01.11.2010
Unermüdlicher Einsatz für die regionale Wirtschaft
Dieser Text ist vom 01.11.2010 und könnte inhaltlich veraltet sein.
Erinnerungen an das Wirken von IHK- Ehrenpräsident Gerd Schaeidt
Mit Gerd Schaeidt der am 16.September 2010 verstarb, verliert die IHK eine herausragende Persönlichkeit, die sich über einen außergewöhnlich langen Zeitraum in der IHK engagierte und über lange Jahre ihre Arbeit als Sprachrohr der Wirtschaft prägte. Unter seiner Präsidialzeit nutzte er sein aufgeschlossenes Wesen, um mit Menschen aus allen Bereichen von Wirtschaft, Politik und Verwaltung Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen. In unzähligen Ehrenämtern, in Hochschulen, bei der Landesbank und im Rundfunkrat vertrat er die Interessen der regionalen Wirtschaft. Seine Hauptaufgabe sah er darin, den Ausbau der Wirtschaftsstrukturen rasch voran zu treiben und die mittelständische Wirtschaft der Region nach Kräften zu fördern. Für seine besonderen Verdienste und sein Wirken zum Wohle der Wirtschaft der Region Trier verlieh die Vollversammlung ihm 1983 nach seinem Ausscheiden aus dem Amt die Würde eines Ehrenpräsidenten. Diese hohe Auszeichnung war zum damaligen Zeitpunkt erst zweimal verliehen worden.
Gerd Schaeidt
Als Gerd Schaeidt am 14. Mai 1973 zum neuen Präsidenten der IHK Trier gewählt wurde, gehörte er der Vollversammlung seit dem Jahr 1952 an und wirkte bereits seit dem Jahr 1967 als IHK-Vizepräsident. Die Erhaltung der regionalen Strukturförderung, der Ausbau der verkehrsmäßigen Erschließung, Fragen der Berufsausbildung und die besondere Stellung der Weinwirtschaft in der Region gehörten zu den Themen, mit denen sich Gerd Schaeidt während seiner Amtszeit mit besonderer Intensität beschäftigte. Im Verkehrsbereich ging es damals vor allem darum, den Lückenschluss der A 1 zwischen Tondorf und Mehren im Bundesverkehrswegeplan in eine höhere Priorität zu bekommen, die A 60 zwischen Prüm und Wittlich auszubauen und die Planungen zu einer Verlängerung mit einem Hochmoselübergang bei Zeltingen voran zu treiben. Häufig war der damalige rheinland-pfälzische Verkehrsminister Heinrich Holkenbrink zu Gast in der IHK und erläuterte vor den Mitgliedern der Vollversammlung den Stand der Planungen und die Haltung der Landesregierung. Mit mehreren Resolutionen unterstüzte die damalige Vollversammlung Forderungen der Landesregierung zum Ausbau der A 1 und übte Kritik am stockenden Ausbau der A 60.
Ein weiteres Thema während der Amtszeit von Präsident Gerd Schaeidt war häufig auf der Tagesordnung zu finden: drohende Streckenstilllegungen der Bahn. „Planungen der deutschen Bundesbahn zur Netzoptimierung„ hatten die IHK auf den Plan gerufen. In den damaligen Planungen waren außer der Mosel-Saar-Strecke keine wirtschaftlich betriebswürdigen Strecken mehr ausgewiesen. Die Eifelstrecke von Köln über Gerolstein nach Trier war ebenso gefährdet, wie die später tatsächlich stillgelegten Strecken im Hochwald und im Eifelraum. Mehrfach wandte sich die IHK unter der Führung von Schaeidt gegen die geplanten Streckenstilllegungen und wies darauf hin, dass die geplante Reduzierung des Streckennetzes in dieser Form nicht vertretbar sei und den in den vorausgegangen Jahren mühsam errungenen Entwicklungsstand der Region gefährde.
GEGEN KÜRZUNGEN DER STRUKTURFÖRDERUNG
Neben den Verkehrsthemen standen in der Amtszeit von Gerd Schaeidt immer wieder Fragen nach der Zukunft der Gemeinschaftsaufgabe zur Förderung der regionalen Wirtschaftsstruktur auf der Tagesordnung. Kürzungen des Bundes und auch des Landes Rheinland-Pfalz nahm die IHK-Vollversammlung unter Leitung von Gerd Schaeidt zum Anlass, sich gegen Kürzungen dieser Strukturförderung auszusprechen. Besonders wurde damals kritisiert, dass die Kürzungen zu einem Zeitpunkt beschlossen wurden, in dem gleichzeitig eine konjunkturelle Schwächeperiode, rasant gestiegene Benzinpreise, Einschränkungen beim Straßenbau und hohe Kreditzinsen diesen Raum erheblich belasteten. Die Kürzungen, so hat Gerd Schaeidt damals mehrfach vor der IHK-Vollversammlung betont, seien im Hinblick auf den Nachholbedarf, der hiesigen Produktions- und Tourismusbetriebe nicht hinnehmbar.
