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01.09.2008
Wachstumsmarkt erneuerbare Energien
Dieser Text ist vom 01.09.2008 und könnte inhaltlich veraltet sein.
Spezialisten der Region planen, bauen und betreiben Windkraft-, Solar- und Biogasanlagen
Explodierende Preise für Öl und Gas und die immer deutlicher spürbar werdenden Auswirkungen des Klimawandels haben die Diskussion um den Einsatz erneuerbarer oder CO²-neutraler Energien spürbar belebt. Wenn Unternehmen nach sinnvollen Maßnahmen zur Erreichung der Klimaschutzziele gefragt werden, so entscheiden sie sich in erster Linie für solche, die zum Klima- und Umweltschutz beitragen, dabei aber ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht gefährden. Im aktuellen Unternehmensbarometer der IHK-Organisation haben sich die befragten Unternehmen für längere Laufzeiten von Kernkraftwerken, eine stärkere Förderung der Energieeffizienzberatung und mit über 60 Prozent auch für eine Erhöhung des Anteils regenerativer Energien ausgesprochen. Die Unternehmen halten den langfristigen Umbau der Energieversorgung für notwendig, sehen dabei aber die massiven Steigerungen der Energiepreise auf ihre Wettbewerbsfähigkeit sehr kritisch.
Das Maßnahmenpaket der Bundesregierung setzt auf eine massive Steigerung der Energieeffizienz und einen forcierten Ausbau der regenerativen Energien. Inzwischen haben auch die großen deutschen Stromproduzenten die regenerativen Energien entdeckt und damit ihre jahrelange kritische Einstellung gegenüber der weiteren Verbreitung von Windkraft und Solarstrom aufgegeben. Sie investieren Millionen Beträge in Photovoltaikanlagen, planen große Offshore-Windparks an Nord- und Ostsee und engagieren sich beim Betrieb von Biogasanlagen. Ähnliche Engagements kann man auch bei kleineren regionalen Versorgungsunternehmen beobachten.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien regelt in Deutschland das Erneuerbare Energiengesetz, mit dessen Hilfe der Anteil von Strom aus Wind, Wasser, Sonne oder Biomasse von heute 14 bis zum Jahr 2020 auf mindestens 30 Prozent erhöht werden soll. Mit diesem ehrgeizigen Programm sollen letztlich nicht nur Klimaschutz-Ziele verfolgt werden, nach den Vorstellungen von Bundesumweltminister Gabriel sollen durch die Klimaschutzgesetze und Förderprogramme auch zusätzliche Nettoinvestitionen in Deutschland induziert werden, die die heimischen Industrien stärken und die Nachfrage im Bau- und Anlagensektor erhöhen. Darüber hinaus wird durch diese Strategie bis 2020 die Schaffung von rund 500 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen erwartet.
Wir haben fünf Unternehmen in der Region Trier besucht, die sich auf dem Gebiet der regenerativen Energien betätigen und sie nach ihrer Einschätzung der politischen Rahmenbedingungen und ihren Zukunftschancen befragt.
„MEHR FLÄCHEN FÜR WINDENERGIE AUSWEISEN“
Dass die Beschäftigung mit regenerativen Energien Arbeitsplätze schaffen kann, zeigt das Beispiel der en-neo GmbH, einem Unternehmen der Köhl-Gruppe, Trier, wo in den letzten fünf Jahren rund 20 neue Arbeitsplätze entstanden sind. Tendenz weiter steigend. Die jahrelange Erfahrung der Köhl-Gruppe im Wasserkraftbereich führte dazu, dass sich das Unternehmen mit einem eigenen Unternehmensbereich auf die regenerative Energieerzeugung konzentrierte. en-neo entwickelt, plant, baut und betreibt Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen. Unterstützt wurde ein schneller Einstieg vor allem im Bereich Windenergieanlagen durch das Know-how, das sich Geschäftsführer Erich Gasber bereits seit 1995 durch ein privates Engagement an Windkraftanlagen aneignen konnte. Inzwischen hat das Trierer Unternehmen rund 50 Projekte entwickelt, gebaut und zum Teil weiter veräußert. Auch im Bereich Photovoltaik betreibt en-neo seit mehreren Jahren in der Region Hochwald, Eifel und Mosel diverse Pilotanlagen, die vor allem dazu genutzt werden, verlässliche statistische Daten für gezielte Ertragsprognosen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen zu gewinnen. Erst im Jahr 2006 startete man auch ein Engagement im Bereich Biogasanlagen, von denen inzwischen fünf fertig gestellt wurden. „Beim Bau der Anlagen setzen wir auf marktbewährte Produkte“, sagt Geschäftsführer Erich Gasber, „diese ergänzen wir dann mit anderen Produkten und Dienstleistungen der Köhl-Gruppe und können so gute Synergieeffekte erzielen. Auf diese Weise erzielen wir innerhalb der Gruppe eine sehr tiefe Wertschöpfung, die je nach Energieart zwischen 15 und 35 Prozent liegen dürfte.“ Für besonders interessant gerade für die regionale Wirtschaft hält Gasber Projekte, die sich als Folgenutzung der Verwertung von Biogas ergeben. So sei es sehr interessant, mit der gewonnenen Energie Klärschlamm zu trocknen, der anschließend mit einem ähnlich hohen Heizwert wie Braunkohle zur Wärmegewinnung eingesetzt werden könne. Unterstützt durch die enge Zusammenarbeit mit anderen Unternehmenszweigen der Köhl-Gruppe wolle sich en-neo künftig tiefer auch beim Bau und Steuerung von Blockheizkraftwerken einbringen.
