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(Foto: Thewalt)

01.04.2009

Ursula Muss zieht Unternehmen an


Dieser Text ist vom 01.04.2009 und könnte inhaltlich veraltet sein.

Namhafte Firmen setzen auf Petrisberger Chic und tragen Outfits der Q-bs Corporate Fashion

Wenn im September in Frankfurt am Main die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) ihre Tore öffnet, kann es sein, dass nicht nur die Chrom-blitzenden neuen Modelle mit ihren auf Hochglanz polierten Motorhauben die Blicke der Besucher auf sich ziehen, sondern auch die „Outfits“ der Messe-Crew ins Auge fallen. Pariser Chic fürs Personal? Könnte man vermuten, doch einige namhafte Auto-Hersteller setzen auf die Stilsicherheit von Ursula Muss, Inhaberin der Q.-bs. Corporate fashion. Doch die angesagten Entwürfe der Unternehmerin entstehen nicht etwa in den bekannten Mode-Hochburgen dieser Welt, sondern auf dem Trierer Petrisberg. Mitten im Wissenschaftspark kümmern sich Ursula Muss und ihr Team um den perfekten Auftritt von Unternehmen aller Art. Denn längst wissen nicht nur Automobilhersteller, Q-bs, also „Quality business solutions“ Marke Ursula Muss zu schätzen. Mal sind es Banker oder große Versicherungsagenturen, die auch optisch punkten wollen, mal sind es heimische Unternehmen wie etwa die Bitburger Braugruppe, die sich auch modisch dem guten Geschmack verpflichtet fühlen.

PHILOSOPHIE KOMMT ZUM TRAGEN
Moderne Teambekleidung, kreative Bekleidungskonzepte und intensive Projektbetreuung – damit hat sich das Unternehmen bundesweit einen guten Namen gemacht. „Kleidung wird zum Markenzeichen“ – dass diese Philosophie zum „Tragen“ kommt, dafür stellte Ursula Muss schon vor vielen Jahren die Weichen. Die gebürtige Solingerin kam 1984 nach Trier – „glücklich“, im Fachbereich Modedesign der FH studieren zu können. Um Geld zu verdienen, nähte die gelernte Schneidermeisterin nebenher Kleider. Mit Erfolg. Kaum hatte sich herumgesprochen, dass in einer kleinen Trierer Studentenbude schöne Unikate entstehen, hatte Ursula Muss eine Vielzahl gut betuchter Damen als Kundinnen. „Es wurden viele Abendkleider bestellt und maßgefertigt.“ So war die heute 46-Jährige bereits in jungen Jahren gefragt und musste nicht zweimal überlegen, direkt nach dem Studium mitten in Trier ein Atelier zu eröffnen. Schon Anfang der 90er Jahre hatte Ursula Muss es so zu einem schicken Ladenlokal mit Angestellten und Auszubildenden gebracht und verkaufte erfolgreich die eigene Kollektion. Parallel dazu war die Tochter zur Welt gekommen. Die Alleinerziehende nahm die Herausforderung an, den Spagat „zwischen Mama und Geschäftsfrau“ hinzubekommen. „Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als meine Tochter zwischen den Nähmaschinen herumkrabbelte“, erzählt die Mode-Expertin.