BOTSCHAFTER DER REGION
Ebenso engagiert zeigte sich Schaeidt beim Thema Ausbildungsplätze. In vielen öffentlichen Auftritten und Aufrufen in der IHK-Zeitschrift sowie in persönlichen Anschreiben an die Ausbildungsbetriebe appellierte er an die Unternehmen, in größtmöglichen Umfang Ausbildungsplätze für Lehrstellenbewerber bereitzustellen und sich dabei vom langfristigen Bedarf nicht von kurzfristigen konjunkturellen Entwicklungen leiten zu lassen. „Ich vertraue auf ihre Urteilsfähigkeit und die Einsicht, dass nur eine weiterhin positive Einstellung zur betrieblichen Berufsausbildung dazu beitragen kann, unser bewehrtes duales Ausbildungssystem zu erhalten“, hieß es beispielsweise in einem von Gerd Schaeidt unterzeichneten Brief an die Ausbildungsbetriebe vom 3. Februar 1975.
Auch außenwirtschaftliche Themen waren Gerd Schaeidt vertraut. In seiner Präsidentschaft übernahm er 1983 den Vorsitz des neu gegründeten IHK-Außenwirtschaftsausschusses. Mehrfach konnte er Delegationen aus dem Ausland begrüßen, so unter anderem im Mai 1982 eine chinesische Delegation unter der Leitung der damaligen Ministerin für Außenwirtschaft der Republik China. Gerne nutze Gerd Schaeidt solche Gelegenheiten, um die Gäste über die regionale Weinkultur zu informieren. Naturgemäß lag ihm dieses Produkt besonders am Herzen, denn dieser Branche war er durch seine Tätigkeit als Inhaber der Trierischen Korkindustrie im besonderen Maße verbunden. So war es nicht verwunderlich, dass er sich in der Tagesarbeit der IHK dafür stark machte, den bereits vorhandenen Schwerpunkt „Informationen und Beratung, in Fragen des Weinexports und des Weinrechts“ weiter auszubauen. Im Jahr 1976 wurde der IHK-Weinausschuss unter der Leitung von Otmar Schregel gegründet, die IHK veröffentlichte eine vielfach nachgefragte Broschüre über Weinexportverfahren in alle Welt und startete damals auch eine Reihe von Weinfachinformationsreisen zur Exportförderung nach Kanada und Japan. Auch zum Start eines Diskussionsforums internationaler Experten über Fragen der Weinchemie, in den Räumen der IHK im Jahr 1983 ließ es sich Gerd Schaeidt nicht nehmen, die hochrangigen Wissenschaftler persönlich zu begrüßen.
MEISTER DER KOMMUNIKATION
Gerd Schaeidt war ein Meister des „Small Talk“. Durch sein liebenswertes und charmantes Auftreten gelang es ihm, schnell einen guten kommunikativen Draht zu seinen Gesprächspartnern aufzubauen. Nicht selten setzte er dabei auf die völkerverbindende und kommunikative Funktion eines Glases Wein. Auch auf dem nationalen und internationalen Parket konnte er sich glänzend bewegen. Gespräche mit ausländischen Gästen meisterte er ebenso blendend wie mit Politikern und Unternehmerkollegen aus anderen Kammern. Sehr beliebt war Gerd Schaeidt auch bei den IHK-Mitarbeitern, die er stets persönlich begrüßte und für die er immer ein freundliches und ermunterndes Wort fand.
Nie war Gerd Schaeidt um ein passendes Wort verlegen. Selbst als das Orchester der Stadt Trier nicht pünktlich zum 125-jährigen Festakt der IHK erschienen war, behielt er die Ruhe. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als die Veranstaltung ohne Ouvertüre zu eröffnen und in gekonnter Manier die Gäste rethorisch in die Lage zu versetzten als hätten sie die Ouvertüre zur Hochzeit des Figaro bereits gehört, was ihm so hervorragend gelang, dass manche Gäste vermuteten die Geschichte sei als Gag geplant gewesen.
Gerd Schaeidt
Ein weiteres Thema während der Amtszeit von Präsident Gerd Schaeidt war häufig auf der Tagesordnung zu finden: drohende Streckenstilllegungen der Bahn. „Planungen der deutschen Bundesbahn zur Netzoptimierung„ hatten die IHK auf den Plan gerufen. In den damaligen Planungen waren außer der Mosel-Saar-Strecke keine wirtschaftlich betriebswürdigen Strecken mehr ausgewiesen. Die Eifelstrecke von Köln über Gerolstein nach Trier war ebenso gefährdet, wie die später tatsächlich stillgelegten Strecken im Hochwald und im Eifelraum. Mehrfach wandte sich die IHK unter der Führung von Schaeidt gegen die geplanten Streckenstilllegungen und wies darauf hin, dass die geplante Reduzierung des Streckennetzes in dieser Form nicht vertretbar sei und den in den vorausgegangen Jahren mühsam errungenen Entwicklungsstand der Region gefährde.