Beim Blick in die Zukunft setzt Gasber auf weiter steigende Anteile der regenerativen Energieerzeuger. Vor allem die Windkraft könnte nach seiner Ansicht mit günstigeren Rahmenbedingungen deutlich stärker expandieren. Ihr Anteil werde sich ganz sicher auch nach dem Jahr 2020 in kurzer Zeit noch einmal verdoppeln. Gasber kritisiert, dass vor allem in dünn besiedelten Landstrichen der Region Trier zu wenig Standorte für Windenergieanlagen ausgewiesen würden. Probleme mit der touristischen Nutzung der Regionen sieht Gasber nicht. „Weder in Husum an der Nordsee noch auf dem Campingplatz Reinsfeld sind die Gästezahlen nach dem Bau von Windkraftanlagen zurückgegangen“, so seine Einschätzung. Im Bereich Photovoltaik sei die Zeit der Großanlagen vorbei, der Trend gehe eher zu kleineren Anlagen. Rein theoretisch, so Gasber, könne heute schon jeder Hausbesitzer auf rund 35 Quadratmetern geeigneter Dachfläche den Jahresstromverbrauch einer vierköpfigen Familie selbst produzieren. Mittelfristig wünscht sich der en-neo-Geschäftsführer mehr Verständnis in der Bevölkerung für alternative Energien. Dieses könne man zum Beispiel durch eine frühzeitige Information über Klimaschutz und regenerative Energien schon in den Schulen positiv beeinflussen. Darüber hinaus plädiert er für kleinere dezentrale Versorgungsunternehmen, die noch dem Gemeinwohl verpflichtet bleiben und im Abfall und im Versorgungsbereich eigene Strukturen entwickeln. „Solche Strukturen eröffnen auch der regionalen mittelständischen Wirtschaft große Spielräume.“
Als ein weiterer interessanter Geschäftszweig hat sich die Produktion von Holzpellets erwiesen, mit denen Ein- und Mehrfamilienhäuser vollautomatisch und CO²-neutral ihren Wärmebedarf decken können. Holz als Brennstoff, so Lutz Gubernator, stehe gerade in ländlich strukturierten Räumen in ausreichender Menge zur Verfügung und mit der Verwertung von Restholzbeständen aus der Forstwirtschaft und Holzabfällen der Industrie könne Holz als Biobrennstoff energetisch genutzt werden. Angesichts des weiter steigenden Ölpreises und der Endlichkeit der konventionellen Energieträger gewinne Holz als nachwachsender Rohstoff für die dezentrale Energieversorgung stetig an Bedeutung. Produziert werden die Holzpellets vom Gemeinschaftsunternehmen WEAG & Mohr an den Standorten Trier und Rötsweiler bei Idar-Oberstein. Besonders interessant sei diese Form der Heizung für die Modernisierung von Altbauten. Auch die Nachfrage aus Gewerbebetrieben und öffentlichen Bauten sei spürbar angestiegen. Denn je größer die zu installierende Heizleistung desto größer seien auch die Chancen für eine Pellets-Heizung. Die Brennstoffkosten seien zurzeit gegenüber Öl und Gas nur etwa halb so hoch. In Konkurrenz zu zahlreichen bundesweit agierenden Pellets-Anbietern versuche WEAG & Mohr, sich mit hoher Qualität einen Namen zu machen, verwende zurzeit ausschließlich Hobelspäne aus holzverarbeitenden Betrieben und erwarte ein weiter steigendes Interesse an dieser Verwertung dieses heimischen umweltfreundlichen Brennstoffes.
SAUBERER STROM AUS SONNENENERGIE
Der Bau von Photovoltaik-Anlagen hat sich für die Elektro Matheus GmbH in Neumagen-Dhron seit dem Jahr 2002 als neuer Geschäftszweig rasant entwickelt. Damals traf Gerd Matheus die Entscheidung, sich nicht mehr an Ausschreibungen für große Elektroinstallationsprojekte zu beteiligen und sich stattdessen mit deutlich weniger Mitarbeitern auf die Installation von Photovoltaik-Anlagen zu konzentrieren. Technik-Freak Matheus sah hierin eine größere Zukunftschance. In die neue Technologie konnte er sich aufgrund seines Ingenieur-Studiums schnell einarbeiten. Bereits 2002 installierte er die erste Anlage mit 2,64 Kilowatt Leistung. Im vergangenen Jahr waren es bereits über 1 Megawatt und im Jahr 2008 hat er diese Größenordnung fast schon zur Jahresmitte erreicht. Das Jahr 2008 hat für Matheus noch einmal einen richtigen Auftragsschub gebracht, weil die Einspeisevergütung ab dem Jahr 2009 um acht Prozent auf rund 43 Cent fällt. Überall im Raum Mosel, Hunsrück und Eifel montiert Elektro Matheus Photovoltaik-Module, die er von Produzenten aus Deutschland, China, USA, Italien und Luxemburg bezieht. Seit 2002 hat Elektro Matheus rund 105 Anlagen, in der Mehrzahl auf Dächern, mit einer Gesamtleistung von über 3 Megawatt installiert. Damit produzieren seine Kunden rund 2,6 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr und erhalten Einspeisevergütungen von rund 1,3 Millionen Euro. Die Kunden kommen überwiegend aus dem Bereich der gewerblichen Unternehmen, 25 Prozent sind Privatleute und 15 Prozent der Aufträge stammen von der Öffentlichen Hand. „Viele meiner Kunden sind Wiederholungstäter“, sagt Gerd Matheus. „Sobald sie gemerkt haben, dass sich die Anlagen rechnen, haben sie weitere zum Teil bis zu sechs Anlagen mit uns realisiert“.