VORREITER AUF DEM „CORPORATE-FASHION“-MARKT
Dann kam der Kontakt zu dem Unternehmen „Valensina“. Ideen in der besonderen Valensina-Farbe waren gefragt. 1995 schließlich wollte Audi seine Mitarbeiter modisch „up to date“ zur IAA schicken. Ursula Muss: „Das war der Startschuss in die Corporate-Fashion, zu einer Zeit, als das Thema noch gar nicht in den Köpfen der Firmen verankert war.“ Die Wahl-Triererin betrat nicht nur Neuland, sondern war auch logistisch und von der Größe des Projektes besonders gefordert, schließlich sollten 150 Menschen eingekleidet werden. Doch damit nicht genug: 1996 kam der Anruf von VW, für die IAA 1997 600 Mitarbeiter auszustatten. Faxe gingen „wie wild“ hin und her, Ursula Muss bereitete eine Präsentation vor – und sah sich plötzlich in einem Raum mit Tischen in U-Form vor 30 Menschen mit kritischen Blicken. „Das gibt einem irgendwie Kraft. Ich habe so Gas gegeben“, sagt sie heute. Wegen der neuen Nische war sie in der Zwischenzeit aus dem Laden ausgestiegen und hatte nicht einmal ein Büro. Doch der Auftraggeber war gespannt darauf, den neuen Partner vor Ort kennen zu lernen. Innerhalb von drei Tagen verwandelte Ursula Muss ihre Wohnung in eine schicke Kombination aus Atelier und Büro, inklusive Firmenschild an der Tür.

Muss Tiguan
Mit moderner Teambe-
kleidung aus Trier sind
die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter des VW-Kon-
zerns auf Messen attrak-
tiv gekleidet.
Die VW-Verantwortlichen kamen, sahen, und Ursula Muss siegte. Im nächsten Jahr kam der Folgeauftrag – 800 Menschen ausstatten. Die Erfolgskurve zeigte nach oben. Dann 2001 – der Einbruch. „Ich war auf Messen fixiert und habe im Jahr des Terroranschlags in New York und der daraus resultierenden Krisenstimmung bös' Federn gelassen“, erzählt Ursula Muss im Rückblick. 2004 schließlich musste sie Insolvenz anmelden. „Es war ein hartes Jahr.“ Mit einer Mitarbeiterin folgte der Umzug auf den Petrisberg. Und siehe da: Es kamen wieder Anfragen. Gemeinsam mit Christoph Müller, als Partner bei Q-bs für die Kaufmännische Leitung und den Vertrieb zuständig, konnte an der anfänglichen Erfolgsstory angeknüpft werden. „Wir hatten Glück 2005, und wir sind heute viel breiter aufgestellt“, sagt Muss. Der Rückschlag sei bitter gewesen, aber eben auch lehrreich. Der aktuellen Krise könne man dank der Erfahrung und Neuorientierung so viel besser begegnen und immer noch sagen: „Es geht uns gut.“ Und: „Wir haben überhaupt keine Angst davor.“

Heute zähle das Unternehmen zu den drei wichtigsten Agenturen in ganz Deutschland mit Kunden wie John Deere, BMW oder Volkswagen. Das Erfolgsrezept: Spezialisierung, höchste Qualität, Rundum-Pakete vom Entwurf bis hin zur Einkleidung vor Ort.

ÜBER GUTEN GESCHMACK LÄSST SICH NICHT STREITEN
Es werde keine klassische Berufskleidung entworfen – also weder Blaumann noch weiße Kittel kommen zum Tragen – sondern Business-Kleidung höchster Güte, eine Firma angemessen zu repräsentieren. Schick, modern, zeitgemäß soll sie sein, die Mode, und tragbar. Die Bandbreite ist enorm: Da ist Eleganz für den edlen Auftritt ebenso gefragt wie ein cooler Freizeitlook. Wie jüngst, als es darum ging, für die Mitarbeiter einer elitären Hundepension originelle Outdoor-Jacken, Shirts und Hosen zu entwerfen. Wetterfest sollte die Kleidung sein, aber dennoch exquisit.

Der hohe Qualitätsanspruch bezieht sich auf viele Felder: Das Konzept muss stimmig sein und zum „Träger“, also dem Leitbild des Unternehmens passen, die Schnitte müssen stimmen, die Stoffe und Garne hohe Qualitätsstandards erfüllen. Unternehmerisch heißt das: Man muss Erfahrung haben und wissen, auf welche Partner man sich verlassen kann. Da Q-bs für das komplette Outfit verantwortlich zeichnet, ist es so etwas wie die hohe Kunst, gute Lieferanten zu finden und beste Ware zu beschaffen: Schuhe, Strümpfe, Krawatten, Accessoires, für den perfekten Auftritt soll nichts dem Zufall überlassen werden.

