01.10.2009
Qualität geht vor Standortsicherung!
Dieser Text ist vom 01.10.2009 und könnte inhaltlich veraltet sein.
Standpunkt von IHK-Präsident Peter Adrian
Auf diesem Weg sind wir bis heute durch Gespräche mit der Landesregierung, durch fachliche Stellungnahmen und in einem Arbeitskreis zur Umsetzung des Themas Berufsorientierung ein gutes Stück vorangekommen. In den nächsten Tagen werden wir eine Landesvereinbarung von Wirtschaftskammern, Unternehmerverbänden, den beteiligten Ministerien und der Arbeitsagentur unterzeichnen, die die Verbesserung der Berufs- und Studienorientierung der Jugendlichen in Rheinland-Pfalz vorsieht und alle Partner zu konkreten Zielen und Maßnahmen verpflichtet. Die erfolgreiche Umsetzung dieses durch die Wirtschaft mit Hartnäckigkeit vorangetriebenen Themas ist auch deshalb so wichtig, weil mit der Entwicklung der Schulstruktur im Land ein von uns schon früh vorausgesehener Wettlauf kommunaler Schulträger in der Region zur Sicherung ihrer individuellen Schulstandorte einsetzte. Bildungsministerium sowie Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion sahen sich neben den Anträgen auf neue Realschulen plus einer Fülle von Wünschen zur Errichtung neuer Integrierter Gesamtschulen gegenüber. Hinter diesem Streben der Landkreise nach vermeintlich „höheren Weihen“ manifestiert sich die unseres Erachtens verfehlte Kernbotschaft der schulpolitischen Diskussion, möglichst viele, am besten alle Jugendlichen bis zum Abitur oder mindestens zur Fachhochschulreife zu führen. Die Wirtschaftskammern der Region Trier haben diese auch in den Köpfen vieler Eltern vorhandene „Aufstiegsfixiertheit“ kritisiert und auf eine mögliche Schwächung der dualen Ausbildung hingewiesen. Damals wie heute setzen wir uns dafür ein, dass die duale Berufsausbildung nicht als „Notausstieg für Minderbegabte“ wahrgenommen wird, sondern als eine exzellente Karriereperspektive für junge leistungsorientierte Menschen. Allem Anschein nach ist unser Argument „Qualität und Inhalt vor Standortsicherung“ bei den Entscheidungsträgern auf fruchtbaren Boden gefallen, wie auch unser Hinweis, die begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen im Bildungsbereich im Auge zu behalten. Allein die Investitionen für eine neue Integrierte Gesamtschule in Trier würden eine zweistellige Millionensumme erfordern, Geld, das für den dringend benötigten Renovierungsbedarf der Trierer Schullandschaft dann nicht mehr zur Verfügung stünde.
Es wäre sinnvoller, in die individuelle Förderung der Schüler in den Unter- und Mittelstufen aller Schulen zu investieren, als die wenigen Mittel für die Einrichtung zusätzlicher Oberstufen in verschiedenen Schulformen auszugeben. Insofern begrüßen wir die eher restriktive Zulassungspraxis von Bildungsministerium und ADD bezüglich neuer Integrierter Gesamtschulen in den Kreisen der Region. Die IHK Trier wird den Schulentwicklungsprozess in der Region weiter kritisch begleiten und im Sinne der Wirtschaft für die duale Berufsausbildung versuchen, wenn nötig, korrigierend einzugreifen.