Die Zukunftsaussichten für das Geschäft mit Photovoltaik-Anlagen schätzt Matheus als hervorragend ein. Deutschland brauche in 20 Jahren voraussichtlich noch deutlich mehr Strom als heute. Matheus denkt dabei an eine neue Generation von Elektroautos, die mit Lithium-Ionen-Batterien bzw. Brennstoffzellen mit Wasserstoff angetrieben werden. Für alle diese neuen Technologien benötige man Strom, den man angesichts einer drohenden Energieknappheit in Deutschland nach Abschaltung aller Atomkraftwerke zum Teil auch auf dem eigenen Dach gewinnen könne. „Ich halte angesichts explodierender Stromkosten auch ein Szenario für denkbar, bei dem die Betreiber von Photovoltaik-Anlagen keine Einspeisevergütung mehr in Anspruch nehmen, sondern einen Teil des produzierten Stroms lieber selbst verbrauchen und nur noch den Rest am Markt verkaufen.“ Damit solche Zukunftsprojekte schneller realisiert werden können, wünscht sich Matheus mehr Entschlossenheit in der Politik, Geld, um in die Forschung und Entwicklung zu investieren mit dem Ziel, schneller auf fossile Energieträger verzichten zu können. Großes Potenzial für Photovoltaik-Anlagen sieht Matheus noch auf den vielen ungenutzten Dächern von Fabrikhallen im gewerblichen Bereich. Eine geeignete Lage in südlicher Richtung und eine Dachneigung bis 30 Prozent vorausgesetzt erlaube die Amortisation einer Investition in Photovoltaik auch bei 100 Prozent Fremdkapital in zehn bis 15 Jahren.
Ein Problem sieht Matheus allerdings in dem globalen Markt für Solar-Module. Obwohl Quarzsand als Rohstoffbasis für Siliziumzellen fast in unbegrenzter Menge vorkomme und im Jahr 2008 zahlreiche neue Produktionsanlagen in Betrieb genommen wurden, sei der Preis für die Module im ersten Halbjahr 2008 aufgrund von Spekulationen sogar gestiegen. Sollte dieser Trend anhalten, könnten sinkende Einspeisevergütungen möglicherweise irgendwann nicht mehr durch niedrigere Produktionskosten kompensiert werden.
EXKLUSIV AUS TRIER: DACHINTEGRIERTE PHOTOVOLTAIK
Mit dachintegrierten Photovoltaik-Anlagen hat der Trierer Bedachungsspezialist alwitra seit zehn Jahren für Furore gesorgt und unzählige Innovationspreise eingesammelt. Vom Innovationspreis des Landes Rheinland-Pfalz im Jahr 2000 bis zum Innovationspreis in Gold der Pariser Bau-Messe Batimat 2005 reicht das Spektrum der in- und ausländischen Auszeichnungen. Als einzigem Unternehmen ist es alwitra gelungen, flexible Photovoltaik-Module in eine hochwertige Kunststoffdachbahn zu integrieren und damit ein Bauwerk sicher gegen Niederschlagswasser zu schützen und mit den gleichen Dichtungsbahnen solare Strahlungsenergie in elektrischen Strom umzuwandeln. Nach zehn Jahren, so stellt alwitra-Geschäftsführer Joachim Gussner fest, hat diese Innovation dem Unternehmen einen kräftigen Schub gebracht. „Die vielfältige Presseberichterstattung und die zahlreichen Innovationspreise haben alwitra viele neue Möglichkeiten erschlossen, auch wenn dies zunächst nicht immer zu Aufträgen für dachintegrierte Photovoltaik-Anlagen führte“, erinnert sich Gussner. Er selbst hatte die Idee zu dieser Innovation beim Lesen eines Fachartikels über flexible Solarmodule entwickelt, während sein Blick zwischendurch über die ungenutzten Dachflächen des Hongkonger Flughafens streifte.