DIE ZEIT DER NÄHMASCHINEN IST PASSÉ
Nähmaschinen sucht man übrigens längst vergebens in der Firma von Ursula Muss. Die Konfektionen entstehen bei Lieferanten des Vertrauens. Asiatische Produzenten allerdings sind nicht zu finden: zu hohe Frachtkosten, zu lange Wege. Außerdem muss sicher sein, dass die Kommunikation reibungslos funktioniert, damit die Vorgaben aus dem Hause Muss auch umgesetzt werden. Im Internet heißt es dazu: „Unsere Firmenphilosophie ist es, Sie mit qualitativ hochwertigsten Produkten zu beliefern. Dazu gehört es auch, dass alle für ihre Arbeit fair entlohnt werden und auch eine Chance auf eine Zukunft ihres Arbeitsplatzes haben.“ Viele Webereien und textile Produktionsbetriebe hätten schließen müssen, weil sie dem Preisdruck nicht mehr standhalten konnten. Dabei sei sehr viel Know-how verloren gegangen. „Wir setzen nicht auf den günstigsten Preis und auf eine Produktion in Asien, sondern auf eine langjährige Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern.“

Die Chefin selber ist heute zuständig für die Betreuung der Kunden vom Erstgespräch über die Präsentation bis zur Produktion. „Dann gebe ich ab“, sagt sie. Oder doch nicht? „Naja, ich bin auch die Feuerwehrfrau, wenn es mal irgendwo hakt.“ Wenn zum Beispiel ein Stoff nicht pünktlich geliefert wird, wenn die Naht nicht sitzt oder das Garn den falschen Farbton hat, dann ist die Frau mit dem reichen Erfahrungsschatz gefragt. Ursula Muss: „Man braucht Improvisationstalent, muss immer auf alles gefasst sein. Keine Frage. Doch eines ist sicher: Auch wenn es einmal brennt, es gibt für alles Lösungen.“

AUS DER KRISE KRAFT SCHÖPFEN
Aktuell zählen sechs Mitarbeiter und eine Praktikantin zum Team. Ausgebildet wird derzeit niemand mehr – die Arbeit ist einfach zu speziell. Es sei wichtig, gut in die Mitarbeiter hineinzuhorchen. Man müsse das Team gut führen und lenken können. Fehler offen ansprechen und gleichzeitig darauf achten, dass die Stimmung gut bleibt, das sei das A und O. „Ich könnte mir keinen anderen Beruf vorstellen“, sagt Ursula Muss mit dem Brustton der Überzeugung. Etwas entstehen zu lassen, die Produkte dann auch in ihrer Wirkung zu sehen und mit Menschen zu tun zu haben, das wolle sie nicht missen.

Auch wenn es nicht immer leicht gewesen sei, als Frau mit Kind im Berufsleben zu bestehen. Da habe sie oft „ohne Seil und doppelten Boden“ agiert. Mumm müsse man dazu haben, die Ärmel hochkrempeln können. Sie habe bisher Höhen und Tiefen erlebt. Die Insolvenz sei eine „fürchterliche Zeit“ gewesen, da habe vieles superweh getan. Ein Schicksal, dass in diesen Tagen viele ereilt. Ihnen zu sagen, dass es sich lohnt, „aufrechten Hauptes dazu zu stehen“ und dass „man den Mut nicht verlieren darf“, ist Ursula Muss ein Anliegen. „Ich habe immer gewusst, dass diese Firma gut ist“, sagt sie heute. Und freut sich schon auf die nächste IAA, wo es wieder heißt: Nicht nur Autos können anziehende Wirkung haben.
Ingrid Fusenig

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