IHK Trier


Seitenkopf

Seitenhauptinhalt

(Foto: funk-bild)

01.04.2009

Verzerrtes Unternehmerbild offensiv verändern


Dieser Text ist vom 01.04.2009 und könnte inhaltlich veraltet sein.

IHK-Wirtschaftsforum diskutiert gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen

Lars ReichowÜberhöhte Abfindungen, Bestechungsgelder und Schwarze Konten im Ausland haben im vergangenen Jahr in der Öffentlichkeit ein Meinungsbild erzeugt, das den mittelständischen Unternehmern nicht gerecht wird. Verfehlungen einzelner Unternehmer, meist angestellter Manager, wurden verallgemeinert und in den Medien häufig die gesamte Wirtschaft an den Pranger gestellt. Im Mittelpunkt des IHK-Wirtschaftsforums stand die Frage, wie es um das Unternehmerbild in der Öffentlichkeit bestellt ist und was Unternehmer tun können, um ihrer Verantwortung in der Gesellschaft gerecht zu werden.

Wirtschaftsforum 03
Kabarettist
Lars Reichow

Zum Auftakt hatte der bekannte Kabarettist Lars Reichow den Unternehmern den Spiegel vorgehalten. „Verantwortungslos gegenüber Mitarbeitern, raffgierig, egoistisch und Macht besessen“, waren nur einige Vorurteile, die er zusammentrug und die als Anschub für die Diskussion gedacht waren.

Für IHK-Präsident Peter Adrian ist es eine wichtige Aufgabe in der IHK, die verzerrte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu korrigieren und für ein differenzierteres Bild des Unternehmers in der Öffentlichkeit zu sorgen. „Wir können als IHK noch mehr Beispiele von sozial und kulturell engagierten Unternehmern in der Öffentlichkeit präsentieren“, sagte Adrian. „Mit Unternehmen mit einem verabsolutierten Shareholder value hat die Realität in den meisten mittelständischen Betrieben nichts zu tun“.
Wirtschaftsforum 04
IHK-Präsident
Peter Adrian
im Gespräch mit
Gerhard Hohmann

MARKTWIRTSCHAFT UND ETHIK KEIN WIDERSPRUCH
Hat Moral überhaupt noch Relevanz für das Wirtschaftsleben oder haben sich alle Wirtschaftsakteure davon schon längst verabschiedet?, fragte der Hauptredner Professor Dr. André Habisch. Für Habisch, Volkswirt, Theologe und Hochschullehrer an der Katholischen Universität Ingolstadt-Eichstätt hat die christliche Gesellschaftslehre immer an moralischen Wertmaßstäben festgehalten. Sie sei so aktuell wie nie, obgleich man ihre Werte heute in ein neues Umfeld marktwirtschaftlicher Ordnung übersetzen müsse. Habisch machte deutlich, dass marktwirtschaftliche Ordnung und die ethische Unternehmensführung keinen Widerspruch darstellen. „Die Marktwirtschaft ist nicht nur extrem leistungsfähig, sie ist auch selbst ein ethisch-moralisches Produkt, mit dem die menschlichen Grundbedürfnisse besser befriedigt werden können“, sagte Habisch. Auch die Gründungsväter der marktwirtschaftlichen Ordnung wie Walter Eucken hätten sich mit der Frage beschäftigt, wie unter den Rahmenbedingungen dieser Wirtschaftsordnung ethische Werte zu verwirklichen seien. Insbesondere in Zeiten, in denen marktwirtschaftliche Grundregeln im internationalen Wettbewerb nicht mehr richtig funktionierten, seien verantwortliche Unternehmenslenker gefragt, die ordnungspolitische Mitverantwortung zeigen und auch moralisch handeln. „Verantwortung im Unternehmen vor allem gegenüber Mitarbeitern und Geschäftspartnern zu zeigen, ist auch eine Voraussetzung für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit“, sagte Habisch. Vertrauen gehöre nach wie vor zum wichtigsten Kapital zwischenmenschlicher Beziehungen. Habisch appellierte an die Unternehmen, mit ihrer Verantwortung nicht am Werkstor aufzuhören, sondern die vielfältigen Möglichkeiten sozialen Engagements im Sinne eines guten Corporate Citizenship zu nutzen und dies auch in der Öffentlichkeit deutlich zu machen.