Rund 1 200 Anlagen hat das Unternehmen bisher europaweit realisiert. Besonders stark ist die Nachfrage zurzeit aus den südeuropäischen Ländern Frankreich, Italien, Spanien, aber auch aus der Türkei und Griechenland. „Wenn das Niveau der Nachfrage weiter so anhält, werden wir wahrscheinlich 2008 nicht mehr alle Projekte abwickeln können“, sagt Gussner, „und das obwohl unsere Mitarbeiter mit hohem Engagement, dort wo es möglich ist, rund um die Uhr arbeiten.“ „Dass unsere Evalon Solar Dachbahnen so erfolgreich sind“, so Gussner, „hat auch damit zu tun, dass unsere Technologie selbst für Dachkonstruktionen mit geringer Traglast sowie flach geneigte Dachflächen geeignet ist und dank der Triple-Junction- Technologie höhere Erträge liefert, bei gleicher Ausrichtung sogar mehr als kristalline Solarzellen gleicher Nennleistung.“ 40 der insgesamt 280 Mitarbeiter des Unternehmens, darunter auch zehn hoch qualifizierte Ingenieure, sind an den Standorten Trier und Hermeskeil ausschließlich mit der Entwicklung, Konzeption und Produktion von Solaranlagen beschäftigt. Rund 25 Millionen Euro, also ungefähr 20 Prozent des Gesamtumsatzes, werden mit Solardachbahnen erwirtschaftet. Während die Dachbahnen selbst im Werk in Hermeskeil gefertigt werden, müssen die Photovoltaik-Module vom amerikanischen Hersteller Uni-Solar bezogen werden. „Diese hohe Abhängigkeit ist für uns ein Problem, denn die global agierenden Produzenten verteilen ihre Produkte weltweit. Für ein mittelständisches Unternehmen wie alwitra erfordert es einen enormen Kraftaufwand, immer rechtzeitig und mit den benötigten Mengen beliefert zu werden.“ Trotz intensiver Anstrengungen ist es dem Trierer Unternehmen bisher noch nicht gelungen, ein geeignetes Alternativprodukt zu finden.
alwitra plant dank der hohen Nachfrage in den nächsten Jahren, seine Kapazität weiter auszubauen und eine weitere Produktionsanlage zu installieren. „Gleichzeitig wird mit Hochdruck daran geforscht, um wenigstens in zwei Jahren eine Alternative zu dem bisherigen verarbeiteten technischen System zu finden“. Mittelfristig sieht Gussner für dachintegrierte Lösungen noch erhebliche Chancen, denn gerade die noch weiter südlich gelegenen Länder mit der höchsten Sonneneinstrahlung seien erst jetzt dabei, die Einsatzmöglichkeiten dieser Lösung für sich zu entdecken.
ÖKOBiT sieht sich als qualitativ hochwertiger Anbieter von Anlagen, die sich bereits nach sieben bis neun Jahren amortisieren sollen. „Diese kürzere Amortisationszeit ist gewollt, denn Biogasanlagen unterliegen einer brutal langen Kette von denkbaren Einflussfaktoren wie Witterung, Qualität der Böden, Erntezeitpunk, Stabilität der Gärprozesse oder Wirkungsgrad der Anlage“, sagt Nottinger.
In der politischen Diskussion um regenerative Energien hält Nottinger es für unredlich, die Höhe der Einspeisevergütungen mit dem durchschnittlichen Produktionspreis der großen Energieproduzenten zu vergleichen. Die rund 10 bis 16 Cent Einspeisevergütung für Strom aus Biogasanlagen seien Vollkosten, die auch die externen Kosten einer Anlage abdecken. Würde man auch die Kosten der Kohlesubventionen oder der Endlagerung von Atommüll in die Produktionskosten einrechnen, käme man zwangsweise zu ganz anderen Ergebnissen ( 50 Cent). Mit dem neuen Energieeinspeisegesetz ab 2009 seien gute Rahmenbedingungen geschaffen worden für standortangepasste kleinere Anlagen. Zurzeit finde ein Wandel in der Struktur der Kundschaft statt. Bis 2006 seien alle Anlagen fast zu 100 Prozent im Bereich der Landwirtschaft installiert worden. Bereits im Jahr 2007 gingen nur noch 50 Prozent der Anlagen in diesen Bereich. Die restlichen 50 Prozent seien von Energieversorgungsunternehmen investiert worden, die das gewonnene Methan anschließend nach einer Weiterveredelung durch Abscheiden von CO² und Spurengasen als Bio-Erdgas in ihr Netz einspeisen.
Für Nottinger ist es ein besonderes Anliegen, weitere „vermeintliche“ Vorurteile gegen Biogasanlagen auszuräumen. „Weder die steigenden Lebensmittelpreise noch eine drohende Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung sind seriöse Argumente gegen die Biogaserzeugung“, sagt er. Nur ein Bruchteil der weltweit produzierten Agrargüter würden bisher als Bioenergie genutzt. Trotzdem seien die Weltmarktpreise für Getreide aufgrund von Ernteausfällen und einem überproportionalen Verbrauch als Futtermittel für die Fleischproduktion und einem Spekulantenanteil, der geschätzt 30 Prozent beträgt, in die Höhe geschnellt“. In Deutschland ist es möglich, noch die doppelte Fläche für Energiepflanzen zur Verfügung zu stellen, ohne dass die Versorgung mit Nahrungsmitteln gefährdet ist“. Und noch ein Argument spricht nach seiner Auffassung für den Betrieb von Biogasanlagen: Mit den Gärresten könne aktiver Grundwasserschutz betrieben werden. Organisch gebundener Stickstoff werde mineralisiert und sei somit sofort Pflanzen verfügbar und in der Lage, in vollem Umfang mineralischen Dünger zu ersetzen.