GEGEN KÜRZUNGEN DER STRUKTURFÖRDERUNG
Neben den Verkehrsthemen standen in der Amtszeit von Gerd Schaeidt immer wieder Fragen nach der Zukunft der Gemeinschaftsaufgabe zur Förderung der regionalen Wirtschaftsstruktur auf der Tagesordnung. Kürzungen des Bundes und auch des Landes Rheinland-Pfalz nahm die IHK-Vollversammlung unter Leitung von Gerd Schaeidt zum Anlass, sich gegen Kürzungen dieser Strukturförderung auszusprechen. Besonders wurde damals kritisiert, dass die Kürzungen zu einem Zeitpunkt beschlossen wurden, in dem gleichzeitig eine konjunkturelle Schwächeperiode, rasant gestiegene Benzinpreise, Einschränkungen beim Straßenbau und hohe Kreditzinsen diesen Raum erheblich belasteten. Die Kürzungen, so hat Gerd Schaeidt damals mehrfach vor der IHK-Vollversammlung betont, seien im Hinblick auf den Nachholbedarf, der hiesigen Produktions- und Tourismusbetriebe nicht hinnehmbar.
BOTSCHAFTER DER REGION
Ebenso engagiert zeigte sich Schaeidt beim Thema Ausbildungsplätze. In vielen öffentlichen Auftritten und Aufrufen in der IHK-Zeitschrift sowie in persönlichen Anschreiben an die Ausbildungsbetriebe appellierte er an die Unternehmen, in größtmöglichen Umfang Ausbildungsplätze für Lehrstellenbewerber bereitzustellen und sich dabei vom langfristigen Bedarf nicht von kurzfristigen konjunkturellen Entwicklungen leiten zu lassen. „Ich vertraue auf ihre Urteilsfähigkeit und die Einsicht, dass nur eine weiterhin positive Einstellung zur betrieblichen Berufsausbildung dazu beitragen kann, unser bewehrtes duales Ausbildungssystem zu erhalten“, hieß es beispielsweise in einem von Gerd Schaeidt unterzeichneten Brief an die Ausbildungsbetriebe vom 3. Februar 1975.
Auch außenwirtschaftliche Themen waren Gerd Schaeidt vertraut. In seiner Präsidentschaft übernahm er 1983 den Vorsitz des neu gegründeten IHK-Außenwirtschaftsausschusses. Mehrfach konnte er Delegationen aus dem Ausland begrüßen, so unter anderem im Mai 1982 eine chinesische Delegation unter der Leitung der damaligen Ministerin für Außenwirtschaft der Republik China. Gerne nutze Gerd Schaeidt solche Gelegenheiten, um die Gäste über die regionale Weinkultur zu informieren. Naturgemäß lag ihm dieses Produkt besonders am Herzen, denn dieser Branche war er durch seine Tätigkeit als Inhaber der Trierischen Korkindustrie im besonderen Maße verbunden. So war es nicht verwunderlich, dass er sich in der Tagesarbeit der IHK dafür stark machte, den bereits vorhandenen Schwerpunkt „Informationen und Beratung, in Fragen des Weinexports und des Weinrechts“ weiter auszubauen. Im Jahr 1976 wurde der IHK-Weinausschuss unter der Leitung von Otmar Schregel gegründet, die IHK veröffentlichte eine vielfach nachgefragte Broschüre über Weinexportverfahren in alle Welt und startete damals auch eine Reihe von Weinfachinformationsreisen zur Exportförderung nach Kanada und Japan. Auch zum Start eines Diskussionsforums internationaler Experten über Fragen der Weinchemie, in den Räumen der IHK im Jahr 1983 ließ es sich Gerd Schaeidt nicht nehmen, die hochrangigen Wissenschaftler persönlich zu begrüßen.
MEISTER DER KOMMUNIKATION
Gerd Schaeidt war ein Meister des „Small Talk“. Durch sein liebenswertes und charmantes Auftreten gelang es ihm, schnell einen guten kommunikativen Draht zu seinen Gesprächspartnern aufzubauen. Nicht selten setzte er dabei auf die völkerverbindende und kommunikative Funktion eines Glases Wein. Auch auf dem nationalen und internationalen Parket konnte er sich glänzend bewegen. Gespräche mit ausländischen Gästen meisterte er ebenso blendend wie mit Politikern und Unternehmerkollegen aus anderen Kammern. Sehr beliebt war Gerd Schaeidt auch bei den IHK-Mitarbeitern, die er stets persönlich begrüßte und für die er immer ein freundliches und ermunterndes Wort fand.
Nie war Gerd Schaeidt um ein passendes Wort verlegen. Selbst als das Orchester der Stadt Trier nicht pünktlich zum 125-jährigen Festakt der IHK erschienen war, behielt er die Ruhe. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als die Veranstaltung ohne Ouvertüre zu eröffnen und in gekonnter Manier die Gäste rethorisch in die Lage zu versetzten als hätten sie die Ouvertüre zur Hochzeit des Figaro bereits gehört, was ihm so hervorragend gelang, dass manche Gäste vermuteten die Geschichte sei als Gag geplant gewesen.