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14.08.2002

Wo gute Firmenkonzepte auf fruchtbaren Boden fallen


Dieser Text ist vom 14.08.2002 und könnte inhaltlich veraltet sein.

Das Gewerbe- und Industriegebiet Trierweiler-Sirzenich ist ein Selbstläufer – Für Marketing musste noch niemand tief in die Tasche greifen

Wo früher Kühe grasten und Wanderer den Weitblick über saftige Wiesen genossen, da hat längst eine kleine Firmenstadt Fuß gefasst. 64 Betriebe bieten im Gewerbe- und Industriegebiet Trierweiler-Sirzenich – direkt an der „Bitburger“ gelegen – an die 1 000 Arbeitsplätze. Das Gebiet mit seiner munteren Betriebsamkeit ist beispielhaft für den fortschreitenden Strukturwandel im Kreis Trier-Saarburg insgesamt, dessen Wirtschaftsraum sich gewandelt hat von einem ländlich geprägten, peripheren Standort in einen dynamischen und innovativen.

Vor Jahren hat Lothar Weis Besucher des Gewerbe- und Industriegebietes Trierweiler-Sirzenich zunächst in die Bergstraße gebeten. Von dort hatte man einen idealen Blick über das gesamte 120 Hektar große Areal. Doch das ist lange her. Mittlerweile sind dort fast nur noch Paletten zu sehen, Weis empfiehlt eine „Rundreise“. Doch traurig ist der Geschäftsführer des Zweckverbandes Wirtschaftsförderung im Trierer Tal keineswegs über den „verstellten“ Blickwinkel. Im Gegenteil: Die Paletten auf dem großen Gelände gehören der Firma Palettenlogistik Christian Bauer. Weis: „Das Unternehmen expandiert kontinuierlich. Es ist ein gutes Beispiel für die Entwicklung, die das Gebiet genommen hat.“

Verband schnuppert Höhenluft

Was aber macht die Wirtschaftsförderung Trierer Tal in der Höhenlage der Verbandsgemeinde Trier-Land? Tatsächlich war der Zweckverband 1962 gegründet worden, um das Industriegebiet Trierer Hafen zum Leben zu erwecken. Doch es reifte auch die Erkenntnis, dass man die Struktur eines Wirtschaftsraumes zweckmäßiger vorantreiben kann, geht man mit vereinten Kräften zu Werke. Mittlerweile sind am Zweckverband die Städte Trier, Konz und Saarburg, die Gemeinden Wasserliesch und Trierweiler wie auch der Landkreis Trier-Saarburg beteiligt. Seit 1973 ist der Zweckverband auch Träger des regionalen Fördergebietes Trierweiler-Sirzenich. Ob es nun um Bebauungspläne geht, Satzungen, die Erschließung des Geländes, Erwerb oder Verkauf von Grundstücken oder aber die Ansiedlung von Betrieben – der Zweckverband ist Partner.

Bescheidene Anfänge

Das Gelände in Trierweiler war damals lediglich für den lokalen Bedarf gedacht. „Wir haben die Fläche noch von der Verbandsgemeinde gekauft. Die Urkunde wurde 1972 gefertigt. Wir waren lange einzig und alleine hier mitten im Feld“, erzählt Werner Ewerhardt, Begründer und Chef der gleichnamigen Spedition. Damals sei die Autobahn gerade einmal im Gespräch gewesen, „da war noch nichts vermessen.“ Obwohl er bei allen Investitionen „ keinen Pfennig Zuschuss“ erhalten habe und auch noch an anderen Standorten präsent ist, die Entscheidung, in Trierweiler die „ Zelte“ aufzuschlagen, hat Werner Ewerhardt nie bereut. Denn die Autobahn wurde tatsächlich gebaut. Und heute gilt die hervorragende Verkehrsanbindung als der Pluspunkt des Gewerbegebietes schlechthin. Es gibt zwar keinen Gleisanschluss, das Areal liegt aber unmittelbar am Knotenpunkt A 48 (Trier-Luxemburg) und an der B 51 Trier-Köln. In wenigen Minuten ist auch der Trierer Hafen zu erreichen, ebenso der Luxemburger Flughafen.

Gleichwohl war und ist Trierweiler-Sirzenich nicht nur für logistisch orientierte Unternehmen eine gute Adresse.

