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Motiv: Lupe (Foto: pinkrabbit - stock.adobe.com, generiert mit KI)
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  • 03.08.2026

    Trotz schwieriger Rahmenbedingungen: Unternehmen investieren weiter in die Fachkräfte von morgen

  • Foto: Ulrich Schneider
    Ausbildung

    Ulrich Schneider

    Tel.: 0651 9777-301
    schneider@trier.ihk.de

Nach sechs Jahren ohne faktisches Wirtschaftswachstum stehen viele Betriebe in Industrie und Handel wirtschaftlich unter Druck, dennoch bilden sie weiter aus. Gleichzeitig fällt es ihnen schwer, ausreichend geeignete Bewerberinnen und Bewerber für ihre Ausbildungsplätze zu gewinnen. Diese Kombination von Wirtschaftskrise und anhaltenden Besetzungsproblemen hinterlässt zunehmend Spuren auf dem Ausbildungsmarkt – sichtbar bereits beim Angebot an Ausbildungsplätzen.
 
Lehrstellenangebot unter Druck 
Die DIHK-Ausbildungsumfrage 2026 zeigt, dass IHK-Ausbildungsbetriebe ihr Stellenangebot weiterhin häufiger reduzieren als ausweiten. 37 Prozent der Betriebe mit negativen Geschäftserwartungen geben an, weniger Ausbildungsplätze anzubieten – im Vergleich zu 26 Prozent der Betriebe mit positiven Geschäftserwartungen. Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen stellen sieben von zehn Ausbildungsbetrieben genauso viele oder sogar mehr Ausbildungsplätze bereit als im Vorjahr. Die Unternehmen leisten damit weiterhin einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Fachkräftesicherung.
 
Die größte Herausforderung auf dem Ausbildungsmarkt bleibt der Mangel an passenden Bewerberinnen und Bewerbern. Diesen nennt jeder vierte Betrieb, der weniger Ausbildungsstellen anbietet, als Grund für den Abbau; jeder fünfte verweist auf schlechte Erfahrungen mit Auszubildenden. Beide Faktoren zählen auch zu den häufigsten Motiven dafür, dass einige Unternehmen derzeit überhaupt nicht mehr ausbilden.
 
Besetzungsprobleme weiter auf Rekordniveau 
Obwohl Betriebe tendenziell ihr Angebot an Ausbildungsstellen verringern, bleiben die Besetzungsprobleme auf Rekordniveau. Rund jedes zweite Unternehmen konnte 2025 nicht alle Plätze besetzen. Seit 2015 ist der Anteil dieser Betriebe von 31 Prozent auf 49 Prozent gestiegen. Besonders betroffen sind Industrie, Verkehrsgewerbe und Bauwirtschaft.
 
Das zentrale Hemmnis ist dabei weiterhin die fehlende Übereinstimmung zwischen Angebot und Nachfrage – dabei geht es um qualifikatorische, regionale und berufliche Passungsprobleme. Während der Anteil der Betriebe mit Besetzungsproblemen, die gar keine Bewerbungen erhalten haben, in den vergangenen vier Jahren etwas abgenommen hat, bleibt der Mangel an geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten das mit Abstand größte Besetzungsproblem: Ihn nennen rund zwei Drittel dieser Betriebe als Ursache.
 
Viele Defizite bei Grundkompetenzen
Jeder zweite Ausbildungsbetrieb stellt Schwächen beim Arbeits- und Sozialverhalten seiner Auszubildenden fest. So sehen 51 Prozent "oft" oder "immer" Defizite bei der Belastbarkeit. Fast genauso häufig werden mit 46 Prozent unzureichende kognitive Kompetenzen genannt. Rund vier von zehn Unternehmen beanstanden zudem entsprechende Schwächen in Mathe, Deutsch oder wirtschaftlichem Grundwissen. Außerdem nimmt jeder vierte Betrieb wahr, dass Bewerberinnen und Bewerber häufig ihre Interessen und Kompetenzen falsch einschätzen oder schlecht informiert sind und daher nicht die richtige Berufswahl treffen. Das erschwert die passgenaue Besetzung von Stellen. Gleichzeitig sind drei Viertel der Unternehmen bereit, zu helfen, wenn sie Defizite feststellen. Sie zeigen sich gegenüber Auszubildenden mit Startschwierigkeiten offen und unterstützen sie unter anderem durch Nachhilfe.
 
Duale Ausbildung als Karrierebasis 
Trotz der aktuellen Wirtschaftskrise übernehmen rund zwei Drittel der Betriebe alle ihre Absolventinnen und Absolventen. 84 Prozent der Unternehmen wollen ihre ehemaligen Azubis sogar bei zukünftigen weiteren Qualifizierungen unterstützen. Das zeigt, wie hoch der Bedarf an beruflich qualifizierten Fachkräften weiterhin ist. Für junge Menschen bietet die duale Ausbildung damit immer noch sehr gute Chancen auf einen erfolgreichen Berufseinstieg und eine langfristige Karriereentwicklung – gerade in wirtschaftlichen und technologischen Umbruchzeiten ein hohes Gut.
 
Strukturelle Reformen in Wirtschafts- und Bildungspolitik notwendig

Die Unternehmen halten an der dualen Ausbildung fest. Damit das so bleibt, benötigen sie bessere wirtschaftliche und bildungspolitische Rahmenbedingungen. Bürokratische Belastungen, hohe Energiekosten und weitere Standortnachteile limitieren die Investitions- und Ausbildungsfähigkeit vieler Betriebe. Die Bundesregierung hat wichtige Reformen angestoßen. Nun muss sie sicherstellen, dass diese schnell, konsequent und spürbar in der betrieblichen Praxis ankommen.
 
Gleichzeitig besteht auch im Bildungsbereich erheblicher Handlungsbedarf. Schulen müssen dafür sorgen, dass Schülerinnen und Schüler die grundlegenden Kompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen erwerben. Ebenso wichtig ist es, dass potenzielle Azubis nicht nur vereinzelt, sondern wiederholt und systematisch Praxiserfahrungen in Unternehmen sammeln. Das hilft ihnen, ihre Stärken zu erkennen und fundierte Berufsentscheidungen zu treffen. Darüber hinaus braucht Deutschland eine stärkere daten- und evidenzbasierte Bildungspolitik. Bund und Länder sollten deshalb die im Koalitionsvertrag angekündigte Bildungs- beziehungsweise Schüler-ID umsetzen, die Bildungsverläufe bundesweit nachvollziehbar machen soll. Darauf aufbauend sollte auch die Bildungsverlaufsstatistik zügig realisiert werden. Nur so lassen sich Bildungswege systematisch analysieren, Unterstützungsbedarfe frühzeitig erkennen und wirksame Maßnahmen zur Vermeidung von Besetzungsproblemen und Ausbildungsabbrüchen entwickeln.

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