Vom grauen Industrieareal zum lebendigen Zukunftsquartier: Wie neue Ideen, smarte Technologien und nachhaltige Strategien Gewerbegebiete neu erfinden, zeigt die Webinar-Reihe „Gewerbegebiete zukunftsfähig gestalten“ der IHKs in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in der Metropolregion Rhein-Neckar.
Wenn es um zukunftsfähige und nachhaltige Gewerbegebiete geht, ist ein grundlegendes Umdenken in Planung, Nutzung und Zusammenarbeit gefragt. Ein zentraler Aspekt ist die Abkehr von der jahrzehntelang funktionalen Trennung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit. Dieses Modell habe dazu geführt, dass Produktion aus den Städten verdrängt wurde und Gewerbegebiete an Bedeutung verloren, erklärt Dr. Katharina Hackenberg vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Nun rücken Leitbilder wie die „Produktive Stadt“ diese Flächen wieder in den Fokus. Ziel ist eine stärkere Nutzungsmischung, bei der Arbeiten, Wohnen, Dienstleistungen und sogar urbane Landwirtschaft kombiniert werden.
Verkehr reduzieren, Konflikte steuern
Gemischt genutzte Quartiere gelten als wirtschaftlich stabiler, ökologisch sinnvoller und städtebaulich attraktiver, wie Sarah End von der Kernplan GmbH betont. Sie reduzieren Pendelverkehr und schaffen lebendige Räume, die nicht nur zu Arbeitszeiten funktionieren. Allerdings sind sie deutlich komplexer zu planen, da Nutzungskonflikte – etwa zwischen Wohnen und lärmintensivem Gewerbe – aktiv gesteuert werden müssen. Hinzu kommt, dass viele rechtliche Rahmenbedingungen weiterhin auf monofunktionale Gebiete ausgerichtet sind und neue Konzepte erschweren.
Wie Transformation konkret aussehen kann, zeigt das Tabakquartier in Bremen. Ein ehemaliges Industriegelände wurde dort in ein vielfältiges Stadtquartier mit Wohnungen, Büros, Kultur- und Freizeitangeboten umgewandelt. Große Teile der historischen Bausubstanz blieben erhalten und wurden umgenutzt.
Frühzeitiges Energiemanagement
Neben der Nutzungsmischung gewinnt die Ressourceneffizienz an Bedeutung. Klaus Dosch von der Resscore GmbH kritisiert, dass Nachhaltigkeit oft zu unscharf verwendet werde, und fordert eine stärkere Fokussierung auf ökologische Grundlagen. Insbesondere im Bauwesen liege großes Potenzial, etwa durch den Einsatz recycelter Materialien oder die Reduktion des Energieverbrauchs. Dabei sei es entscheidend, bereits in der Planungsphase anzusetzen, statt auf spätere Kreislaufprozesse zu hoffen.
Gebäude flexibel anpassen
Ein weiterer Trend ist die Entwicklung sogenannter Future-Proof-Immobilien. Gebäude müssen heute so konzipiert sein, dass sie sich über Jahrzehnte hinweg an veränderte Anforderungen anpassen lassen. Flexible Grundrisse, modulare Bauweisen und vorausschauend geplante Infrastruktur spielen dabei eine zentrale Rolle. „Die kosteneffizienteste Maßnahme im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit ist ein klug geplantes Gebäude“, sagt Tim Rosenbohm von Segro Deutschland.
Autor: Stephan Köhnlein
BOBINET Quartier in Trier
Auf den 37.000 Quadratmetern der ehemaligen Textilfabrik BOBINET entsteht im Trierer Westen das BOBINET Quartier. Das Betriebsgelände wurde 1914 erbaut, in den 1950er ausgebaut und zeichnet sich heute durch seine Industriearchitektur aus, die die einmalige Kulisse für das neue Quartier bildet. Mit markanten Gebäuden, großzügigen Räumen und flexiblen Gebäudestrukturen zum Arbeiten, Wohnen und Leben. Das BOBINET Quartier liegt fußläufig zur Mosel. Eine gute Erreichbarkeit per PKW und ÖPNV schließt das Gelände ans Stadtzentrum und nach Luxemburg an. Mehr unterwww.egp.de
INFOS zur Entwicklung zukunftsfähiger Gewerbegebiete:
https://www.ihk-rlp.de/themen/raumordnung-landesplanung-bauleitplanung/gewerbegebiete4
Standortpolitik
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