe oder Waschbär auf ihr Handy laden. Museen bieten eine webbasierte Alternative zu ihren virtuellen Museumsführern – Entleih, Anschaffung und Wartung eigener Geräte entfallen. Künstler greifen den Strichcode auf und verarbeiten ihn als interaktives Element in ihren Kunstwerken – verbinden die reale mit der virtuellen Welt. Und erste Freaks lassen sich den Code auf ihre Haut tätowieren und als Muster auf den Kopf rasieren. Er wird auf T-Shirts, Taschen, Hemdkragen, Manschettenknöpfe etc. getragen. – Der QR-Code ist momentan „voll angesagt“.
REGIONALE NUTZUNG STEIGT
Auch regional finden sich die Codes auf vielen Werbeträgern wieder. Mit der neuen Saison wirbt das Trierer Stadttheater auf seinen Plakaten für seine neuen Inszenierungen und bietet ausführliche Infos mit Videosequenzen. Innovativ zeigt sich auch die Volksbank Trier Immobilien GmbH. Auf den Immobilien-Aushängen bietet sie Fußgängern den QR-Code an, weiterführende Infos und Fotogalerien direkt aufzurufen. Der neue Service kommt bei den Passanten sehr gut an. Das zeigen die positiven Rückmeldungen und Zugriffsstatistiken. Auch in der Blickpunkt Wirtschaft werden die ersten QR-Codes in Anzeigen integriert.
SMARTPHONES SORGEN FÜR BOOM
Der QR-Code-Boom geht einher mit der rasanten Ausbreitung von Smartphones. Über 40 Prozent aller in Deutschland verkauften Mobiltelefone sind inzwischen Smartphones und verdrängen immer mehr die herkömmlichen Handys. Das iPhone ist der bekannteste Vertreter dieser Gattung und feiert in diesem Jahr seinen fünften Geburtstag. Durch die konstante Internetanbindung können E-Mails bearbeitet und wie beim Computer problemlos im Internet gesurft werden. Des Weiteren bieten so genannte Apps (von der englischen Kurzform für „Application“) das Herunterladen von zusätzlichen Programmen an.
QR-CODE SELBER ERSTELLEN
Da die Nutzung des QR-Codes kostenfrei ist, kann jeder über diverse – ebenfalls kostenlose – Internetportale den Code erzeugen. Manche Dienste bieten sogar an, die Zugriffe auf den Code gleich mitzuzählen, sodass Werbetreibende eine direkte Erfolgskontrolle haben. Der Code mit dem Link oder der Textnachricht wird auf der Internetseite erzeugt und kann per Mausklick für die Printpublikation abgespeichert werden. – Keine Angst vor Unlesbarkeit: Im Gegensatz zum klassischen Barcode können die Daten auch dann noch gelesen werden, wenn bis zu 30 Prozent des Codes zerstört oder unleserlich sind. Darauf haben die japanischen Entwickler großen Wert gelegt.
WERBEWERT NOCH NICHT BELEGT
Noch liegen keine aussagekräftigen Studien zum Werbewert des QR-Codes in Deutschland vor. Selbst in den USA ist der Code im Mainstream noch nicht angekommen. Über 40 Prozent der US-Amerikaner geben sogar an, den Code nicht zu kennen. Dagegen ist in Japan, dem Mutterland des QR-Codes, der sogenannte Hypezyklus bereits durchlaufen und befindet sich in der Ernüchterungsphase. Der Code hat in Japan seinen Neuigkeitswert verloren und hat sich in den Alltag gemischt – genau wie viele andere gängige Symbole.
In Deutschland verfügen laut letztem Nielsen-Report schon rund 30 Prozent der Bevölkerung über ein Smartphone. Über die Zahl derjenigen, die auch den QR-Code-Leser installiert haben und nutzen, liegen keine verlässlichen Daten vor. Erste Untersuchungen zeigen aber, dass die Akzeptanz für die QR-Code-Apps stark abnimmt, wenn der erste Scan nicht einen Zusatznutzen gebracht hat. Denn Untersuchungen haben herausgefunden, dass die meisten Webangebote, auf die der QR-Code weiterleitet, nicht für die Darstellung auf Mobiltelefonen optimiert wurden. Die Anwender reagieren verärgert. Eine andere Studie kommt zu dem ernüchternden Ergebnis, dass QR-Codes in Printanzeigen von nur etwa 4 Prozent der Leser gescannt werden.
FAZIT
Firmen, die derzeit den Matrixcode nutzen, gelten als innovativ. Die Zahl der potentiellen Nutzer ist erst am wachsen. Die Erzeugung des Codes ist einfach und kostenlos. Mit dem neuen Strichcode wird Neugier erzeugt und insbesondere für lokale Werbung ein Mehrwert geboten, weiterführende Inhalte zu kommunizieren. QR-Codes, die Rabatte, kostenlose Proben, exklusive Inhalte etc. bieten, können die Aufmerksamkeit für die beworbene Marke hervorrufen und den Umsatz steigern. Aber die Anzahl der Scans wird von der Qualität des Angebots und den Anreizen abhängen. Wird kein Mehrwert geboten, werden die Nutzer enttäuscht sein, und sich künftig dreimal überlegen, ob sie ihren QR-Code-Scanner aktivieren oder nicht. Um die Nutzungsbereitschaft zu steigern, sind kreative Ideen gefragt, die potentiellen Zielgruppen stärker zu motivieren. Ohne Mehrwert wird das neue Marketinginstrument zur Negativwerbung, da der Kunde enttäuscht sein wird.