Das Maßnahmenpaket der Bundesregierung setzt auf eine massive Steigerung der Energieeffizienz und einen forcierten Ausbau der regenerativen Energien. Inzwischen haben auch die großen deutschen Stromproduzenten die regenerativen Energien entdeckt und damit ihre jahrelange kritische Einstellung gegenüber der weiteren Verbreitung von Windkraft und Solarstrom aufgegeben. Sie investieren Millionen Beträge in Photovoltaikanlagen, planen große Offshore-Windparks an Nord- und Ostsee und engagieren sich beim Betrieb von Biogasanlagen. Ähnliche Engagements kann man auch bei kleineren regionalen Versorgungsunternehmen beobachten.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien regelt in Deutschland das Erneuerbare Energiengesetz, mit dessen Hilfe der Anteil von Strom aus Wind, Wasser, Sonne oder Biomasse von heute 14 bis zum Jahr 2020 auf mindestens 30 Prozent erhöht werden soll. Mit diesem ehrgeizigen Programm sollen letztlich nicht nur Klimaschutz-Ziele verfolgt werden, nach den Vorstellungen von Bundesumweltminister Gabriel sollen durch die Klimaschutzgesetze und Förderprogramme auch zusätzliche Nettoinvestitionen in Deutschland induziert werden, die die heimischen Industrien stärken und die Nachfrage im Bau- und Anlagensektor erhöhen. Darüber hinaus wird durch diese Strategie bis 2020 die Schaffung von rund 500 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen erwartet.
Wir haben fünf Unternehmen in der Region Trier besucht, die sich auf dem Gebiet der regenerativen Energien betätigen und sie nach ihrer Einschätzung der politischen Rahmenbedingungen und ihren Zukunftschancen befragt.
Dass die Beschäftigung mit regenerativen Energien Arbeitsplätze schaffen kann, zeigt das Beispiel der en-neo GmbH, einem Unternehmen der Köhl-Gruppe, Trier, wo in den letzten fünf Jahren rund 20 neue Arbeitsplätze entstanden sind. Tendenz weiter steigend. Die jahrelange Erfahrung der Köhl-Gruppe im Wasserkraftbereich führte dazu, dass sich das Unternehmen mit einem eigenen Unternehmensbereich auf die regenerative Energieerzeugung konzentrierte. en-neo entwickelt, plant, baut und betreibt Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen. Unterstützt wurde ein schneller Einstieg vor allem im Bereich Windenergieanlagen durch das Know-how, das sich Geschäftsführer Erich Gasber bereits seit 1995 durch ein privates Engagement an Windkraftanlagen aneignen konnte. Inzwischen hat das Trierer Unternehmen rund 50 Projekte entwickelt, gebaut und zum Teil weiter veräußert. Auch im Bereich Photovoltaik betreibt en-neo seit mehreren Jahren in der Region Hochwald, Eifel und Mosel diverse Pilotanlagen, die vor allem dazu genutzt werden, verlässliche statistische Daten für gezielte Ertragsprognosen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen zu gewinnen. Erst im Jahr 2006 startete man auch ein Engagement im Bereich Biogasanlagen, von denen inzwischen fünf fertig gestellt wurden. „Beim Bau der Anlagen setzen wir auf marktbewährte Produkte“, sagt Geschäftsführer Erich Gasber, „diese ergänzen wir dann mit anderen Produkten und Dienstleistungen der Köhl-Gruppe und können so gute Synergieeffekte erzielen. Auf diese Weise erzielen wir innerhalb der Gruppe eine sehr tiefe Wertschöpfung, die je nach Energieart zwischen 15 und 35 Prozent liegen dürfte.“ Für besonders interessant gerade für die regionale Wirtschaft hält Gasber Projekte, die sich als Folgenutzung der Verwertung von Biogas ergeben. So sei es sehr interessant, mit der gewonnenen Energie Klärschlamm zu trocknen, der anschließend mit einem ähnlich hohen Heizwert wie Braunkohle zur Wärmegewinnung eingesetzt werden könne. Unterstützt durch die enge Zusammenarbeit mit anderen Unternehmenszweigen der Köhl-Gruppe wolle sich en-neo künftig tiefer auch beim Bau und Steuerung von Blockheizkraftwerken einbringen.