Die Tür steht vielen offen

„Gott sei Dank haben wir eine sehr gemischte Struktur. Großer Arbeitgeber mit 500 Beschäftigten sind natürlich die Türenwerke Borne, aber wir haben ansonsten viele kleinere, interessante Firmen“, sagt Lothar Weis. Betriebe aus der IT-Branche wie die Firma „soft-carrier“ Computerzubehör sind dort ebenso zu finden wie neue Anbieter von Reha-Technik. Das Unternehmen „Trevimed“ hat nicht nur eine hauseigene Werkstatt, um Reha-Geräte zu ändern und anzupassen, und leistet Service bis zur Abwicklung der Pflegeüberleitung, sie hat auch einen Stützpunkt zur Sauerstoffversorgung eingerichtet.

In einer Zeit der wirtschaftlichen Flaute, in der nur Insolvenzen Hochkonjunktur zu haben scheinen, ist die Kleinteiligkeit aus Sicht des Geschäftsführers ein Glücksfall. Gehen doch bei einer Firmenschließung nicht gleich im großen Stil die Lichter aus. „Das ist dann im Blick auf das gesamte Gefüge nicht sofort die Katastrophe.“

Borne großer Arbeitgeber

Dennoch ist Türelemente Borne ein Aushängeschild. 1956 von Klaus Borne gegründet hat sich das Unternehmen von der kleinen Schreinerei zum Großproduzenten von Türen und Zargen entwickelt. „ Mosel-Türen“ ist ein guter Name. Es schwingt fast schon ein wenig Stolz mit, wenn Lothar Weis sagt: „Die stellen 5 000 Fertigtüren am Tag her.“

Dankbar ist Weis auch, dass Betriebe aus der Region den Standort Trierweiler-Sirzenich schätzen. Umgesiedelte Betriebe sind dort ebenso zu finden wie Existenzgründer. Das ist ihm lieber, als ausschließlich verlängerte Werkbänke vorzufinden. Denn, entscheidet sich ein großer Konzern zum Stellenabbau, trifft das zunächst das schwächste Glied in der Kette, sprich Arbeitsplätze in der „Peripherie“ werden gestrichen. Bei den Firmen, die man jedoch hat wachsen sehen, kann ein Zweckverband in der Krise noch eher stützen und stärken.

An Schrauben drehen

„Es gibt da einfach mehr Schrauben, an denen man noch drehen kann“, weiß der Chef des Zweckverbandes. Als Paradebeispiel, wie gute Entwicklungschancen genutzt werden, nennt Weis sofort die Metallbau GmbH. 1994 von Gerhard Bellersheim gegründet zog sie 1996 nach Trierweiler-Sirzenich. Dort entstehen individuelle Konstruktionen aus Metall. Bellersheim sei mit der Meisterprüfung in der Tasche zu ihm gekommen, wollte ein „bescheidenes“ Grundstück. „Ich habe gesagt: Zu wenig. Das ist ein guter Handwerker, der weiß, wovon er spricht. Er hat sich ganz gezielt auf ein Segment spezialisiert“, sagt Weis.

Jungen Unternehmern unterbreitet der Zweckverband dann gerne das Angebot, ein Optionsgrundstück vorzuhalten. Bellersheim hat angenommen und die Fläche sofort gebraucht.

Pizzafabrik mit Erfolgsrezept

Auch das Unternehmen Galileo Lebensmittel GmbH war so ganz nach dem Geschmack des Zweckverbandes. Und nicht nur wegen Pizza, Crostini, Rösti, Ciabatta oder Bruschetta, sondern: „In der Pizzafabrik sind über 80 Menschen beschäftigt. Und der Chef denkt noch ans Expandieren.“ Trotz guter, starker Konkurrenz in der Region floriere „der Laden.“

Gründern etwas zutrauen

Lothar Weis: „Anlaufschwierigkeiten gibt es immer. Da muss man dann durch. Wir haben ihm das zugetraut, denn das Betriebskonzept war gut.“ Die Unternehmen, die sich für Trierweiler-Sirzenich interessieren, seien ohnehin bestens informiert, wissen exakt, was sie wollen und wohin sie wollen. In Sachen Marketing hat das Gewerbe- und Industriegebiet Trierweiler-Sirzenich insofern noch nicht viel Geld gekostet, es ist ein Selbstläufer. Das Beste daran: Es ist noch Raum vorhanden, kurzfristig variable Grundstückszuschnitte anzubieten. Es gibt zudem die Möglichkeit, Baugrundstücke zur Wohnbebauung zu kaufen, zum Beispiel für leitende Mitarbeiter. Lothar Weis: „Es ist einfach ein Top-Standort.“

Ingrid Fusenig

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