Prof. André Habisch
Prof. André Habisch

ANGESTELLTE MANAGER HABEN RUF RUINIERT
In der anschließenden Diskussionsrunde zeigte Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen in Mannheim auf, wie stark das Ansehen von Führungskräften in der Bevölkerung gesunken ist. „Waren im Jahr 1997 noch 45 Prozent der Bevölkerung der Meinung, die Führungskräfte würden ihrer Verantwortung gerecht, so ist diese Zahl im Jahr 2009 auf 25 Prozent und damit auf das Niveau von Politikern gesunken.“ Für Jung waren es vor allem die angestellten Manager, die das Bild des Unternehmers in der Öffentlichkeit ruiniert haben. Für ihn sei es unverständlich, warum sich die Mehrheit der kleinen und mittelständischen Unternehmer die Gleichstellung mit den wenigen schwarzen Schafen aus Großunternehmen gefallen lasse. Mit einem anteilmäßig am Umsatz orientierten Sponsoring allein sei dieses Bild aber nicht zu korrigieren, warnte Jung. Ein Engagement müsse auch zu der im Unternehmen gelebten ethischen Unternehmensführung passen.

KJU-Mitglieder im Gespräch (v.l.): Ole Seidel, Ronald Frank und Nicole Mrotzek
(v.l.): Ole Seidel,
Ronald Frank

und Nicole Mrotzek
Ole Seidel, Vorsitzender des Kreises Junger Unternehmer, wies darauf hin, dass es in der aktuellen Wirtschaftslage für Unternehmer eine große Herausforderung darstelle, für den Erhalt von Arbeitsplätzen zu sorgen. Diese Herausforderung und dieses Engagement des Unternehmers werde in der Öffentlichkeit nur selten richtig eingeschätzt. Auch der Kreis Junger Unternehmer habe sich auf die Fahnen geschrieben, Persönlichkeitsbildung der Unternehmer zu fördern.

Frank Straub, Geschäftsführender Gesellschafter des bekannten Spülen-Herstellers Blanco, sagte, er spüre den Druck der Medien und äußerte die Überzeugung, dass es die Unternehmerschaft selbst in die Hand nehmen müsse, das verzerrte Bild durch eigenes Handeln zu korrigieren. Er ist Vorsitzender des Caux Round Table, einem internationalen Netzwerk von Wirtschaftsführern, das es
Bertrand Adams, Bernhard Kaster u. Arne Rössel (v.l.)
Bertrand Adams,
Bernhard Kaster u.
Arne Rössel (v.l.)

sich zum Ziel gesetzt hat, durch die Integration moralischer Geschäftsprinzipien in Unternehmen eine bessere Welt zu schaffen.
Anhand seines eigenen Unternehmens zeigte Straub, wie er im eigenen Unternehmen durch aktive Kulturarbeit und durch regelmäßige Foren mit Führungskräften versucht, seine Vorstellungen einer ethischen Unternehmensführung im Unternehmen umzusetzen. Für ihn stehe der Mensch im Mittelpunkt, und es sei wichtig, dass man sich ein positives Menschenbild zur Maxime des eigenen Handelns mache.
Am Ende der Veranstaltung zeigte sich auch der Kabarettist Lars Reichow wieder versöhnlich. "Ein guter Unternehmer spürt wenn es Zeit ist, das Produzieren mit edleren Tätigkeiten zu ergänzen und das Gemeinwohl im Blick zu haben."


Weitere Gäste im Gespräch (v.l.n.r.): Bernd Steub, Werner Angsten, Margit Gellner, Franz Marx und Agnes Angsten.


Weitere Gäste im Gespräch (v.l.n.r.):
Bernd Steub, Werner Angsten,
Margit Gellner, Franz Marx und Agnes Angsten.

Günther Kiefer


Seitenfuß