Beim Blick in die Zukunft setzt Gasber auf weiter steigende Anteile der regenerativen Energieerzeuger. Vor allem die Windkraft könnte nach seiner Ansicht mit günstigeren Rahmenbedingungen deutlich stärker expandieren. Ihr Anteil werde sich ganz sicher auch nach dem Jahr 2020 in kurzer Zeit noch einmal verdoppeln. Gasber kritisiert, dass vor allem in dünn besiedelten Landstrichen der Region Trier zu wenig Standorte für Windenergieanlagen ausgewiesen würden. Probleme mit der touristischen Nutzung der Regionen sieht Gasber nicht. „Weder in Husum an der Nordsee noch auf dem Campingplatz Reinsfeld sind die Gästezahlen nach dem Bau von Windkraftanlagen zurückgegangen“, so seine Einschätzung. Im Bereich Photovoltaik sei die Zeit der Großanlagen vorbei, der Trend gehe eher zu kleineren Anlagen. Rein theoretisch, so Gasber, könne heute schon jeder Hausbesitzer auf rund 35 Quadratmetern geeigneter Dachfläche den Jahresstromverbrauch einer vierköpfigen Familie selbst produzieren. Mittelfristig wünscht sich der en-neo-Geschäftsführer mehr Verständnis in der Bevölkerung für alternative Energien. Dieses könne man zum Beispiel durch eine frühzeitige Information über Klimaschutz und regenerative Energien schon in den Schulen positiv beeinflussen. Darüber hinaus plädiert er für kleinere dezentrale Versorgungsunternehmen, die noch dem Gemeinwohl verpflichtet bleiben und im Abfall und im Versorgungsbereich eigene Strukturen entwickeln. „Solche Strukturen eröffnen auch der regionalen mittelständischen Wirtschaft große Spielräume.“
HOLZ ALS BIO-ENERGIE
NUTZEN
Ebenfalls die Gesamtpalette regenerativer Energieanlagen hält die WEAG Future Energies AG, Neumagen-Dhron in ihrem Portfolio. Das Unternehmen ging aus der WEG Windkraft Engeneering GmbH hervor, die 1996 gegründet wurde. Über die Durchführung von Wasserkraftprojekten kamen die Gesellschafter 1993 zur Planung von Windenergieanlagen. In den letzten Jahren haben sich Projektierung und der Betrieb von Windenergieanlagen sowie die im Gemeinschaftsunternehmen WEAG&Mohr produzierten Holzpellets als wichtigste Geschäftszweige herauskristallisiert. In den zwölf Jahren seines Bestehens hat das Unternehmen 25 Windenergieanlagen projektiert und erbaut, sechs davon werden in Eigenregie betrieben. In diesem Geschäftszweig sind an den Standorten Neumagen-Dhron und Mandern 15 Mitarbeiter beschäftigt. Lutz Gubernator, Vorstand der WEAG sieht die Chancen der Windenergie in dem Maße steigen, in dem sich die Stromkosten verteuern. „Ich kann mir durchaus ein Szenario in den nächsten Jahren vorstellen, bei dem die Windenergiebetreiber bei explodierenden Strompreisen gar nicht mehr auf höhere Einspeisevergütungen angewiesen sind“. Bisher erhalten Betreiber von Windenergieanlagen für jede eingespeiste Kilowattstunde 20 Jahre lang 8,03 Cent. Dieser Wert steigt 2009 auf 9,2 ct und wird danach für neu in Betrieb genommene Anlagen jedes Jahr um ein Prozent gesenkt. Investoren für neue Anlagen gebe es genug, sagt WEAG-Vorstand Gubernator. Den einzigen Engpass sieht er in der restriktiven Ausweisung von geeigneten Standorten, denn auch durch den Ersatz alter Anlagen (Repowering) könne der angestrebte höhere Anteil der Windenergie nicht erreicht werden. „Wir brauchen den politischen Willen, mehr Standorte auszuweisen.“ Auch Gubernator lässt das Argument einer möglichen Beeinträchtigung der Landschaft und des Tourismus-Geschäftes nicht gelten. „Nach meiner Einschätzung ist da durchaus ein Umdenkungsprozess im Gange. Besucher nehmen Windräder nicht mehr als Störfaktoren wahr. In einigen Jahren werden sie wohl eher als Zeichen für eine fortschrittlich ökologisch orientierte Region gesehen, die es mit dem Umwelt- und Klimaschutz ernst meint“. Immerhin erbringe ein Windrad mit einer Leistung von zwei Megawatt eine Jahresleistung von vier bis fünf Millionen Kilowattstunden, was dem Strombedarf von 4 000 bis 5 000 Personen entspricht.Als ein weiterer interessanter Geschäftszweig hat sich die Produktion von Holzpellets erwiesen, mit denen Ein- und Mehrfamilienhäuser vollautomatisch und CO²-neutral ihren Wärmebedarf decken können. Holz als Brennstoff, so Lutz Gubernator, stehe gerade in ländlich strukturierten Räumen in ausreichender Menge zur Verfügung und mit der Verwertung von Restholzbeständen aus der Forstwirtschaft und Holzabfällen der Industrie könne Holz als Biobrennstoff energetisch genutzt werden. Angesichts des weiter steigenden Ölpreises und der Endlichkeit der konventionellen Energieträger gewinne Holz als nachwachsender Rohstoff für die dezentrale Energieversorgung stetig an Bedeutung. Produziert werden die Holzpellets vom Gemeinschaftsunternehmen WEAG & Mohr an den Standorten Trier und Rötsweiler bei Idar-Oberstein. Besonders interessant sei diese Form der Heizung für die Modernisierung von Altbauten. Auch die Nachfrage aus Gewerbebetrieben und öffentlichen Bauten sei spürbar angestiegen. Denn je größer die zu installierende Heizleistung desto größer seien auch die Chancen für eine Pellets-Heizung. Die Brennstoffkosten seien zurzeit gegenüber Öl und Gas nur etwa halb so hoch. In Konkurrenz zu zahlreichen bundesweit agierenden Pellets-Anbietern versuche WEAG & Mohr, sich mit hoher Qualität einen Namen zu machen, verwende zurzeit ausschließlich Hobelspäne aus holzverarbeitenden Betrieben und erwarte ein weiter steigendes Interesse an dieser Verwertung dieses heimischen umweltfreundlichen Brennstoffes.
