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Motiv: Tanks und Leitungen für H2 (Foto: malp - stock.adobe.com)
(Foto: malp - stock.adobe.com)
  • 10.08.2026

    Warten auf Wasserstoff? Jetzt ist (noch) Zeit, zu handeln

  • Foto: Christian Kien
    Innovation, Umwelt, Energie

    Christian Kien

    Tel.: 0651 9777-540
    kien@trier.ihk.de

„Der Champagner der Energiewende“ – so wird Wasserstoff (H2) gerne bezeichnet. Während auf Champagner jedoch durchaus verzichtet werden kann, führt am Wasserstoff kein Weg vorbei, wenn Deutschland bis 2045 klimaneutral sein soll.
 
Wasserstoff wird eine zentrale Rolle in energieintensiven Industrien spielen – vor allem bei Prozessen, die hohe Temperaturen erfordern, etwa in der Stahl-, Zement-, Kalk- oder Abfallwirtschaft oder als Rohstoff für die Chemieindustrie. Ebenso wird H2 für die Dekarbonisierung des Verkehrs benötigt, insbesondere in den Bereichen Schwerlastverkehr, Schifffahrt und Luftverkehr. Nicht zuletzt wird er entscheidend für die Energieversorgungssicherheit im Winter sein. Kurz: Zum Einsatz kommen soll er überall dort, wo grüner Strom allein nicht ausreicht.
 
Warum der Wasserstoffhochlauf kein Selbstläufer ist
So hoch die Erwartungen an den Hoffnungsträger H2 sind, so groß sind auch die mit ihm verknüpften Herausforderungen. Denn Wasserstoff ist nur dann ein Erfolgsmodell, wenn er verfügbar, bezahlbar und zuverlässig transportierbar ist.
 
Die größte Hürde stellt derzeit die Infrastruktur dar: Mit dem Aufbau des Wasserstoffkernnetzes – der sogenannten „Wasserstoffautobahn“ – wurde zwar ein wichtiger Grundstein gelegt. Doch bis Erzeuger, Importeure, Speicher und Verbraucher flächendeckend miteinander verbunden sind, wird noch einige Zeit vergehen, weil die Zu- und Abfahrten zur Autobahn derzeit noch fehlen. Hinzu kommen die Kosten: Wasserstoff ist aktuell deutlich teurer als fossile Alternativen. Gleichzeitig wird Deutschland seinen Bedarf nicht allein aus heimischer Produktion decken können und auf Importe angewiesen sein.
 
Ohne verfügbare Infrastruktur, ausreichende Mengen und wettbewerbsfähige Preise können viele Unternehmen ihre Prozesse nicht auf Wasserstoff umstellen. Investitionen bleiben aus, und der Wasserstoffhochlauf entwickelt sich nur schleppend. Entscheidend sind daher die politischen Rahmenbedingungen: Es braucht weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Regulierung und eine Anschubfinanzierung für die Infrastruktur, damit aus dem Hoffnungsträger Wasserstoff tatsächlich eine Erfolgsgeschichte wird.
 
Neueste DIHK-Wasserstoffstudie zeigt den Weg 
Noch bleibt der Wasserstoff-Markthochlauf hinter den Erwartungen zurück. Die entscheidende Frage ist: Wie kriegen wir mehr Tempo rein? Genau hier setzt die neue DIHK-Studie „Meilensteine für einen erfolgreichen Wasserstoffhochlauf bis 2040“ an. Sie macht deutlich, dass Deutschland beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft keine Zeit verlieren darf.
 
Die zentrale Erkenntnis: Der Markthochlauf scheitert nicht an einem einzelnen Engpass. Vielmehr fehlen gleichzeitig wirtschaftliche Tragfähigkeit, regulatorische Klarheit, verlässliche Nachfrage und eine ausreichend entwickelte Infrastruktur. Unternehmen erkennen zwar die strategische Bedeutung von Wasserstoff, können den Umstieg jedoch häufig noch nicht wirtschaftlich begründen oder vertraglich absichern. Investoren halten sich zurück, Projekte verzögern sich, Angebot und Nachfrage warten aufeinander.
 
Unternehmen wollen handeln, Politik muss helfen 
Um den Hochlauf wieder auf Kurs zu bringen, formuliert die Studie drei Prioritäten:
 
1. Grundlagensicherung: Bis 2030 müssen die Voraussetzungen geschaffen werden. Dazu gehören kurzfristig einfachere und praxistauglichere Regeln für grünen Wasserstoff, Klarheit bei Netzentgelten sowie der beschleunigte Aufbau von Speichern. Als Übergangslösung schlägt die Studie zudem ein Book-and-Claim-System vor, damit Produzenten und Abnehmer bereits vor dem flächendeckenden Netzausbau zusammenfinden können. Dabei werden Herkunftsnachweise für erneuerbar erzeugte Energieträger unabhängig von deren physischem Transport gehandelt und angerechnet.
 
2. Realistisches und langfristig verlässliches Zielbild: Unternehmen investieren nur dann in neue Technologien, wenn sie Planungssicherheit haben. Deshalb empfiehlt die Studie eine transparente Wasserstoff-Roadmap für die kommenden Jahre. Diese sollte vor allem auch Klarheit über die Infrastrukturentwicklung geben.
 
3. Marktentwicklung vorantreiben: Bis Mitte der 2030er-Jahre müssen die Brücken in einen funktionierenden Markt gebaut werden. Dafür braucht es vor allem regionale Verteilnetze, passgenaue Förderinstrumente und bessere Rahmenbedingungen für Investitionen.
 
Unternehmen stehen bereit, die Herausforderungen sind bekannt. Jetzt müssen die richtigen Weichen gestellt werden. Denn darüber, ob der Wasserstoffhochlauf gelingt, entscheiden Tempo, Verlässlichkeit und Pragmatismus.

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