Die Zukunftsaussichten für das Geschäft mit Photovoltaik-Anlagen schätzt Matheus als hervorragend ein. Deutschland brauche in 20 Jahren voraussichtlich noch deutlich mehr Strom als heute. Matheus denkt dabei an eine neue Generation von Elektroautos, die mit Lithium-Ionen-Batterien bzw. Brennstoffzellen mit Wasserstoff angetrieben werden. Für alle diese neuen Technologien benötige man Strom, den man angesichts einer drohenden Energieknappheit in Deutschland nach Abschaltung aller Atomkraftwerke zum Teil auch auf dem eigenen Dach gewinnen könne. „Ich halte angesichts explodierender Stromkosten auch ein Szenario für denkbar, bei dem die Betreiber von Photovoltaik-Anlagen keine Einspeisevergütung mehr in Anspruch nehmen, sondern einen Teil des produzierten Stroms lieber selbst verbrauchen und nur noch den Rest am Markt verkaufen.“ Damit solche Zukunftsprojekte schneller realisiert werden können, wünscht sich Matheus mehr Entschlossenheit in der Politik, Geld, um in die Forschung und Entwicklung zu investieren mit dem Ziel, schneller auf fossile Energieträger verzichten zu können. Großes Potenzial für Photovoltaik-Anlagen sieht Matheus noch auf den vielen ungenutzten Dächern von Fabrikhallen im gewerblichen Bereich. Eine geeignete Lage in südlicher Richtung und eine Dachneigung bis 30 Prozent vorausgesetzt erlaube die Amortisation einer Investition in Photovoltaik auch bei 100 Prozent Fremdkapital in zehn bis 15 Jahren.
Ein Problem sieht Matheus allerdings in dem globalen Markt für Solar-Module. Obwohl Quarzsand als Rohstoffbasis für Siliziumzellen fast in unbegrenzter Menge vorkomme und im Jahr 2008 zahlreiche neue Produktionsanlagen in Betrieb genommen wurden, sei der Preis für die Module im ersten Halbjahr 2008 aufgrund von Spekulationen sogar gestiegen. Sollte dieser Trend anhalten, könnten sinkende Einspeisevergütungen möglicherweise irgendwann nicht mehr durch niedrigere Produktionskosten kompensiert werden.
Rund 1 200 Anlagen hat das Unternehmen bisher europaweit realisiert. Besonders stark ist die Nachfrage zurzeit aus den südeuropäischen Ländern Frankreich, Italien, Spanien, aber auch aus der Türkei und Griechenland. „Wenn das Niveau der Nachfrage weiter so anhält, werden wir wahrscheinlich 2008 nicht mehr alle Projekte abwickeln können“, sagt Gussner, „und das obwohl unsere Mitarbeiter mit hohem Engagement, dort wo es möglich ist, rund um die Uhr arbeiten.“ „Dass unsere Evalon Solar Dachbahnen so erfolgreich sind“, so Gussner, „hat auch damit zu tun, dass unsere Technologie selbst für Dachkonstruktionen mit geringer Traglast sowie flach geneigte Dachflächen geeignet ist und dank der Triple-Junction- Technologie höhere Erträge liefert, bei gleicher Ausrichtung sogar mehr als kristalline Solarzellen gleicher Nennleistung.“ 40 der insgesamt 280 Mitarbeiter des Unternehmens, darunter auch zehn hoch qualifizierte Ingenieure, sind an den Standorten Trier und Hermeskeil ausschließlich mit der Entwicklung, Konzeption und Produktion von Solaranlagen beschäftigt. Rund 25 Millionen Euro, also ungefähr 20 Prozent des Gesamtumsatzes, werden mit Solardachbahnen erwirtschaftet. Während die Dachbahnen selbst im Werk in Hermeskeil gefertigt werden, müssen die Photovoltaik-Module vom amerikanischen Hersteller Uni-Solar bezogen werden. „Diese hohe Abhängigkeit ist für uns ein Problem, denn die global agierenden Produzenten verteilen ihre Produkte weltweit. Für ein mittelständisches Unternehmen wie alwitra erfordert es einen enormen Kraftaufwand, immer rechtzeitig und mit den benötigten Mengen beliefert zu werden.“ Trotz intensiver Anstrengungen ist es dem Trierer Unternehmen bisher noch nicht gelungen, ein geeignetes Alternativprodukt zu finden.
alwitra plant dank der hohen Nachfrage in den nächsten Jahren, seine Kapazität weiter auszubauen und eine weitere Produktionsanlage zu installieren. „Gleichzeitig wird mit Hochdruck daran geforscht, um wenigstens in zwei Jahren eine Alternative zu dem bisherigen verarbeiteten technischen System zu finden“. Mittelfristig sieht Gussner für dachintegrierte Lösungen noch erhebliche Chancen, denn gerade die noch weiter südlich gelegenen Länder mit der höchsten Sonneneinstrahlung seien erst jetzt dabei, die Einsatzmöglichkeiten dieser Lösung für sich zu entdecken.
ENERGIE AUS ROHSTOFFEN
In Föhren ist ein weiterer Spezialist für regenerative Energieanlagen zu finden. Dieses Mal geht es ausschließlich um Biogasanlagen, wie der Firmenname ÖKOBiT bereits andeutet. Seit der Firmengründung im Jahr 2000 kann dieser Komplettanbieter für Biogasanlagen bereits auf 80 national und international durchgeführte Projekte zurückblicken. 50 Mitarbeiter kümmern sich um Planung und Beratung, um Finanzierung, Genehmigung und Bau der Anlagen und bieten auch den nachgelagerten Service an. Die einzelnen Elemente der Anlagen werden fertig eingekauft und zu funktionalen Anlagen zusammengefügt. „Mit diesen Anlagen bieten wir vor allem Landwirten ein zusätzliches Standbein“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter von ÖKOBiT, Achim Nottinger, „denn sie können sowohl landwirtschaftliche Produkte, nicht verwertete Pflanzenreste aber auch Mist und Gülle in ihre Biogasanlagen einfüttern.“ An diese Anlagen angeschlossen steht in der Regel ein Blockheizkraftwerk, in dem das entstandene Methangas zu Strom und Wärme umgewandelt wird. Mit diesen technischen Möglichkeiten, so ist Nottinger überzeugt, stärkt die Biogaserzeugung die regionale Wertschöpfung, schließt Stoffkreisläufe und nutzt Synergien vor Ort.ÖKOBiT sieht sich als qualitativ hochwertiger Anbieter von Anlagen, die sich bereits nach sieben bis neun Jahren amortisieren sollen. „Diese kürzere Amortisationszeit ist gewollt, denn Biogasanlagen unterliegen einer brutal langen Kette von denkbaren Einflussfaktoren wie Witterung, Qualität der Böden, Erntezeitpunk, Stabilität der Gärprozesse oder Wirkungsgrad der Anlage“, sagt Nottinger.
In der politischen Diskussion um regenerative Energien hält Nottinger es für unredlich, die Höhe der Einspeisevergütungen mit dem durchschnittlichen Produktionspreis der großen Energieproduzenten zu vergleichen. Die rund 10 bis 16 Cent Einspeisevergütung für Strom aus Biogasanlagen seien Vollkosten, die auch die externen Kosten einer Anlage abdecken. Würde man auch die Kosten der Kohlesubventionen oder der Endlagerung von Atommüll in die Produktionskosten einrechnen, käme man zwangsweise zu ganz anderen Ergebnissen ( 50 Cent). Mit dem neuen Energieeinspeisegesetz ab 2009 seien gute Rahmenbedingungen geschaffen worden für standortangepasste kleinere Anlagen. Zurzeit finde ein Wandel in der Struktur der Kundschaft statt. Bis 2006 seien alle Anlagen fast zu 100 Prozent im Bereich der Landwirtschaft installiert worden. Bereits im Jahr 2007 gingen nur noch 50 Prozent der Anlagen in diesen Bereich. Die restlichen 50 Prozent seien von Energieversorgungsunternehmen investiert worden, die das gewonnene Methan anschließend nach einer Weiterveredelung durch Abscheiden von CO² und Spurengasen als Bio-Erdgas in ihr Netz einspeisen.
Für Nottinger ist es ein besonderes Anliegen, weitere „vermeintliche“ Vorurteile gegen Biogasanlagen auszuräumen. „Weder die steigenden Lebensmittelpreise noch eine drohende Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung sind seriöse Argumente gegen die Biogaserzeugung“, sagt er. Nur ein Bruchteil der weltweit produzierten Agrargüter würden bisher als Bioenergie genutzt. Trotzdem seien die Weltmarktpreise für Getreide aufgrund von Ernteausfällen und einem überproportionalen Verbrauch als Futtermittel für die Fleischproduktion und einem Spekulantenanteil, der geschätzt 30 Prozent beträgt, in die Höhe geschnellt“. In Deutschland ist es möglich, noch die doppelte Fläche für Energiepflanzen zur Verfügung zu stellen, ohne dass die Versorgung mit Nahrungsmitteln gefährdet ist“. Und noch ein Argument spricht nach seiner Auffassung für den Betrieb von Biogasanlagen: Mit den Gärresten könne aktiver Grundwasserschutz betrieben werden. Organisch gebundener Stickstoff werde mineralisiert und sei somit sofort Pflanzen verfügbar und in der Lage, in vollem Umfang mineralischen Dünger zu ersetzen.
Günther Kiefer,
kiefer@trier.ihk.de
kiefer@trier.ihk.de